Birsfelden
Diebischer Treuhänder klaut 80000 Franken aus Vereinskasse des Roxy

Dem Theater Roxy fehlen 80000 Franken in der Vereinskasse. Damit ist das Roxy der vorerst letzte Fall einer ganzen Reihe von Veruntreuungen eines diebischen Treuhänders - die Staatsanwaltschaft rechnet mit bis zu zwölf Geschädigten.

Silvana Schreier
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Beim Roxy-Verein riss der Veruntreuungsfall ein Loch in die Kasse – der Betrieb geht vorerst trotzdem weiter.

Beim Roxy-Verein riss der Veruntreuungsfall ein Loch in die Kasse – der Betrieb geht vorerst trotzdem weiter.

Juri Junkov

Nicht nur die Römisch-katholische Kirche Birsfelden und der Hauseigentümerverband (HEV) Basel-Stadt wurden Opfer eines Veruntreuungsfalles: Auch aus der Vereinskasse des Theaters Roxy verschwand Geld, wie Recherchen der bz zeigen. Der Treuhänder M. M., der im Vorstand des Vereins Kulturraum Theater Roxy für die Finanzen zuständig war, wirtschaftete in allen drei Fällen in die eigene Tasche. Es handelt sich womöglich um einen Betrag in der Höhe von rund 80 000 Franken.

Veruntreuer: Geschäfte im Ausland?

Mehrere Millionen Franken soll der Treuhänder M. M. aus Birsfelden veruntreut haben. Falls sich dieser Verdacht erhärtet, stellt sich die Frage: Wo ist dieses Geld?

Ein Eintrag des Verdächtigten im Handelsregister lässt aufhorchen: Dort findet sich - neben der Treuhand-Kommanditgesellschaft - eine weitere Firma. Als Zweck der Ein-Personen-Holding wird angegeben: «Die Gesellschaft bezweckt das Halten von Beteiligungen an Gesellschaften. (...) Sie kann im In- und Ausland Zweigniederlassungen errichten, sich an anderen Unternehmungen beteiligen, gleichartige Unternehmen erwerben oder sich mit solchen zusammenschliessen.»

M. M. geschäftete folglich wohl auch im Ausland. Es ist davon auszugehen, dass zumindest ein Teil des abgezweigten Geldes auch auf ausländische Konten geflossen ist. Dies würde das Zurückholen erheblich verzögern und erschweren. M. M. war gestern für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen nicht erreichbar.

In der Meldung von gestern «Veruntreuer sass auch in der GPK» hatte sich ausserdem ein Fehler eingeschlichen. Zwar ist es korrekt, dass M. M. auch öffentliche Mandate innehatte, dabei handelte es sich jedoch um die Birsfelder Rechnungsprüfungskommission (RPK) - und nicht wie geschrieben um die Geschäftsprüfungskommission (GPK). Der Verdächtigte gab Anfang Dezember seinen sofortigen Rücktritt aus der RPK bekannt. Bis September hatte er die Kommission präsidiert. (bwi)

Weitere Betroffene zu erwarten

Es ist davon auszugehen, dass die Kirchgemeinde, der HEV Basel-Stadt und der Roxy-Verein nicht die einzigen Opfer des Treuhänders waren. Die Firma von M. M. wird unter anderem in einem Jahresbericht einer Basler Stiftung aufgeführt. Und wie die bz erfuhr, half M. M. bis vor zwei Jahren auch bei der Erstellung der Buchhaltung der Spitex Birsfelden mit. Zumindest die Spitex hat bisher keine Unregelmässigkeiten feststellen können, sagt die zuständige Gemeinderätin Regula Meschberger.

Das könnte sich rasch ändern. Laut Michael Lutz, Sprecher der Staatsanwaltschaft Baselland, sind insgesamt zehn bis zwölf Institutionen von den Veruntreuungen betroffen. «Momentan holen wir alle relevanten Geschäfts- und Bankakten ein. Diese werden wir dann sichten und auswerten», erklärt Lutz das Vorgehen der Staatsanwaltschaft. Erst danach könne man Aussagen über die konkrete Schadenssumme jedes Geschädigten machen.

Die Gründe der Selbstanzeige, die per 25. November eingegangen ist, sind nicht bekannt. Gemäss Lutz befindet sich M. M. momentan nicht in Untersuchungshaft. Dies, weil keine Haftgründe vorlägen, er ein Einzeltäter sei und keine Fluchtgefahr bestehe.

Roxy kämpft mit Defizit

Das Theater Roxy wird einerseits von Subventionsgeldern des Kantons Baselland und der Gemeinde Birsfelden sowie von Stiftungs- und Sponsorenbeiträgen unterstützt. Die Veruntreuung von 80 000 Franken reisst nun ein tiefes Loch in die Vereinskasse.

Der Zeitpunkt ist heikel: Im neuen Jahr wird der Landrat die Subventionen für den Betrieb diskutieren. Jürg Wiedemann, Landrat und Gemeinderat von Birsfelden, zeigt sich trotzdem optimistisch im Hinblick auf diese Abstimmung: «Für mich ist klar, dass finanzielle Mittel fürs Theater Roxy gesprochen werden müssen.» Auch die anderen Landräte würden die Situation des Kulturbetriebs differenziert betrachten. «Das Roxy hat einen guten Ruf. Dieser Vorfall sollte eigentlich nichts daran ändern, wenn die nötigen Schritte unternommen werden», sagt Wiedemann.

Laut Präsidentin Ziegler verzeichnete der Roxy-Verein bereits vor sechs Jahren eine «nicht plausible Fehltransaktion» in der Kasse. Diese habe jedoch auf einem «technischen Missverständnis» beruht. «Wir veranlassten eine sofortige Revision. Zudem werden seitdem die Finanzen von einer externen, unabhängigen Revisionsstelle überprüft», sagt Ziegler. Der damalige Vorfall habe somit nichts mit der heutigen Situation zu tun. Und: Trotz des Defizits könne der Theaterbetrieb aufrechterhalten werden.