Schlechtwetter
Die Wälder haben den regnerischen Frühling in vollen Zügen genossen

Der viele Regen, der die Region in den vergangenen Wochen heimsuchte, hat den Wäldern im Raum Basel gut getan. Das Grundwasser ist gestiegen und die Luft gereinigt. Für die Bäume war der «gruusige» Frühling pure Erholung.

Boris Burkhardt
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Der Wald profitiert in erster Linie vom Regen: Je vielfältiger das Ökosystem, desto robuster ist es gegen extreme Witterung.

Der Wald profitiert in erster Linie vom Regen: Je vielfältiger das Ökosystem, desto robuster ist es gegen extreme Witterung.

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«Der Wald ist wie ein Schwamm», sagt Reto Saboz vom Amt für Wald beider Basel. Die vielen Regenfälle der vergangenen Wochen sind also nicht spurlos an den Baselbieter Wäldern vorübergegangen. Der Wald könne das Wasser viel besser speichern als Offenland, sagt Saboz; so habe es auch nur einige wenige Erdrutsche gegeben. Aber die Bäume, die bei zu nassem Boden an Stabilität verlören, hätten die Regenzeit nach den ersten Erkenntnissen ohne Stürze überstanden. «Wir sind glimpflich davongekommen», sagt Saboz. Die Biodiversität, die Vielfalt der im Wald lebenden Pflanzen- und Tierarten, habe sich einmal mehr ausgezahlt: «Je vielfältiger der Wald ist, desto besser kann er mit extremem Wetter umgehen.»

Die grösste Konsequenz des langen Regens ist sogar eine äusserst erfreuliche: Das Grundwasser ist erstmals seit 2003 wieder aufgefüllt worden. «Wir konnten dort bisher noch immer die Auswirkungen des Jahrhundertsommers feststellen», sagt Saboz. Viel Grundwasser sei gut für die Waldgesundheit: Es stärke die Bäume, die jetzt von den Spuren der trockenen Jahre entlastet werden. So seien sie weniger anfällig für den Stickstoffeintrag aus der Luft.

Auch von der Gefahr des Ozons waren die Pflanzen dank des Regens bisher befreit. Wie Andrea von Känel vom Lufthygieneamt beider Basel berichtet, sei die Luftqualität in der Region «sehr gut»: Es gebe wenig Ozon und keinen Feinstaub. Ozon spiele für Pflanzen erst eine Rolle, wenn sie ihm über einen längeren Zeitraum ausgesetzt seien; normalerweise gebe es die erste Ozonwarnung aber bereits im Mai.

Gefahr dank der nassen Witterung droht den Bäumen wohl eher von unten her. Gewisse Pilzparasiten werden in ihrer Sporenkeimung von Feuchtigkeit gefördert, befürchtet Sabine Braun vom Institut für Angewandte Pflanzenbiologie in Schönenbuch, so zum Beispiel der Verursacher der Platanenastdürre, Apiognomonia veneta. Möglich sei auch, dass die momentan aggressive Eschenwelke durch Feuchtigkeit gefördert werde.

Pilze kommen durcheinander

Wenig Gefallen am nasskalten Wetter fanden jedenfalls die Speisepilze. Der Rothenflüher Pilzexperte Gianni Mazzucchelli stellt fest, dass die Witterung das Wachstum der Pilze «durcheinandergebracht» hatte. So wachse die Spitzmorchel normalerweise bereits im Februar; dieses Jahr jedoch habe er sie erst zusammen mit den Maimorcheln und Mairitterlingen sammeln können. Letzterer dürfte vor allem vom starken Graswachstum profitieren. Laut Mazzucchelli mag er Sonne und Gras - bleibt den Pilzfreunden also, nun auf sonnige Tage zu hoffen. Wie es dann in der Hauptsaison im Herbst aussieht, muss auch Mazzucchelli gespannt abwarten.

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