Bildung
Die Schulen sollen den Fachkräftemangel beheben

Die Handelskammer beider Basel fordert mehr Naturwissenschaft und Mathematik in der Schule. Sonst würden Arbeitsplätze dahin verschoben, wo es die entsprechenden Arbeitskräfte gebe.

Daniel Haller
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«Falls es für die Besetzung von Arbeitsplätzen vor Ort keine Fachkräfte gibt, wird man die Arbeitsplätze dahin verschieben müssen, wo es die nötigen Fachkräfte gibt», erklärte Matthias Baltensberger, Leiter Standort Basel der Roche. Als Vorstandsmitglied der Handelskammer beider Basel (HKBB) betonte er an deren Jahres-Medienkonferenz, dies sei keine Drohung. Doch es gebe in der Region viel zu wenig Fachkräfte. Bei Roche würden vier Fünftel der Mitarbeitenden aus 80 Nationen stammen. Diese seien zu 84 Prozent in naturwissenschaftlich-technischen Berufen (MINT-Berufen) tätig. «Die Rekrutierung im Ausland und Migration sind eine für uns sehr teure Lösung, denn Fachleute sind gesucht und können entsprechend Forderungen stellen.»

Um den Nachwuchs-Mangel bei Ingenieuren, Biologen, Informatik-Spezialisten und Medizinern zu beheben, müsse die Schule mehr Wert auf die MINT-Fächer legen. Diese müssten als Pflicht- und nicht nur als Wahlfach angeboten werden. Schlecht schneidet da offenbar das bisherige Basler Schulsystem ab: Von 93 Lehrlingen, die Roche 2010 einstellte, stammten 26 aus dem Baselbiet, 19 aus dem Aargau, je 14 aus Solothurn und Deutschland und nur deren 7 aus Basel-Stadt.

Keine Life-Science-Berufsmatur

Auf weitere Schwierigkeiten der Life Sciences wies Rolf Knechtli als Leiter des Lehrverbunds Aprentas hin: Beim Reformprojekt des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie verweigere dieses bisher einen Berufsmaturitätstyp «Life Sciences» mit einer stufengerechten Gewichtung der Fächer Physik, Biologie und Chemie. «Zuerst wollte man Life Sciences gar mit Landwirtschaft zusammenlegen, nun sind wir bei der Berufsmatur für Technik und Architektur angegliedert.» Da die Berufsmaturität der Königsweg zur Fachhochschule bleiben solle, fordere die Wirtschaft weiter, dass für Life Sciences ein spezifischer Berufsmaturitäts-Typ geschaffen werde.

Logisitikcluster weiterentwickeln

Besonderes Gewicht bei den Bemühungen der HKBB, den Standort zu pflegen, legte Präsident Thomas Staehelin auf die Situation im EuroAirport: «Wir sähen es am liebsten, wenn im Schweizer Sektor auch Schweizer Arbeitsrecht und Gerichtsbarkeit gelten würden. Doch in erster Linie fordern wir, dass die Verhältnisse klar geregelt werden.»

Ein Schlüsselprojekt der HKBB ist der im vergangenen Jahr gegründet Logistik-Cluster. Für diesen würden nun ein Expertenpool für Umwelttechnologie und ein Regionalplan für Logistikflächen geschaffen.

Deutlich sprach sich die HKBB zur Familiengarten-Abstimmung aus. Sie empfiehlt zweimal Nein, denn die Verfügbarkeit von Wohnraum sei ein wichtiger Standortfaktor.