Baselbieter Regierung
Die S-Bahn ins Leimental wird eine Vision bleiben

Die Baselbieter Regierung setzt auf den Ausbau der Tramlinie wie den Margarethenstich.

Hans-Martin Jermann
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Für die bessere Erschliessung des Leimentals schlägt die Regierung statt einer neuen Bahnlinie den Ausbau der bestehenden Tramlinie vor.

Für die bessere Erschliessung des Leimentals schlägt die Regierung statt einer neuen Bahnlinie den Ausbau der bestehenden Tramlinie vor.

Bea Asper

Das Leimental ist schlecht erschlossen: Als einziges längeres Tal im Baselbiet verfügt es weder über eine Bahn noch über eine Hochleistungsstrasse. Seit dem Bau der Birsigtalbahn vor über 130 Jahren ist die ÖV-Infrastruktur nicht wesentlich ausgebaut worden. Der Oberwiler CVP-Landrat Pascal Ryf regte vor diesem Hintergrund im Sommer 2019 den grossen Wurf an: den Bau einer S-Bahn.

Varianten von 800 Millionen bis 1,7 Milliarden Franken

Doch daraus dürfte in den kommenden Jahrzehnten nichts werden: Die Baselbieter Regierung erstickt in ihrem eben publizierten Bericht zu Ryfs Vorstoss jeden Ansatz von Euphorie für dieses Grossprojekt im Keim. Grund sind vor allem die hohen Kosten: Eine Bahn-Tangente, die vom Basler Bahnhof St.Johann über Allschwil in den Raum Oberwil/Therwil führen und bei Dornach in die Jurabahn münden könnte, verschlingt laut Regierung 800 Millionen bis eine Milliarde Franken.

Noch kühner und damit teurer wäre eine radiale Linienführung, die von Basel aus unterirdisch den Zentren der Agglomerationsgemeinden entlang und bei Ettingen durch den Blauen nach Zwingen führen würde. Die Kosten dafür wurden bereits vor Jahren auf 1,7 Milliarden Franken geschätzt. Laut Regierung stimmt bei beiden Varianten das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht. Die S-Bahn-Tangente wäre zwar wesentlich günstiger, hätte aber den geringeren Nutzen. Dies, weil die Pendlerströme laut Kanton überwiegend entlang der Täler – also eben radial – Richtung Basel verlaufen.

Abgelehntes Projekt geniesst noch immer hohe Priorität

Für die bessere Erschliessung des Leimentals schlägt die Regierung statt einer neuen Bahnlinie den Ausbau der bestehenden Tramlinie vor. Neben dem bereits abgesegneten Doppelspurausbau Spiesshöfli in Binningen und dem geplanten Expresstram taucht im Bericht der Regierung erstmals offiziell wieder ein alter Bekannter auf: Der Margarethenstich, der im September 2017 von einer Mehrheit des Baselbieter Stimmvolks abgelehnt wurde.

Die Regierung sieht die Direktanbindung an den Basler Bahnhof SBB noch immer als wichtigen Mosaikstein zur Verbesserung des ÖV im Leimental. Diese Projekte seien zwar sinnvoll, kommentiert CVP-Landrat Ryf. «Aber sie lösen die grundlegenden Verkehrsprobleme des Leimentals nicht.» Wegen der vielen Niveauübergänge würden sich Tram und Autoverkehr auch nach Realisierung der genannten Ausbauprojekte behindern.

Pascal Ryf, CVP-Landrat Oberwil

Einmal mehr kommt das Leimental
zu kurz.

«Enttäuscht» zeigt sich Ryf, dass man beim Kanton offenbar nicht visionärer denkt. Dass die Regierung nicht gleich eine Umsetzungsidee für ein Milliarden- Projekt vorlege, sei verständlich. Er hätte aber erwartet, dass man sich beim Kanton vertieft Gedanken macht, wie man das Verkehrsnetz weiterentwickeln könnte. «Schade, dass die Bereitschaft dazu nicht da ist», sagt Ryf und fügt an: «Einmal mehr kommt das Leimental in den Planungen des Kantons zu kurz.»