Land-Schreiber
Die wirkliche Tragik im Fall Gaugler

Der Land-Schreiber über die Rede der neuen Landratspräsidentin Daniela Gaugler zum Auftakt des neuen Amtsjahr am Donnerstag.

Hans Martin Jermann
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Daniela Gaugler bei Ihrer Rede am Donnerstag.

Daniela Gaugler bei Ihrer Rede am Donnerstag.

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Sie werde keine «Angriffe akzeptieren», die nichts mit ihrem Amt im Landrat zu tun hätten, sagte die neue Landratspräsidentin Daniela Gaugler zum Auftakt des neuen Amtsjahres am Donnerstag. Gemäss dieser Logik dürfen gewählte Parlamentarier ausserhalb des Landrats tun, was immer sie wollen, ohne der Öffentlichkeit Rechenschaft ablegen zu müssen. Bei aller Hochachtung vor der Privatsphäre: Solch ein Abwehrreflex greift zu kurz. Ganz abgesehen davon, dass für die höchste Baselbieterin unbestritten höhere Wertmassstäbe gelten als für den Durchschnittsbürger.

Die SVP-Landrätin aus Lausen hat zum wiederholten Mal eine Chance verpasst, Aufklärung in eigener Sache zu betreiben. Offenbar ist sie fest entschlossen, die Vorwürfe auszusitzen und sich am Amt festzuklammern. Kritische Fragen prallen an ihr ab, oder sie schiebt die Parteispitze als Sprachrohr vor.

Warum ist der Fall Gaugler für die Öffentlichkeit relevant? Wenn die oberste Baselbieter Gesetzgeberin ein Bed and Breakfast betreibt, das diesen Namen kaum verdient, und sie damit Vorschriften ausreizt, dann muss sie sich kritische Fragen zu ihrem Rechtsverständnis gefallen lassen. Gewerbezonen sind nun mal keine Wohnzonen – wofür sonst gibt es denn Zonenvorschriften? Gewiss: Keine Regel schreibt vor, wie lange Hotelgäste bleiben dürfen. Wenn allerdings aus Hotelgästen Dauermieter werden, dann unterläuft dies die übergeordnete Absicht der staatlichen Trennung von Gewerbe- und Wohnzonen. Von den unterschiedlichen Quadratmeterpreisen zwischen den Zonen und dem sich daraus ergebenden Wettbewerbsvorteil ganz zu schweigen. Wie viel mehr Spielraum und Verständnis hätte sich Gaugler bewahren können, wenn sie von Anfang an offen über die Hintergründe ihres Betriebs aufgeklärt hätte. Stattdessen hat sie sich durch ihre Trotzkommunikation in eine fast ausweglose Lage gebracht. Selbst bei einer amtlichen Reinwaschung durch das Baselbieter Bauinspektorat wird noch lange die Enttäuschung über ihr Auftreten nachklingen. Mehr und mehr ist das die eigentliche Tragik im Fall der gewählten Volks- und derzeit höchsten Kantonsvertreterin Daniela Gaugler.