Augmented Reality
Diese App lässt Augusta Rauricas Ruinen wiederauferstehen

3D-Stadtplan und virtuelle Führungen: Die antike Römerstadt Augusta Raurica präsentiert ihren lange erwarteten Smartphone-Guide. Mit der App kann man in die Vergangenheit der Ruinen eintauchen.

Bojan Stula
Merken
Drucken
Teilen
Die App erlaubt neue Einblicke in die einst blühende Römerstadt.

Die App erlaubt neue Einblicke in die einst blühende Römerstadt.

Wie war das nochmals? «Mitten drin statt nur dabei.» Der einstige Werbespruch des deutschen Sportsenders DSF lässt sich ab sofort auch auf die Römerstadt Augusta Raurica übetragen. Wobei die Entwickler der neuen Römerstadt-App für ihr Kind das Motto «Unsichtbares sichtbar machen» bevorzugen. Mit sichtlichem Stolz präsentierten gestern im Römermuseum die beiden Fachhochschul-Dozenten Stephan Nebiker und Martin Christen die Version 1.0, die ab sofort kostenlos für Android-Smartphones heruntergeladen werden kann.

Besitzer von iPhones müssen sich dagegen noch einige Tage gedulden, bis sie das 78 MB schwere Datenpaket im App-Store vorfinden werden. Eine kleine Auseinandersetzung mit Apple führte dazu, dass der Weltkonzern den FHNW-Bereich für Architektur, Bau und Geomatik zunächst nicht als eigenständigen App-Entwickler anerkennen wollte, da andere Institute der Fachhochschule Nordwestschweiz den Geomatikern mit eigenen Apps zuvorgekommen waren. Wie Christen ausführt, seien diese Probleme aber inzwischen ausgeräumt, und die iOS-Version stehe kurz vor der Veröffentlichung.

Wer sich die neue App herunterlädt, kann diese auf zwei grundsätzlich verschiedene Arten nutzen: Entweder man studiert vom heimischen Sofa aus die 3D-Karte, simuliert eine Führung vom Bus-Parkplatz bis zum Museum samt dreisprachigem Audio-Guide und Zusatzinformationen in Text und Bild oder betrachtet eine lokale Strassenszene vor 2000 Jahren im Panoramabild. Richtig spannend wird es aber erst, wenn man die App vor Ort auf dem Gelände der Römerstadt aufruft.

Bloss der erste Entwicklungsschritt

«Hier sieht man ja gar nichts!» Oder: «Schade, dass es hier nur noch Ruinen hat!» Diese Sätze hat Stephan Nebiker, FHNW-Professor für Photogrammetrie, Fernerkundung und Geoinformatik, von Kindern selber schon gehört, wenn er über das weitläufige Gelände spazierte. Dank der neuen App wird aber plötzlich sichtbar, dass die grüne Wiese im Vorfeld der Theaterruine um 200 nach Christus ein dicht bebautes, pulsierendes Stadtquartier war. Die App zeigt dem Betrachter auf dem 3D-Stadtplan den Aufenthaltsort an. Zudem werden an vier extra für App-Benutzer vorbereiteten Stationen die Bildtafeln von römischen Bauwerken dreidimensional erfassbar, sobald der Besucher mit seinem Smartphone draufhält.

Beim Spazieren audiovisuell in die Römerzeit vor 2000 Jahren abtauchen, ist das, was die Fachwelt «Augmented Reality» nennt. Auf dem Weg zur «computergestützten Erweiterung der Realitätswahrnehmung» und der «ortsbezogenen Überlagerung von Zusatzinformationen» wird die App-Version 1.0 allerdings bloss der erste Schritt sein. Nebiker und sein FHNW-Entwicklungsteam denken bereits über wesentlich leistungsstärkere Folgeversionen nach, dank denen man von einem beliebigen Standort aus jene Ansicht simulieren kann, die sich einem Römer an der genau gleichen Stelle vor 2000 Jahren geboten hätte. Mit dem Blick durch eine Datenbrille wäre die Zeitreise perfekt. «Erst wenn man an der virtuellen Fassade des Forums hochblicken kann, wird einem bewusst, was für gewaltige Bauwerke das waren», erläutert Stephan Nebiker, was es bald heissen könnte, mitten drin zu sein.