Zivilschutz
Die Zivilschutz-Kompanie Oberes Baselbiet leistet, was sonst keiner macht

Das Klischee, dass im Zivilschutz lediglich die Zeit totgeschlagen wird und nach dem Wiederholungskurs keine Resultate vorgelegt werden können, widerlegt die Kompanie Oberes Baselbiet vorbildlich. Sie leistet viel öffentliche Gratisarbeit.

Simon F. Eglin
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Eigenbau Marke Zivilschutz: Neue Feuerstelle für die Waldhütte Seppenweid in Läufelfingen. Simon F. Eglin

Eigenbau Marke Zivilschutz: Neue Feuerstelle für die Waldhütte Seppenweid in Läufelfingen. Simon F. Eglin

Donnerstagmorgen auf dem Vorplatz der Waldhütte Seppenweid in Läufelfingen: Während ein Zivilschutzleistender die sanierte Treppe reinigt, ist ein anderer mit einem Schleifgerät damit beschäftigt, den neuen hölzernen Handlauf zu bearbeiten. Daneben schichten fünf andere Männer in grünen Hosen und orangefarbenen T-Shirts Natursteine zu einer Mauer auf und richten die alte verfallene Feuerstelle wieder her.

Wiederholungskurs: Drei Wochen, fünf Baustellen

Die jüngsten Wiederholungskurse der Zivilschutzkompanie Oberes Baselbiet nahmen insgesamt drei Wochen in Anspruch, jeweils eine Woche pro Fachrichtung.

Der Kulturgüterschutz erstellte Listen regionaler Kulturdenkmäler der 17 dem Verbund angeschlossenen Gemeinden. Die Betreuung nahm die Infrastruktur diverser Zivilschutzanlagen unter die Lupe und fertigte Einrichtungspläne für den Regionalen Führungsstab an. 46 Personen der Unterstützung waren in der letzten Märzwoche aufgeboten, um auf gleich fünf Baustellen zu wirken.

In Eptingen und Tenniken wurden unwegsame Fusswege gangbar gemacht. In Diegten sorgten die Zivilschützer dafür, dass ein Landwirtschaftsweg weniger Schwemmmaterial auf die Kantonsstrasse spült, genau so wie in Thürnen auf einem Fussweg. Am meisten Personal war in der Waldhütte Seppenweid am Werk, wo Treppe und Geländer saniert und eine neue Natursteinmauer samt Feuerstelle errichtet wurde. (seg)

Unwegsame Örtlichkeiten

Doch wird mit solcher Tatkraft und den immer professioneller werdenden Strukturen nicht das regionale und örtliche Handwerkgewerbe konkurrenziert? «Unsere Einsätze spielen sich mehrheitlich auf kleinen Baustellen ab, um regionale Handwerkbetriebe nicht zu tangieren», verneint Martin Buser die Frage. Ausserdem handle es sich bei den Schauplätzen oft um unwegsame Örtlichkeiten, an die nur schwer mit Fahrzeugen vorzudringen sei.

Buser nennt als Beispiel das abgelegene Banntagsweglein in Eptingen, bei dem während des Einsatzes neue Tritte eingefügt wurden. Der Kommandant verweist weiter auf die Tatsache, dass alle Einsätze für die Zivilschutzkompanie von der Zivilschutzkommission stammen, in der alle Gemeinden durch einen Gemeinderat vertreten sind. So soll auch gewährleistet werden, dass nicht einzelne Gemeinden bevorzugt werden bei den Dienstleistungen durch die Männer in Orange.

Keine übermässige Konkurrenz

«Der Zivilschutz kann in den jährlichen Wiederholungskursen sogenannte Einsätze zugunsten der Gemeinschaft leisten. Darunter fallen zum Beispiel Arbeiten wie Bachbette putzen, die Instandstellung von Wanderwegen oder etwa das Beseitigen von Schneedruckschäden», teilt Peter Steffen, der für Zivilschutz zuständige Gemeinderat Diegtens, schriftlich auf Anfrage der bz mit.

Nach der bundesrätlichen Verordnung über Einsätze des Zivilschutzes zugunsten der Gemeinschaft könnten solche Leistungen unter bestimmten Bedingungen erbracht werden – unter anderem, wenn private Unternehmen nicht übermässig konkurrenziert würden. «Die Zivilschutzkompanie Oberes Baselbiet erbringt schon seit mehren Jahren solche Leistungen und erlaubt damit ihren Angehörigen eine fordernde und motivierende Ausbildung», so Steffen. Ausserdem würden Arbeiten wie die Instandstellung eines Feldweges von der Gemeinde nicht als Auftrag an Private erteilt.

Ganz ähnlich zum Verhältnis von Zivilschutz und Handwerk äussert sich auch Matthias Ritter, Präsident des Verbandes Dach & Wand Baselland. «Ich finde es sinnvoll, wenn
die Zivilschutzleistenden am Abend nach Hause gehen können und et-was geleistet haben. Meistens handelt es sich ja um Arbeiten in der Natur, die sonst selten oder gar nicht ausgeführt würden», so Ritter, der in Diegten eine Zimmerei betreibt.

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