Gefahrenkarte
Die roten Zonen sind im grünen Bereich

Die beiden Basel sind im Fahrplan: Bis Ende Jahr liegen die Gefahrenkarten vor. Die Karten werden erstellt, um Baugebiete besser vor Katastrophen zu schützen.

Birgit Günter
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Die über die Ufer tretende Birs hat im August 2007 Laufen unter Wasser gesetzt. Die Gefahrenkarten warnen vor solchen Risiken. bz-archiv

Die über die Ufer tretende Birs hat im August 2007 Laufen unter Wasser gesetzt. Die Gefahrenkarten warnen vor solchen Risiken. bz-archiv

Überschwemmungen, Felsstürze und Hangrutschungen: In der Region drohen im Verlauf eines Jahres viele Gefahren. Das Hochwasser im August 2007 hat gezeigt, wie stark auch die Region von Naturgewalten heimgesucht werden kann: Das Laufental war grossflächig überflutet; der materielle Schaden enorm.

Um die Baugebiete besser vor solchen Katastrophen zu schützen, werden derzeit schweizweit Naturgefahrenkarten erstellt. Bis Ende 2011 müssen die Kantone ihre Hausaufgaben erledigt haben – so will es der Bund. In Baselland und Basel-Stadt ist man diesbezüglich auf gutem Weg: «Voraussichtlich im Herbst sind wir mit allen Gefahrenkarten fertig», sagt Gesamtprojektleiterin Veronika Röthlisberger von der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung.

Gemeinden reden mit

Die Karten des Laufen- und Leimentals sind bereits fertig; die Entwürfe der anderen Regionen befinden sich derzeit bei den Gemeinden, damit sich diese dazu äussern können. Haben diese nichts Gravierendes zu bemängeln, liegen alle Gefahrenkarten bis Ende Jahr vor.

Damit widerspricht Röthlisberger einer anderslautenden Meldung der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA). Diese hat in einer Mitteilung verbreitet, dass viele Kantone mit der Erfassung der gefährdeten Gebiete in Verzug seien, darunter Baselland und Basel-Stadt. «Im Gegenteil, wir sind auf gutem Weg», hält aber auch Sylvia Nussbaum vom zuständigen Amt für Wald beider Basel fest. Die Stabsmitarbeiterin betreut unter anderem die Gefahrenkarten von Basel-Stadt. Hier präsentiert sich die Situation insofern etwas speziell, als dass Hangrutsche und Steinschläge eher unwahrscheinlich sind und darum auch gar nicht erfasst werden können.

Unterschiedliche Gefahrenherde

Ziel der Naturgefahrenkarten ist es, Bedrohungen durch Überflutungen, Hangrutsche oder Steinschläge aufzuzeigen. Vereinfacht gesagt, droht in der Stadt und im Unterbaselbiet am ehesten Gefahr durch Wasser, im Laufental durch Steinschläge und im Oberbaselbiet durch Hangrutsche. Überschwemmungen sind indes überall möglich. Kein Thema sind schwerer fassbare Gefahren wie Erdbeben oder Sturm. Geplant ist zudem, dass bis im Juni eine Wegleitung vorliegt, die den Gemeinden hilft, mit den Gefahrenkarten umzugehen. Denn die Gemeinden müssen die Gefahrenkarten in die Zonenplanung mit einbeziehen. Im rot markierten Gelände (grosse Gefährdung) dürfen keine Neubauten mehr erstellt werden, im blauen Gebiet (mittlere Gefährdung) müssen beim Bauen zusätzliche Massnahmen ergriffen werden und im gelben (geringe Gefährdung) ist Vorsicht geboten.

Rote Zone verunsichert Leute

Für Verunsicherung sorgt vor allem die rote Zone. Der Bund empfiehlt, dass unüberbautes Bauland wieder ausgezont wird – und damit an Wert verlieren würde. Ein Recht auf Schadenersatz hätten die Betroffenen in dem Fall nicht. «Bestehende Häuser werden wegen der Gefahrenkarte jedoch keine abgerissen», erklärt Röthlisberger.

Auf seiner Internetseite teilt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) mit, dass rund 70 Prozent der Gefahrenkarten der Schweiz realisiert sind. Die verbleibenden 30 Prozent haben die Kantone nun in Angriff genommen oder stehen kurz vor Abschluss. Klickt man allerdings auf den Link zum «Stand der Gefahrenkartierung», zeigt eine Grafik, dass einige Kantone, darunter die beiden Basel, im Verzug seien. Nussbaum vermutet, dass dies der Grund ist für die verschickte Falschmeldung – und sie weist darauf hin, dass die Karte vom Januar datiert. «Seither ist einiges getan worden», hängt sie an.