Bubendorf
Die Tiba AG ist seit jeher nachhaltig unterwegs

Tiba ist so alt wie die Schweiz in ihrer heutigen Form– und immer noch innovativ. Im vergangenen September wurde ihr neuer Cheminéeofen mit dem Publikumspreis der IWB KMU Awards ausgezeichnet. Solche Innovationen sollen den Export wieder ankurbeln.

Daniel Haller
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Tiba-Geschäftsführer Lukas Bühler und sein Stellvertreter Peter Brogli sind stolz auf den Publikumspreis, den sie bei den IWB KMU-Awards gewonnen haben.

Tiba-Geschäftsführer Lukas Bühler und sein Stellvertreter Peter Brogli sind stolz auf den Publikumspreis, den sie bei den IWB KMU-Awards gewonnen haben.

Nicole Nars-Zimmer

Egal in welcher Ecke der Schweiz – beim Wort «Tiba» weiss man sofort, was gemeint ist: Ein Kombiherd, auf dem man mit Holz oder elektrisch kochen kann. 100 000 Herde haben seit den 1940er-Jahren die Tiba-Hallen in Bubendorf verlassen. «Jeder ein massgefertigtes Einzelstück», betont Geschäftsführer Lukas Bühler. Denn sie müssen jeweils der Küche angepasst sein: Mal ist der Schornstein hinter, mal neben dem Herd, oder es wird vom Herd aus der Kachelofen in der Stube mitbeheizt.

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte im Geburtsjahr der heutigen Schweiz: 1848 gründete Heinrich Schweizer in Titterten eine Werkstatt für die Reparatur von Seidenband-Webstühlen. Bald baute er auch Öfen. Ab 1902 verlegte sich die Firma ganz auf Herde und Öfen. Mit dem Umzug in den 1940ern nach Bubendorf nannte sich das Unternehmen zu Ehren des alten Standorts Titterten Baselland fortan «Tiba».

Für Innovation ausgezeichnet

Die Ölkrise bescherte Tiba in den 80er-Jahren ein Hoch: Jährlich konnte man 8000 Herde und Öfen ausliefern. Bei den aktuell tiefen Ölpreisen sind es noch 1000 Herde. Doch längst hat Tiba diversifiziert: Stahl-Küchenbau, Öfen für Wohnräume vom Cheminée bis zum Speckstein- oder Kachelofen, ganze Wärmesysteme.

Befeuert werden diese mit Stückholz, Holzschnitzeln und Pellets, ergänzt durch Thermosolaranlagen oder Wärmepumpen. Durch die Fusion mit der Tonwerk Lausen AG sind Speicheröfen hinzugekommen.

Stolz ist Bühler nicht zuletzt auf eine Wärmezentrale, die in einem einzigen Element mehrere Wärmequellen wie den Holz- oder Pelletofen, die Wärmepumpe oder die Thermosolaranlage vereinen und die jeweils automatisch auf die wirtschaftlichste Heiz- und Warmwasseraufbereitungsform umschaltet.

Für Innovation und Energieeffizienz konnte Tiba im September den Publikumspreis der IWB KMU Awards entgegennehmen. Ausgezeichnet wurde ein Cheminéeofen, in welchem das Holz unter Luftabschluss bei 400 bis 500 Grad vergast wird. Die Flamme wird dann mit dem Holzgas gespeist und erreicht 1200 Grad.

Dieses System ermöglicht es, die Holzscheite automatisch nachrutschen zu lassen und die Wärme mit einem hohen Wirkungsgrad und minimalen Emissionen zu nutzen. Der Holzgasofen lässt sich zudem mit einem Wasser-Wärmetauscher für eine Zentralheizung kombinieren.

Diesen Cheminéeofen entwickelte Tiba in jahrelanger Arbeit aus einem Stückholz-Vergaserkessel, für den sie in den 80er-Jahren einen Innovationspreis gewann, den Bundesrätin Ruth Dreifuss persönlich vorbeibrachte.

Dem starken Franken trotzen

Durch die Fusion mit Tonwerk wurde Tiba zum Vollsortimenter im Ofenbau, der rund 110 Arbeitsplätze bietet. Auch wenn in Bubendorf Küchen, Herde und Heizsysteme ausgestellt sind – der Vertrieb läuft ausschliesslich über die lokalen Hafner, Ofenstudios oder Heizungsbauer.

Der starke Franken schmerzt auch Tiba: 30 Prozent des eigenen und 60 Prozent des Tonwerk-Sortiments gehen in den Export. Tonwerk-CEO und stellvertretender Tiba-Geschäftsführer Peter Brogli berichtet, dass er in den letzten fünf Jahren 80 Prozent der Zulieferaufträge in den Euro-Raum verlagern musste. Bei Tiba, wo ein höherer Anteil selbst gefertigt wird, sind es 20 Prozent. Komplexe Formen wie beispielsweise die Herdplatten werden nach wie vor bei Erzenberg in Liestal gegossen.

Durch Innovation hoffen Brogli und Bühler darauf, den Export wieder steigern zu können. So gingen – mit ausdrücklichem Verweis auf ein neues Energiebewusstsein nach der Atomkatstrophe von Fukushima – zwei der integrierten Wärmezentralen nach Japan.

Dass die Innovationen aus Bubendorf im Ausland billig kopiert würden, fürchtet Bühler nicht: «Der prämierte Cheminéeofen besteht aus 180 Teilen. Bis da ein Konkurrent die Zulieferkette aufgebaut hat, dauert es zu lange.» Trotzdem sei es notwendig, dauernd etwas Neues in der Pipeline zu haben, betont Peter Brogli: «Wir müssen in unserer Nische konsequent die Führungsposition anstreben.»

«Von der Energiestrategie 2050 merken wir nichts», moniert Bühler. Dabei wäre Holz ein CO2-neutraler, einheimischer Energieträger, der weiterhin in den Wäldern verrottet. «Es scheint, als sei die dezentrale Wärmeversorgung der Politik lästig», ergänzt Brogli. Dabei ist er überzeugt: «Es braucht nur einen kalten Winter, wenn die knapp dimensionierten Wärmepumpen an ihre Grenze kommen. Dann wollen alle wieder einen Ofen im Haus.»