Pratteln
Die «trivialen Bauten» sollen einem Parking weichen

Ein Ex-Gemeinderat ruft die Einwohnerräte von Pratteln auf, zwei alte Schulhäuser abzureissen anstatt zu sanieren. Für ihn handelt es sich um «triviale Bauten».

Michel Ecklin
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Die beiden Schulhäuser Burggarten (links) und das Schloss (rechts) versperren die Sicht auf das Prattler Schloss (Mitte), findet Ex-Gemeinderat Paul Dalcher.

Die beiden Schulhäuser Burggarten (links) und das Schloss (rechts) versperren die Sicht auf das Prattler Schloss (Mitte), findet Ex-Gemeinderat Paul Dalcher.

Martin Toengi

«Ein wertvoller Zeitzeuge», so beschreibt der Prattler Gemeinderat das Schlossschulhaus und lobt die «streng symmetrisch aufgebauten Fassaden», «die Verzierung im Mittelrisalit» und «die Rustifizierung des Sockels» des neubarocken Gebäudes aus dem Jahre 1897. Ähnlich überschwänglich lobt der Gemeinderat das Burggartenschulhaus unmittelbar nebenan, das 1874 gebaut wurde. Damit «dieser städtebaulichen wichtige Ort im Dorf zu neuem Leben erstrahlt», sollen die beiden Schulen saniert werden (bz berichtete). So soll es Platz geben für die Musikschule, für Veranstaltungen und für Vereine.

Für die Planung der Sanierung hat der Einwohnerrat bereits 430 000 Franken gesprochen. Und am kommenden Montag soll er die Baukredite (Total 7,9 Millionen Franken) bewilligen – falls nicht der ehemalige Gemeinderat Paul Dalcher dem heutigen Gemeinderat einen Strich durch die Rechnung macht. Der Freisinnige hat nämlich einen Aufruf an alle Fraktionen des Einwohnerrats geschickt. Darin fordert er, die Sanierung abzulehnen. Die beiden Schulhäuser, laut Dalcher «triviale Bauten», sollten verschwinden. Wo jetzt das Schlossschulhaus stehe, solle man eine unterirdische Einstellhalle erstellen.

Architektonische Linie soll bleiben

Zudem schweben ihm zwei neue Bauten vor, die aber von der Strasse weiter entfernt wären als die bisherigen. Das Ziel dabei: Das Schloss, «das Juwel im Schaufenster Prattelns», solle besser zur Geltung kommen. Zudem müsse man die «Kulturachse» von der reformierten Kirche bis zum Kuspo weiterentwickeln, «doch steht just das alte Schlossschulhaus im Wege». Weitere kommunale Neubauten soll es laut Dalcher zudem an der Ecke Oberematt-/Schlossstrasse geben.

Dalcher weiss, wie eine Gemeinde plant. In seiner Amtszeit von 1984 bis 1992 begleitete der heute 66-Jährige den Bau des Kuspos. Den aktuellen Gemeinderäten – die er ausdrücklich nicht als «Kollegen» bezeichnet – wirft er vor, die Dorfkern-Umgestaltung nicht umfassend zu planen, sondern nur punktuell. «In den Vorlagen steht kein Wort zum Parkieren», bemängelt er. «Wenn wir jetzt in die beiden Schulen investieren, vergeben wir die Chance für ein Parking an diesem idealen Ort», ist er überzeugt.

Gemeindepräsident Beat Stingelin (SP) erfährt erst von der bz von Dalchers Abrissideen – und fällt aus allen Wolken. Das Burggartenschulhaus zu entfernen, sei zwar auch schon zur Diskussion gestanden. Aber die Linie Schloss–Schlossschule–Turnhalle bilde für ihn eine Einheit. «Wenn das, was vor 130 Jahren gebaut wurde, zu nahe aneinander steht, dann verstehe ich die Welt nicht mehr.» Das alte Schlossschulhaus gehöre einfach dorthin, wo es jetzt stehe. Und eine Tiefgarage plane der Gemeinderat schon lange beim alten Feuerwehrgebäude. Die Renovation der beiden Schulhäuser sei seit zehn Jahren ein Thema in Pratteln. Nur wegen Harmos habe man damit warten müssen. Dalchers Vorgehen, seine Vorschläge so kurzfristig den Fraktionen zu unterbreiten, hält Stingelin für «nicht ganz sauber».

Doch von solchen Überlegungen lässt sich der Ex-Gemeinderat nicht abhalten. «Aus fast allen Fraktionen gibt es Leute, die hinter meinen Plänen stehen», sagt Dalcher. «Sie wollen nur nicht mit ihrem Namen dahinterstehen.»

Spricht der Einwohnerrat die Sanierungskredite, hat zur Baumgartenschule das Volk das letzte Wort, weil die Kosten vier Millionen Franken übersteigen. Die Sanierung des Schlossschulhauses kostet weniger. Doch auch hier gibt sich Dalcher kämpferisch: «Ich schliesse nicht aus, das Referendum zu ergreifen.»

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