Hölstein
Die schwarze Strasse in Hölstein wird gelb gestrichen

Strassen überqueren kann sehr gefährlich sein, wie viele Unfallmeldungen zeigen. Wer aber wie der in Hölstein lebende Albert Kamber blind ist, hat es noch schwerer. Doch endlich kommt der von ihm lang ersehnte Zebrastreifen.

Eva Wieser
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Noch hat die stark befahrene Kantonsstrasse zwischen dem Fürhalden-Quartier und der Station der Waldenburgerbahn keinen Zebrastreifen. Nars

Noch hat die stark befahrene Kantonsstrasse zwischen dem Fürhalden-Quartier und der Station der Waldenburgerbahn keinen Zebrastreifen. Nars

«Warte, luege, lose, laufe» – mithilfe dieses Slogans lassen sich Zebrastreifen sicher passieren. Wer der Anweisung «luege» nicht Folge leisten kann, lebt gefährlicher. Für Blinde ist das Überqueren einer Strasse schwierig. Fast unmöglich wird der Weg über die Strasse, wenn kein Zebrastreifen markiert ist.

Albert Kamber ist seit fünf Jahren blind und wohnt im Hölsteiner Quartier Fürhalden. Um ins Dorf zu gelangen, muss er zuerst die Kantonsstrasse ohne Zebrastreifen überqueren. «Manchmal ist das Warten, bis ich kein Auto mehr höre, eine echte Durststrecke», sagt Kamber.

Seit ungefähr drei Jahren kämpft Kamber dafür, dass ein Zebrastreifen markiert wird. «Der von Anwohnern eingereichte Antrag für einen Zebrastreifen wurde von der Polizei jeweils abgelehnt. Es hiess immer, die Fussgängerfrequenz sei zu klein», erklärt Kamber. Um die problematische Situation zu entschärfen, hat Kamber diesen Sommer bei Martin Münch vom Schweizerischen Blindenbund Hilfe geholt. Nun wurde die Bewilligung für einen Zebrastreifen gesprochen. Sobald es die Witterung zulässt, soll dieser markiert werden.

Strenge Richtlinien

Der Baselbieter Polizeisprecher Meinrad Stöcklin weist darauf hin, dass für die Anordnung von Fussgängerstreifen strenge Richtlinien gelten: «Dies betrifft unter anderem genügend hohe Fussgänger- und Fahrzeugfrequenzen, gute Sichtverhältnisse für die Fahrzeuglenkenden auf die Warteräume der Fussgänger, gute Sichtverhältnisse für die Fussgänger auf den Fahrverkehr, gute Beleuchtung, eine korrekte Signalisation sowie abgesenkte Trottoirs.» Für besondere Benutzergruppen könnten die Anforderungskriterien jeweils besonders gewichtet werden.

Bis die Markierung eines Zebrastreifens bewilligt wird, muss also einiges überprüft werden. «Es gibt im Kanton Baselland selten neue Zebrastreifen», sagt Martin Münch. Denn ein Zebrastreifen könne auch falsche Sicherheit vorgaukeln. «Dies ist der Fall, wenn nicht alle den Sichtkontakt herstellen.»

Hebt ein Blinder seinen weissen Stock, muss ihm der Autofahrer immer Vortritt gewähren, auch wenn kein Zebrastreifen markiert ist. Dass diese Regel in der Praxis nicht immer funktioniert, hat Albert Kamber lange miterleben müssen.

Auch Kambers Nachbarn sind froh, dass der Zebrastreifen endlich Realität wird. Hanspeter Kumli wohnt ebenfalls im Fürhalden-Quartier. Der Polizist und Leiter der Abteilung Verkehrserziehung weiss, dass der Zebrastreifen ein langjähriger Wunsch vieler Anwohner ist. «Die Kantonsstrasse ist breit und gerade. Da das Quartier am Rand von Hölstein liegt, halten sich viele Autofahrer nicht mehr an die Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern», erklärt Kumli. So sei der Zebrastreifen eine grosse Erleichterung. Absolute Sicherheit könne er jedoch nie garantierten. Dafür müssten die Fussgänger immer «warte, luege, lose, laufe».