Eröffnung Genusswoche
Die Welschen stahlen Liestal an der Eröffnung der Genusswoche die Show

Liestal ist zwar die Genussstadt 2016, aber die Freunde aus der Romandie führen das Zepter. An der Eröffnung der Genusswoche war der Baselbieter Dialekt nur vereinzelt zu hören.

Andreas Hirsbrunner
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Wo nur ist hier das Heimische, scheint der Liestaler Stadtrat Daniel Muri zu fragen.

Wo nur ist hier das Heimische, scheint der Liestaler Stadtrat Daniel Muri zu fragen.

Andreas Hirsbrunner

Die grosse Gala zur nationalen Eröffnung der diesjährigen, 16. Genusswoche war stimmig: 150 Gäste schlemmten sich am Mittwochabend an erstklassigem Ort, dem Hotel Bellevue in Bern, durch ein hervorragendes Festmenü mit Spezialitäten aus der Romandie. Zugegen waren auch Bundesrat Guy Parmelin und etwa 15 Bundesparlamentarier. Doch, so fragte man sich schon bald, wo war das Baselbiet, das mit der diesjährigen Genussstadt Liestal eine Hauptrolle spielen sollte? Auf der umfangreichen Speisekarte tauchte es erst beim Dessert in Form von Baselbieter Zimtstängeln der Liestaler Bäckerei Finkbeiner auf, die oberste Politikergarde war mit Maya Graf und Susanne Leutenegger – quantitativ natürlich, nicht qualitativ – kläglich vertreten, und im Saal hörte man inmitten des dominanten welschen Geplauders nur vereinzelte Baselbieter Dialektfetzen.

Chienbäse als Lockmittel

Bundesrat Parmelin brachte die Verhältnisse bei seiner Festansprache auf den Punkt: «Wir Westschweizer müssen gestehen, dass wir die Genussstadt Liestal nicht so gut kennen und den Kanton Baselland kaum besser.» Und danach gefragt, ob er eine Baselbieter Spezialität nennen könne, musste er passen. Wäre da nicht der unermüdliche Liestal-Botschafter Lukas Ott, seines Zeichens Stadtpräsident, gewesen, die Aushängestadt der diesjährigen Genusswoche wäre glatt untergegangen. Er präsentierte der Festgemeinde das Baselbiet als eine «aus genusstechnischer Sicht unentdeckte Schatztruhe» und Liestal als «wichtige Gastgeberin» mit Jahrhunderte langer Erfahrung.

Und Ott arbeitete an Parmelins Liestal-Defiziten und lud ihn an den nächsten Chienbäse-Umzug ein. Die welsche Dominanz, die einem Teil der Baselbieter Delegation sauer aufstiess, erklärte Ott mit der Geschichte der Genusswoche, die lange nur in der Romandie verbreitet gewesen sei, und mit der dortigen, intensiveren Genusskultur.

In bescheidenerem Rahmen unter sich waren dann die Baselbieter gestern an der Gratis-Degustation zur Eröffnung der regionalen Genusswoche in Liestal. Und auch die meisten Zutaten der angebotenen Produkte, von der Kürbissuppe mit Zwetschgen über ein Urdinkel-Risotto bis hin zum von Ott angestochenen «Chribbel-Bier», entsprangen der heimischen Scholle.