bz im Jura
«Die wirtschaftliche Orientierung zu Basel hin ist für das Jura ein politisches Statement»

Die Region Basel und das Jura sollten noch enger zusammenrücken, fordert der Baselbieter Kulturförderer und Jura-Kenner Hans Furer.

Bojan Stula
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Hans Furer besitzt nahe Boncourt ein grosses Anwesen.

Hans Furer besitzt nahe Boncourt ein grosses Anwesen.

Kenneth Nars

Der 62-jährige Bottminger Rechtsanwalt und Kunstmaler Hans Furer ist Eigentümer der Prieuré de Grandgourt, eines prächtig renovierten Klosters nahe Boncourt. Zum Nachbarkanton Jura hat der in Biel geborene alt GLP-Landrat während 40 Jahren ein inniges Verhältnis entwickelt.

Hans Furer, während der Herbstferien hat die bz den Jura unter die Lupe genommen. Was verbindet aus Ihrer Sicht diese beiden Regionen, Basel und Jura, am stärksten?

Hans Furer: Beide Regionen fühlen sich als politische Exoten in der Schweiz und von Bern nicht in allen Problemen ernst genommen. Die einstige Abspaltung vom Kanton Bern dringt in der jurassischen Mentalität immer wieder durch. Der chronische Geldmangel verhindert grosse Würfe oder grosse Projekte. Das verstärkt die Abneigung gegen Bern und fördert gleichzeitig den Drang nach einer engeren Beziehung zu den Baslern, die in Fragen der Unabhängigkeit gleichgesinnt sind. Die wirtschaftliche Orientierung zu Basel hin, und eben nicht nach Neuenburg oder Bern, ist ein politisches Statement.

Wie könnte diese engere Beziehung aussehen?

Lesen Sie meine Vorstösse im Landrat. Viele Baselbieter Gemeinden sind wohlhabend, während jene im Jura sprichwörtlich mausarm sind. Da würde sich eine Unterstützungshilfe anbieten, wie ich mittels eines Postulats vorgeschlagen habe.

Welchen Nutzen würde dies unseren Gemeinden bringen, neben dem kantonalen Finanzausgleich auch noch Geld in den Jura zu pumpen?

Was bringt es, seinen armen Bruder zu unterstützen? Nichts! Aber es beweist Solidarität und trägt dazu bei, dass die beiden Regionen verschmelzen. Die Möglichkeiten für gemeinsame Projekte sind unendlich, der Jura ist dank der traditionellen Uhrenherstellung sehr industrieaffin. Das böte Basler Unternehmen grosse Expansionsmöglichkeiten.

Wenn da nicht die enorme Steuerbelastung wäre.

Ja, das ist so. Dessen muss man sich bewusst sein, wenn man sich im Jura niederlassen will. Anderseits ist das Preis-/Leistungsverhältnis für Immobilien schweizweit unschlagbar. Ein grosses Bauernhaus kann man schon für 300'000 bis 400'000 Franken inklusive riesigem Umschwung bekommen und erst noch den Preis runterhandeln. Ich erinnere mich an eine Studie, dass dem Eigenheimbesitzer im Jura durchschnittlich 800 Quadratmeter gehören. Das führt zu enormer Lebensqualität trotz geringerer Löhne.

Die neue Besitzerin des Hôtel de la Gare kritisiert die umständliche Verwaltung und riesige Bürokratie.

Ich habe die gegenteilige Erfahrung gemacht. Die Verwaltung ist klein und unkompliziert. Jeder kennt hier jeden. Aber natürlich braucht es die nötige Diplomatie und das Beherrschen des Französischen. Auf fast keiner Verwaltung wird Deutsch gesprochen.

Wo sehen Sie Unterschiede?

Die Jurassier sind ungeheuer stolz auf ihre kulturellen Exponenten. Rémy Zaugg wird als Maler und Konzeptkünstler von Weltrang verehrt. Seine grosse Ausstellung «Voici Voilà Voyez» wird im ganzen Kanton beworben. In Baselland dagegen reibt man sich ständig an der Basler Kultur, ignoriert aber den eigenen Literaturnobelpreisträger Carl Spitteler völlig.