Velohelme
Diese Frau ist gegen Helmpflicht für unter 14-jährige

Auch die Ständeratskommission ist gegen die Helmpflicht für unter 14-Jährige. Das freut Anita Lachenmeier.

leif simonsen
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Anita Lachenmeier ist gegen ein Helmobligatorium für Kinder. niz

Anita Lachenmeier ist gegen ein Helmobligatorium für Kinder. niz

Nicole Nars-Zimmer

Die Verkehrskommission des Ständerats lehnt die Velohelmpflicht für unter 14-Jährige ab. «Es gibt einen Hoffnungsschimmer», freut sich Anita Lachenmeier. Lange ist es nicht her, dass sie den Kampf gegen das Helmobligatorium verloren glaubte. «Wir werden die Kröte wohl schlucken müssen», war Ende letzten Jahres noch ihre Reaktion auf die Antwort des Bundesrats. Die Grünen-Nationalrätin und Co-Präsidentin des VCS beider Basel hatte einen parlamentarischen Vorstoss eingereicht, bei dem sie auf die Negativ-Konsequenzen der Helmpflicht hinwies. Lachenmeiers Anliegen wurden unter anderem mit der Begründung abgeschmettert, dass die unter 14-Jährigen den Gefahren des Strassenverkehrs nicht mit der gleichen Routine begegnen würden wie Erwachsene.

Das Gesetz sei kontraproduktiv, begründet die Verkehrskommission des Ständerats. Es würde ältere Personen glauben machen, dass sie keine Helme tragen müssten. Lachenmeier führt drei andere Argumente ins Feld. Zum einen sei ein Verbot nicht praktikabel: «Im Gegensatz etwa zum Skihelm müssten Kinder ihren Velohelm den ganzen Tag an- und ausziehen», sagt sie. Zum Zweiten würden sich viele Velofahrer von einem Obligatorium abschrecken lassen. Und zum Dritten zweifelt sie daran, dass das Gesetz tatsächlich die Sicherheit verbessern würde: «Studien haben gezeigt, dass Autofahrer an Velofahrern mit Helm näher vorbeifahren und den Respekt verlieren.»

Der Kampf der Velolobby

Lachenmeiers Botschaft kommt nicht überall gut an. Bernhard Frey Jäggi, Leiter Verkehr bei der Kantonspolizei Basel-Stadt, sieht darin einen politischen Kampf der Velolobby, die Angst habe, Velofahrer und somit Macht zu verlieren. «Vom Sicherheitsstandpunkt gibt es keinen Grund, gegen eine Helmpflicht zu sein.» Die Ablehnung der Ständeratskommission ist daher in seinen Augen «ärgerlich». Ebenso wenig hat Frey Jäggi für das ständerätliche Argument übrig, dass die Helmpflicht für Kinder einen negativen Effekt auf das Verhalten von Älteren habe. Er verweist auf die Trendwende im alpinen Sport, die von Jungen eingeläutet wurde. «Die ‹Snöber› begannen – aufgrund vieler schwerwiegender Kopfverletzungen – mit dem Tragen von Helmen.»

«Siegchancen bei 50 Prozent»

Noch ist das Helmobligatorium aber nicht aus «Via sicura» gekippt. Dem Massnahmenpaket stehen noch die Abstimmung im Ständerat, die Behandlung im Nationalrat und eine allfällige Differenzbereinigung bevor. Trotzdem schätzt Lachenmeier ihre «Siegchancen» auf etwa 50 Prozent. «Die Empfehlung aus der Ständeratskommission könnte einen Einfluss auf den Nationalrat haben», hofft die Baslerin. Sie selber wird – unabhängig vom Ausgang – keinen neuen mütterlichen Pflichten nachkommen müssen: Ihre drei Kinder sind alle über 14 Jahre alt.