Baselbiet
Die Weihnachtsmärkte in den Dörfern: Ein Hoch auf die Hobbybastlerinnen

Teelichter, Truffes oder gehäkelte Babyschuhe: Die verkauften Produkte an den Weihnachtsmärkten in den Dörfern des Diegtertal werden vor allem von Leuten herstellt, die ihr Hobby ausleben. Doch es gibt auch Ausnahmen.

Lucas Huber
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Bianca Minoggio (l.) und Amanda Mohler verkauften am Diegter Weihnachtsmarkt Selbstgemachtes.

Bianca Minoggio (l.) und Amanda Mohler verkauften am Diegter Weihnachtsmarkt Selbstgemachtes.

In Diegten, auf dem Schulplatz, siedet der Glühwein auf offenem Feuer. Männer in Mützen halten sich um die Flammen herum versammelt die Hände warm, während ihre Frauen die Stellung an ihren Ständen halten. Eine von ihnen ist Amanda Mohler aus Eptingen. Gemeinsam mit Bianca Minoggio aus Diegten verkaufen sie Selbstgemachtes. Nur: Warum?

Amanda Mohler braucht die Antwort nicht zu suchen. Sie lacht, als sie sagt: «Ich bin ein riesiger Bastelfreak. Weil es daheim aber immer mehr wird, muss ich zwischendurch etwas verkaufen, sonst wird es meinem Mann zu bunt. Dafür ist der Weihnachtsmarkt perfekt.» Und natürlich, ergänzt sie, geht es auch um den Spass, das Treffen von Bekannten, die Gemeinschaft.

Märkte: Volles Weihnachtsprogramm

Weihnachtsmärkte boomen im Oberbaselbiet, und so tun es auch Adventskonzerte und anderweitig Besinnliches. Fast jedes Dorf hat seinen Anlass. So waren an diesem Wochenende neben Diegten und Zunzgen etwa auch Bubendorf oder Reigoldswil Schauplatz von Weihnachtsmärkten, in Känerkinden wurde Raclette kredenzt, in Rickenbach Kerzen gezogen und in Arisdorf und Ormalingen gesungen. Weitere Anlässe folgen. So finden kommendes Wochenende etwa Märkte in Liestal, Lausen oder Langenbruck statt, am vierten Adventswochenende dann in Eptingen, Sissach oder Oberdorf. Konzerte gibt es etwa in Gelterkinden (13.12.), Sissach (15.12.), Rümlingen (17.12.), Titterten (21.12.) oder Bennwil (24.12.) (lhu)

Das Jahr über filzt Mohler Kleinigkeiten, Teelichter etwa. Sie häkelt Babyschuhe im Erdbeerlook und mischt

Alles um die Schoggi

Ebenfalls aus Freude verkaufen die Läufelfingerinnen Anita Jenni und Brigitte Herrmann. Ihr Produkt: Schokolade. Als Truffes in allen Farben und Formen, oder auch, für die Kinder, als Schoggi-Legosteine. «Schoggi ist mein Leben», sagt Jenni, die einst Konditorin werden wollte und nun, als «Huusfrauä-Bachstubä» gemeinsam mit Herrmann zur Weihnachtszeit hobbyhalber Schokolade verarbeitet.

Fünf Autominuten talabwärts, in Zunzgen, ist aus dem sonst menschenleeren Dorfplatz eine Begegnungszone mit knapp 50 Ständen geworden. Auch hier gibt es Glühwein, ja sogar Glühmost, nur wird hier beides aus selbstwärmenden Behältern geschöpft. Der Duft von Gulaschsuppe mischt sich mit jenem von heissen Marroni, Nidwaldner Bratchäs und – eben – Glühwein.

Seit jeher kann der Zunzger Weihnachtsmarkt auf ausserkommunale Standbetreiber zählen. Traditionell ist das Bündner Dorf St. Antönien, seines Zeichens Partnergemeinde Zunzgens, mit einem Stand vertreten. Salsiz gibt es da zu kaufen, und die findet reissenden Absatz. Das geht auch dem heissen Wachs im Gemeindehaus nicht anders. Klein- und Grosskinder tunken ihre Dochte darein, um Kerzen zu ziehen, der Andrang ist enorm und der Weg zum Kuchenbuffet gefährlich nahe.

Weihnachtsmarkt als Sport

Standbetreiber und Co-Organisator des Marktes ist Flavian Naber. Für den Steinbildhauer ist der Weihnachtsmarkt nicht nur feste Grösse im Terminkalender, sondern auch willkommene Abwechslung zur Arbeit. «Man kann sich abseits des Arbeitsalltags etwas mehr Freiheiten nehmen, die Möglichkeiten des Berufs erweitern.» So werden aus steinernen Reststücken dekorative Objekte, Nützliches oder Kunst. Es sei eine Art Sport für ihn geworden, jährlich zum Weihnachtsmarkt etwas Neues aus dem Ärmel zu schütteln, «aber letztlich geht es doch vor allem um eins: Die Dinge sollen Freude bereiten.»