Gerüche
Die Stink-ARA in Pratteln soll nur noch der Chemie gehören

Der Landrat Philipp Schoch verlangt, dass der Kanton Baselland seine Beteiligungen an der ARA Rhein in Pratteln verkauft. So könne der Druck auf die ARA erhöht werden, ihre Geruchsemissionen in den Griff zu kriegen.

Michel Ecklin
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Das Amt für Umweltschutz und Energie verlangt von der ARA, bis zum 30. Juni ein Sanierungsprojekt zu präsentieren.

Das Amt für Umweltschutz und Energie verlangt von der ARA, bis zum 30. Juni ein Sanierungsprojekt zu präsentieren.

Mit 15 Prozent ist der Kanton Baselland an der ARA Rhein beteiligt. Die übrigen Anteile der Abwasserreinigungsanlage in Pratteln gehören verschiedenen chemischen Unternehmen in Schweizerhalle; sie entsorgen dort ihre Abwasser. Diese verursachen seit Jahren üble Gerüche. Im Herbst drohte das Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) sogar mit dem Entzug der Betriebsbewilligung, so gross war in der Bevölkerung der Ärger über den Dauergestank. Das AUE verlangt von der ARA, bis zum 30. Juni ein Sanierungsprojekt zu präsentieren. Im Verwaltungsrat der ARA vertreten Regierungsrat Anton Lauber und dessen Generalsekretär Michael Bammatter die Interessen des Kantons gegenüber der Chemie.

Doch die beiden konnten bisher offenbar die Mehrheitsaktionäre nicht dazu bewegen, die Sanierung zu beschleunigen. Das meint zumindest der Prattler Landrat Philipp Schoch (Grüne). In einem Postulat fordert der Präsident der Umweltschutz- und Energiekommission deshalb von der Regierung, einen vollständigen Ausstieg des Kantons aus der ARA Rhein zu prüfen. Seine Idee: Ohne Beteiligung hätten die chemischen Unternehmen die hundertprozentige Verantwortung für die Anlage. So könnte der Kanton mehr Druck ausüben, damit die Gerüche verschwinden. Schoch vermutet, dass die Chemie nicht wirklich Geld in die Hand nehmen will. «Sie schiebt die Sanierung auf die lange Bank.»

Dem widerspricht Robert Dahinden, Leiter der Unit Custom Manufacturing des Chemieunternehmens CABB und gleichzeitig Verwaltungsratspräsident der ARA Rhein: «Selbstverständlich sind die chemischen Unternehmen als Mitbesitzer und Mitbenutzer der ARA Rhein bereit, ihren Beitrag dazu zu leisten.» Gleichzeitig betont er aber auch: «Wie für den Kanton Baselland gilt jedoch auch für die Industrie, dass solche Investitionen genau geprüft und einer strikten Kostenkontrolle unterzogen werden.»

Laut ARA-Reglement müsse die Verteilung der Kosten solcher Projekte durch die Aktionäre verhandelt werden, betont Dahinden. Will heissen: Der Kanton muss auch einen Beitrag leisten, solange er Mitinhaber der ARA ist. Und: Je teurer die vom Kanton auferlegte Sanierung ist, um so mehr muss der Kanton beitragen.

Frenkendorf wäre nicht parat

Schoch vermutet, dass sich die chemischen Unternehmen untereinander nicht einig sind, wie viel ihnen die Eliminierung der Gerüche wert ist. Das erschwere die Ausarbeitung eines Sanierungsprojekts. Novartis stelle sich sicher nicht quer, will Schoch erfahren haben. «Die CABB ist es vermutlich, die klemmt.» Vom angeschuldigten Unternehmen gibt es dazu keine Auskunft. Dahinden sagt nur: «Sie werden sicher verstehen, dass wir über derartige Interna keine Auskunft geben.»

Schochs Vorschlag, sich von den ARA-Anteilen zu trennen, wird der Landrat nächste Woche behandeln. Auch ohne seine 15-prozentige Beteiligung wäre der Kanton nicht ganz von der ARA unabhängig. Denn derzeit schicken sechs Gemeinden ihre Abwasser in die ARA, darunter Pratteln. Schoch schlägt deshalb in seinem Postulat vor, auch diese Bindung zu kappen. Man müsse dafür die Gemeindeabwasser in die ARA Frenkendorf umleiten, «was technisch und finanziell günstig zu realisieren sein müsste».

Doch da könnte sich Schoch täuschen. «Absolut theoretisch gedacht, wäre eine Umleitung machbar», sagt die Sprecherin der Gemeinde Pratteln, Sandra Meier. Man müsse aber mit neuen Leitungen das Wasser nach Frenkendorf hochpumpen. «Und die ARA dort bräuchte vermutlich eine Kapazitätserweiterung.» Das alles erfordere hohe Investitionen.

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