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Diese Frau zeigt fast immer Mut zum Hut

Der Hut-Fan-Club Basel ist 20 Jahre alt geworden – die Mitglieder sind immer gut behütet. Laut Club-Präsidentin Sonja Hauer versprüht ein schöner Hut nicht nur einen Hauch von Glamour, nein er macht die Frau erst zur Dame und den Mann zum Gentleman.

Benjamin Wieland
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Sonja Hauer geht jedes Jahr an die Art Basel, immer elegant gekleidet, inklusive Hut. Dabei habe sie schon oft ihr Billett nicht zeigen müssen, erzählt die Magderin mit einem Schmunzeln: Man habe sie – ganz Frau von Welt – einfach an der Warteschlange durchgewinkt. «Aber schreiben Sie das nicht, sonst klappt es nicht mehr.»

Ihre Bedenken sind unbegründet: Wir leben im Zeitalter von Flip-Flops, Schlabber-Trainern und Adiletten. Da bilden elegant gekleidete Menschen einen willkommenen Kontrast – und sind meist gern gesehen. «Sehr gerne sogar», bekräftigt Sonja Hauer. Und die gebürtige Liestalerin muss es wissen: Sie ist Präsidentin des Hut-Fan-Clubs Basel. Zwanzig Mitglieder hat der Verein. Darunter sind auch ein paar Männer. Im November feierte der Club international des amateurs du chapeau – so lautet der offizielle Name – sein 20-Jahr-Jubiläum.

Ausflüge an die Olma

Einmal im Monat treffen sich die Hut-Fans zum Essen. Immer an einem anderen Ort, niemals ohne Hut. Dazu kommen Ausflüge an die Muba, die Olma, die Swiss Indoors – und an Orte, die für ihre gut behüteten Besucherinnen berühmt sind: die Trabrennen auf dem Schänzli, in Aarau oder Baden-Baden. 1996 fuhren die Damen sogar nach Ascot in England.

Gut behütet waren auch viele Gäste, die Sonja Hauer jahrelang an der Bar im Hotel Drei Könige bedient hatte. Audrey Hepburn war eine davon. «Eine richtige Dame» sei sie gewesen, erinnert sich Hauer, «höflich und gut gekleidet.» Ganz anders Liz Taylor («hinterliess immer ein Chaos im Zimmer»).

Steigende Mitgliederzahl

Das «Drei Könige» ist auch der Geburtsort des Clubs. Die Präsidentin erinnert sich gut an den Abend der Gründung, es war der 5.November 1990: «Ich sass mit zwei Freundinnen an der Bar, wir trugen alle extravagante Hüte. Da fragte uns ein Mann, wer wir seien. Da sagte ich: ‹Das sieht man doch: Wir sind der Hut-Club Basel!›»

Seither ist die Mitgliederzahl stetig gewachsen. Mitmachen können alle, betont Hauer. Einzige Bedingung sei ein grosses Repertoire an Kopfbedeckungen. Sie selber besitzt über 80 Hüte. Der Club gedeiht prächtig – weniger gut gehts dem Hut. «Der Hut stirbt so schnell nicht aus», beschwichtigt Hauer, «dafür aber die Leute, die sich getrauen, einen zu tragen.» Da könne ihr Verein Abhilfe schaffen: Der Auftritt in der Gruppe senkt die Hemmschwelle.

Die Hutfans gehen auch im Alltag oft mit bedecktem Kopf aus dem Haus. «Ein schöner Hut versprüht einen Hauch von Glamour», schwärmt Hauer, «erst ein Hut macht die Frau zur Dame und den Mann zum Gentleman.»

Sie fordert dazu auf, wieder vermehrt Hüte zu tragen. Auch der Preis stelle kein Hindernis mehr dar, versichert Hauer, günstige Hüte gebe es über das Internet. Nötig sei eigentlich nur dies: «Mut zum Hut!»