Jahresausstellung
Die vorerst letzte Ernte im Kunsthaus Baselland

Am Donnerstag öffnet die Jahresausstellung mit Ankäufen des Landkantons. Die «Ernte 2016» wird die vorerst letzte ihrer Art sein: Baselland macht Einsparungen bei der Kultur.

Christoph Dieffenbacher
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Esther Ernst hat Werke aus der Kunstkredit-Sammlung des Kantons mit eigenen grossformatigen Wandzeichnungen umgeben wie hier die schwarze Skulptur «Cool Coal I» (2008) von Maya Bringolf.

Esther Ernst hat Werke aus der Kunstkredit-Sammlung des Kantons mit eigenen grossformatigen Wandzeichnungen umgeben wie hier die schwarze Skulptur «Cool Coal I» (2008) von Maya Bringolf.

ZVG

Sie ist unbeabsichtigt zu einer Art künstlerischer Rückschau geworden, die Einzelausstellung von Esther Ernst innerhalb der «Ernte 2016» im Kunsthaus Baselland. Als Gewinnerin des öffentlichen Wettbewerbs zur «Solo Position», durchgeführt von der Fachkommission Kunst des Kantons Baselland und Kulturelles BL, zeigt sie in den oberen drei Räumen ihre Installation «My Spell On You». Darin setzt sie sich mit einigen von ihr ausgewählten Werken aus der Kunstkredit-Sammlung des Kantons auseinander – als «Gastgeberin, Kuratorin und Künstlerin», sagt sie. Esther Ernst hat die sehr unterschiedlichen Werke aus der Sammlung mit eigenen, grossformatigen Wandzeichnungen umgeben, sozusagen umhüllt und in ihre Arbeit eingepackt, in einen Dialog gesetzt und bietet so einen spielerisch-assoziativen Einblick in die Kollektion.

Kürzungen für Kunstkredit

Das Depot des Kunstkredits Baselland, seit 1930 kontinuierlich aufgebaut mit heute rund 4300 Werken, wird allerdings vorerst nicht angereichert. Denn mit der kantonalen Kunstförderung durch Ankäufe ist erst einmal Schluss – diese Art, regionale Kultur zu unterstützen, sistiert der Landkanton ab 2016 aus finanziellen Gründen, ebenso weitere Förderinstrumente. Auch der Kunstkredit erfährt eine Kürzung. Damit ist klar, dass die Reihe der jährlichen «Ernte»-Ausstellungen mit den Ankäufen des Vorjahrs nach 17 Jahren vorerst eingestellt wird – zuletzt fanden sie abwechselnd im Palazzo in Liestal und im Kunsthaus Baselland statt.

Man stehe nun vor einer Zäsur, heisst es von den Verantwortlichen, doch man gibt sich gefasst und will nach vorne sehen. Esther Ernsts Installation soll jedenfalls keine Abschlussveranstaltung sein, sagt Ines Goldbach, Direktorin des Kunsthauses Baselland und Kuratorin der «Ernte» 2016. Die Ausstellung verstehe sie «nicht als Endpunkt, sondern als Auftakt und zugleich Ansporn für eine weiter aktiv betriebene Förderungspolitik». Doch wie diese in Zukunft genau aussehen wird, ist noch offen und werde im Lauf dieses Jahres geklärt. Die Veranstaltungen rund um die Ausstellung zeigen jedenfalls, dass hier Diskussionen angestossen werden sollen.

Querschnitt in luftigem Rahmen

Wie es das Konzept will, präsentiert die diesjährige «Ernte» einen Querschnitt durch das aktuelle künstlerische Arbeiten in der Region: mit Werken von meist älteren und arrivierten, aber auch einzelnen weniger bekannten und jüngeren Künstlerinnen und Künstlern. Vorgestellt werden sie in den Räumen des ehemaligen Fabrikgebäudes an der Birs locker und in angenehm luftiger Umgebung: Um die Werke gibt es viel Raum, womit das Publikum die Möglichkeit hat, sich ihnen unterschiedlich anzunähern: gleich im Eingangsfoyer etwa dem Objekt «Unrund» von Eric Hattan oder der Lichtskulptur von Admir Jahic und Comenius Roethlisberger. Zur Geltung kommen auch die grosse und doch filigrane Tuschzeichnung von Franziska Furter, die leuchtenden Acrylbilder von Anja Ganster und die rätselhaft wirkenden Gemälde von Geneviève Morin.

Geschickt verteilt in den Räumen des Kunsthauses Baselland hat die «Ernte»-Kuratorin die audiovisuellen Arbeiten, die für Dotmov.bl, der Sammlung Neue Medien Baselland, angekauft wurden – unter anderem die dadaistisch-humorvollen Arbeiten von Muda Mathis und Sus Zwick, Mitbegründerinnen der legendären Performance-Band Les Reines Prochaines. Die würfelartigen Monitore zumeist älteren Datums machen augenfällig, dass sich für die Videokunst, eine der jüngsten Kunstformen, immer wieder Fragen nach ihrer Abspielbarkeit und ihrer Erhaltung stellen. Und damit auch die Frage nach der Zukunft dieser Werke überhaupt.

www.kunsthausbaselland.ch