Gelterkinden
Die Uni ist zu wenig marktschreierisch

Die Universität Basel präsentiert sich am Herbstmarkt in Gelterkinden – und läuft auf.

Andreas Hirsbrunner
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Ab und zu machten Marktbesucher Halt am Uni-Stand; hier zwei Frauen mit Jungmannschaft im Gespräch mit Uni-Vertreterin Mirjam Steudler (mit Mütze). Juri Junkov

Ab und zu machten Marktbesucher Halt am Uni-Stand; hier zwei Frauen mit Jungmannschaft im Gespräch mit Uni-Vertreterin Mirjam Steudler (mit Mütze). Juri Junkov

Juri Junkov

Es ist ein Markttag wie aus dem Bilderbuch: Sonnenschein, zahlreiche Besucher flanieren durch die Stände am Dorfplatz, an der Ochsengasse, der Rössligasse, der Marktgasse und wie sie alle heissen, über allem schwebt die klassische herbstliche Duftmischung aus gebratenen Marroni, gebrannten Mandeln und grillierten Würsten, Kindergeschrei von der rasant drehenden «Take Off»-Bahn übertüncht das Ganze akustisch.

Und irgendwo in dem ganzen Angebots-Gewusel aus Salame Rustico Veronese, Instant Lederbalsam, Gourmet Trüffel, Geissenkäse vom Napf, Socken und Wintermützen stehen hinter einem unauffälligen Stand im Schatten fünf leicht frierende, freundlich lächelnde Personen – Assistenten, Mitarbeiter der Kommunikationsabteilung und ein Lehrling der Universität Basel.

Der Gratis-Bleistift zieht

Das war das Neue am gestrigen Herbstmarkt in Gelterkinden: Die Uni war erstmals präsent hier. Denn seit diesem Sommer geht sie raus aus dem städtischen Zentrum und auf ländliche Märkte, ja sogar ins Oberbaselbiet, wo wahrscheinlich die meisten Skeptiker sitzen ob der Summen, die die Uni kostet. Im letzten Jahr waren es 753 Millionen Franken, fast die Hälfte finanzierten die beiden Trägerkantone Basel-Stadt und Baselland. Gelterkinden ist nun der siebte Markt, an dem die Uni mitmacht. Dies jeweils so weit möglich mit Mitarbeitern, die am Marktort wohnen.

Die Besucher scheint der Uni-Stand mit seinem Informations-Kubus mit nicht mehr ganz taufrischen Zahlen zur Finanzierung und zur Herkunft der Studierenden – ja, das Baselbiet stellt Jahr für Jahr am meisten – an diesem Morgen wenig zu interessieren. Wenn einer am Stand Halt macht, dann um einen Gratis-Bleistift oder ein Notizblöckchen mitzunehmen. Oder es kommen Freunde der Standmitarbeiter oder Angehörige von Uni-Angestellten.

Uni will sich weiterhin zeigen

Immerhin lässt auch eine nicht mehr ganz junge Frau ausserhalb des Uni-Kuchens dosierten Dampf ab: «Ihr wollt sicher, dass die beiden Basel zahlen an die Uni. Das sollen sie auch, die können woanders sparen, zum Beispiel beim Festen. Aber ich darf mich nicht aufregen wegen dem Blutdruck.» Und ein mittelalterlicher Mann meint: «Gut, dass Ihr hier seid. Wir bezahlen schliesslich auch an die Uni.»

Am häufigsten würden Standbesucher einen möglichen Uni-Standort im Baselbiet ansprechen. Dies mit dem Tenor, dass ein Teil, der Sinn mache, hierher kommen solle, wenn der Kanton mitzahle, sagt Mirjam Steudler von der Uni-Kommunikationsabteilung. Ihr Chef, Uni-Sprecher Matthias Geering, ergänzt auf Nachfrage, dass die Abklärungen rund um die vier möglichen Baselbieter Standorte Allschwil, Liestal, Münchenstein und Muttenz immer noch liefen und nichts spruchreif sei. Das Geschäft komme voraussichtlich zu Beginn des nächsten Jahres vor den Uni-Rat. Geering: «Das ist eine extrem langfristige Planung, wir machen keine Schnellschüsse.»

Zurück nach Gelterkinden: Mirjam Steudler steht zum zweiten Mal an einem Uni-Stand und ist nicht enttäuscht vom geringen Interesse. Dieses sei an Wochenmärkten mit 40 bis 50 Gesprächen pro Tag flauer als an Wochenendmärkten. Trotzdem wolle die Uni auch nächstes Jahr vor allem wieder im Oberbaselbiet präsent sein, wobei man sich auf vier bis fünf grosse Herbstmärkte beschränke.

Mittlerweile ist Mittagszeit und die Besucher ziehen scharenweise mit Pizzas, Würsten und Crêpes in den Händen am Uni-Stand vorbei. Das Interesse gilt offensichtlich anderem.