Agglo Basel
Die Zukunft der Basler Agglomeration ist aufgegleist

Die zweite Generation des Agglomerationsprogramms biegt auf die Zielgerade ein: Am Dienstag wird in Lörrach an der vierten Mitwirkungsveranstaltung die Liste der Projekte vorgestellt, welche die Agglomeration Basel Ende Juni in Bern einreichen will.

Daniel Haller
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Der Doppelspurausbau der Tramlinie beim Spiesshöfli in Binningen ist eines der Projekte der zweiten Generation des Agglomerationsprogramms. Martin Töngi

Der Doppelspurausbau der Tramlinie beim Spiesshöfli in Binningen ist eines der Projekte der zweiten Generation des Agglomerationsprogramms. Martin Töngi

Kurzfristig gehts um Geld für Strassen, Schienen, Fuss- und Velowege: Der Bund soll Beiträge von bis zu 50 Prozent an den Bau der eingereichten Verkehrs-Infrastruktur-Projekte leisten. Bedingung: Der Bau muss zwischen 2015 und 2018 beginnen.

Das Agglomerationsprogramm Basel will Projekte im Gesamtwert von 700 000 Franken einreichen. Weiter ist bereits klar, dass die Agglomeration Basel für die dritte Generation – Baubeginn 2019 bis 2022 – Projekte im Gesamtwert von 1,5 Milliarden einreichen will. Der grosse Brocken ist dann das S-Bahn Herzstück in der Basler Innenstadt.

Landschaft schonen

Mittelfristig gehts darum, die Entwicklung der Region zu steuern. Konkret will man die weitere Zersiedelung der Landschaft verhindern. Beispiel: Wenn die Kernstadt Basel so weiter wächst wie bisher, wird sie 2030 zusätzliche 5000 Einwohner beherbergen. Gemäss Zukunftsbild, das für das Agglomerationsprogramm erarbeitet wurde, sollen es jedoch zusätzliche 10000 Personen sein.

In den stadtfernen Gebieten hingegen würde gemäss bisheriger Entwicklung die Bevölkerung um 9000 Personen wachsen. Ziel des Zukunftsbildes ist es, diesen Zuwachs auf 1000 Personen zu beschränken. Mit anderen Worten: Man will die Siedlung in der Kernstadt, den stadtnahen Korridoren – beispielsweise Ergolztal bis Liestal, Birstal bis Aesch – deutlich verdichten und das Bevölkerungs-Wachstum dort konzentrieren.

Mit Verkehr die Siedlung steuern

Diese Absicht hängt eng mit dem Verkehr zusammen: Wird draussen im ländlichen Raum gebaut, ist mit Überlastung der Strassen und der öffentlichen Verkehrsmittel zu rechnen, da deren weiterer Ausbau an Grenzen stösst. Schafft man hingegen dort, wo man die Siedlungsentwicklung fördern will, attraktive Verbindungen, so werden Investoren auch Wohnungen bauen.

Patrick Leypoldt, Leiter der Geschäftsstelle Agglomerationsprogramm Basel, zweifelt allerdings, ob allein Verkehrsmassnahmen ausreichen, künftig die Zersiedelung der Landschaft zu verhindern. «Darüber hinausgehende raumplanerische Massnahmen gehören jedoch nicht primär ins Agglomerationsprogramm, sondern erfordern eine Anpassung des kantonalen Richtplans und der kommunalen Zonenpläne.»

Verkehrsträger vernetzen

Am Dienstag wird also in Lörrach nicht einfach eine Liste von Einzelprojekten präsentiert. Diese sind vielmehr Mosaiksteine einer regionalen Gesamtplanung über Teile der Kantone beider Basel, Aargau und Solothurn sowie des Landkreises Lörrach und des Elsass um Saint-Louis.

Grundidee dieser Planung: Der motorisierte Individualverkehr, der öffentliche Verkehr und der Langsamverkehr (Fussgänger und Velo) sollen sinnvoll vernetzt werden. Da der Autoverkehr in der Kernstadt schon heute «zum gravierenden Problem geworden ist», wird in den Siedlungskorridoren vor allem der öffentliche und der Langsamverkehr gefördert. So soll jeder Siedlungskorridor einen S-Bahn-Takt von 15 Minuten oder einen Tram-Takt von 7,5 Minuten erhalten. Umsteige-Drehscheiben werden die verschiedenen Verkehrsträger vernetzen.

Dabei – und nun gehts wieder um Geld – nimmt man nur regional wichtige Projekte ins Agglomerationsprogramm auf. Projekte wie etwa der Ausbau der Osttangente, die Erneuerung der Umfahrung H2 in Liestal oder die Bahn-Ausbauten zwischen Basel und Liestal, die auch oder vor allem dem überregionalen Verkehr dienen, sind zwar Teil des Gesamtkonzepts, werden aber aus anderen Töpfen finanziert.