Grellingen
Die Zähne werden jetzt mit Mineralwasser geputzt

Das Trinkwasser in der Laufentaler Gemeinde ist verunreinigt und muss bis auf weiteres abgekocht werden. Das Wasser wird derzeit auf Bakterien untersucht. Nachdem gechlort wurde, wird im Verlauf des Tages die zweite Trinkwasserprobe genommen.

Dimitri Hofer
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Das Reservoir Neutal wurde gestern innen gereinigt.

Das Reservoir Neutal wurde gestern innen gereinigt.

Kenneth Nars

Alle Einwohner von Grellingen erhielten vorgestern Abend Besuch. Die Feuerwehr informierte sie darüber, dass das Leitungswasser schmutzig sei und nicht getrunken werden könne. Diejenigen, die nicht zu Hause waren, fanden bei ihrer Rückkehr an der Haustüre ein Flugblatt vor. In dicken Lettern stand geschrieben, was in dieser Ausnahmesituation zu tun ist.

Die wichtigste Massnahme ist, das Wasser durch Abkochen zu entkeimen. So kann es anschliessend als Trinkwasser verwendet werden. Die Zähne sollen derzeit nur mit abgekochtem Wasser oder mit Mineralwasser geputzt werden, sagt Gemeinderat Hans Raithofer, der in Grellingen für die Wasserversorgung zuständig ist. Duschen sei jedoch bedenkenlos möglich, fügt er hinzu. Die Bevölkerung werde mithilfe von weiteren Handzetteln auf dem Laufenden gehalten.

Behandlung mit Chlor

«Grund für die Verunreinigung ist ein technischer Defekt, durch welchen verschmutztes Wasser ins Reservoir Neutal umgeleitet wurde», sagt Hans Raithofer. Anscheinend habe eine sogenannte Verwurfklappe nicht funktioniert. Von dem Speicher oberhalb des Dorfes gelangte das Wasser in der Folge in die Hähnen.

Der Baselbieter Kantonschemiker Peter Wenk geht davon aus, dass das Wasser mit Bakterien verunreinigt ist. Genauere Informationen könne er frühestens morgen Abend geben. Zurzeit läuft eine bakterielle Untersuchung, für die der Brunnenmeister Proben gesammelt hat. Kurz darauf begann man mit der Reinigung der Wasserleitungen. Die Leitungen werden mit Chlor behandelt und dadurch von Keimen befreit. Das betroffene Reservoir sei abgestellt worden und werde ebenfalls desinfiziert, teilt Peter Wenk mit. Ausserdem stellte man eine Verbindung zum Trinkwassernetz der Nachbargemeinde Duggingen her.

Eine zweite Trinkwasserprobe werde im Verlauf des heutigen Tages genommen, nachdem gechlort wurde. Noch lässt sich aber nicht vorhersagen, wann das Wasser wieder trinkbar ist. Es gelte deshalb bis auf weiteres, die Anweisungen auf den Flugblättern zu befolgen. Dass es im Baselbiet zu einer Verunreinigung des Trinkwassers kommt, ist laut dem Kantonschemiker selten. «Das passiert in der Regel ein- bis zweimal pro Jahr», sagt Wenk. Im Vergleich zu früher konnte das Risiko von Verschmutzungen stark reduziert werden. Obwohl sie heute weniger vorkommen, könnten solche Vorfälle trotzdem nie ausgeschlossen werden.

Kaum Einschränkungen

Wie viele andere Grellinger putzte Landrat Georges Thüring gestern Morgen seine Zähne mit Mineralwasser. Er könne sich nicht daran erinnern, schon einmal Ähnliches erlebt zu haben, meint der SVP-Politiker. Und dabei lebe er schon lange in Grellingen. Der ehemalige Gemeindepräsident lobt die Feuerwehr für den raschen Einsatz nur wenige Stunden, nachdem die Verschmutzung festgestellt worden war. Die aussergewöhnliche Situation sei für ihn kaum mit Einschränkungen verbunden. Gerade wenn so etwas geschehe, werde einem wieder bewusst, wie gut es uns in der Schweiz doch gehe. «Einfach den Hahnen aufdrehen zu können und sauberes Wasser zu trinken ist ein Privileg, das häufig unterschätzt wird.»

Dessen wurde er sich am Sonntagabend bewusst. Just im Moment, als er in ein Salatblatt beissen wollte, klopfte die Feuerwehr an die Türe. Woraufhin seine Frau das Grünzeug umgehend in den Abfalleimer wandern liess.