Goldseileren
Diese Fünf kämpfen für den Naturschutz

Die Projektgemeinschaft Goldseileren setzt sich für die ökologische Vernetzung von Wald und Offenland ein. Nun wird sie mit dem Walder-Preis ausgezeichnet.

Dimitri Hofer
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Sie gehören alle der ausgezeichneten Projektgemeinschaft Goldseileren an (von links): Thomas Mosimann, André Minnig, Urs Moritz, Martin Rebmann, Ernst Moritz

Sie gehören alle der ausgezeichneten Projektgemeinschaft Goldseileren an (von links): Thomas Mosimann, André Minnig, Urs Moritz, Martin Rebmann, Ernst Moritz

Martin Toengi

Am Schluss des Rundgangs durch das 70 Hektaren grosse Gebiet oberhalb von Lauwil sprudeln die Anekdoten aus ihnen heraus. Dass die fünf Männer seit Jahren zusammenarbeiten und sich gut kennen, ist deutlich zu spüren. Sie alle sind Teil der Projektgemeinschaft Goldseileren, die sich für die ökologische Vernetzung von Wald und Offenland einsetzt. Mit verschiedenen Massnahmen werden Lebensräume für Tiere und Pflanzen gefördert.

Naturschutz fördern

Der Walder-Preis

Die in Basel ansässige Hermann und Elisabeth Walder-Bachmann Stiftung unterstützt Naturschutzprojekte in der Nordwestschweiz. Seit 2002 vergibt sie jährlich den Walder-Preis, mit dem sie Personen oder Organisationen ehrt.

Die Preisträger betreiben Naturschutz, fördern Lebensräume von Tieren und Pflanzen und engagieren sich für einen Ausgleich von forstlichen und naturschützerischen Interessen.

Für ihr Engagement für die Natur sowie für ihre vorbildliche Kooperation erhält die Gemeinschaft dieses Jahr den Walder-Preis. Die Auszeichnung ist mit 50 000 Franken der höchstdotierte Naturschutzpreis der Nordwestschweiz. «Das Projekt Goldseileren vernetzt nicht nur Lebensräume, sondern auf beispielhafte Weise auch Personen und Organisationen», schreibt die Hermann und Elisabeth Walder-Bachmann Stiftung. Die diesjährige Preisträgerin setzt sich aus Vertretern der Kommission Lebensraum Wild von Jagd Baselland, des Forstreviers Hohwacht, der Lauwiler Jagdgesellschaft sowie der Gemeinde Lauwil zusammen.

Feldhase, Glögglifrosch, Neuntöter

Gerade als man hier vor vier Jahren feierlich eine Info-Tafel enthüllt habe, sei es ihm gelungen, mit der Kamera einen durch den Schnee sprintenden Hermelin abzulichten, erklärt Ernst Moritz von der Jagdgesellschaft Lauwil. Er ist der Initiant des Projektes, das zum Ziel hatte, eine ehemalige Christbaumkultur gemeinsam mit einem angrenzenden Feldgehölz ökologisch aufzuwerten. «Jetzt kommt der wieder mit dieser alten Hermelin-Geschichte», nehmen ihn seine Kollegen hoch. Wahrscheinlich habe ihm seine Fantasie bloss einen Streich gespielt, scherzen sie. Das damals geschossene Foto beweist jedoch, dass das Raubtier der namensgebenden Feldflur Goldseileren einen Besuch abstattete.

Der im Winter ein weisses Fell tragende Marder ist nur eines von vielen Tieren, die im Gebiet unter der Ulmethöhe heimisch sind. «Der Feldhase hat sich deutlich vermehrt», sagt Revierförster André Minnig, der das Projekt seit dem Start im Jahr 2008 leitet. Aber auch Eidechsen, der gefährdete Glögglifrosch und der Neuntöter würden vorkommen. Letzterer profitiert von den angelegten Dornbüschen wie etwa Heckenrose und Berberitze. Der kleine Vogel hat die Angewohnheit, seine Beute – unter anderem Schmetterlinge und Bienen – auf Dornen aufzuspiessen.

«Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass wir dereinst eine riesige Artenvielfalt haben werden», erklärt André Minnig. Gelingen soll dies dadurch, dass in den letzten Jahren Hecken gepflanzt und gepflegt sowie Waldränder abgestuft und ausgelichtet wurden. «Wir haben zahlreiche Eschen und Buchen entfernt», sagt er. «Aber auch Asthaufen aufgeschichtet und Totholz liegen gelassen.» Gerade für Amphibien und Kleintiere seien diese sogenannten Inseln wichtig. Das Gebiet beginne nun langsam zu leben, freut sich der Revierförster des Forstreviers Hohwacht.

Bevölkerung hilft freiwillig mit

Seinen Erfolg verdankt das Vernetzungsprojekt nicht alleine der Projektgemeinschaft Goldseileren. Neben deren Institutionen helfen auch der Natur- und Vogelschutzverein Reigoldswil-Lauwil, Schulklassen und die Bevölkerung ehrenamtlich mit. «Ende März organisieren wir jeweils einen Arbeitstag, bei dem immer etwa 30 Personen anwesend sind», erklärt Thomas Mosimann, emeritierter Geografie-Professor und Lauwiler Gemeinderat. Der Rückhalt aus dem Volk motiviere sie noch mehr, sich zu engagieren. Das Projekt ist zwar auf zehn Jahre angelegt, man hat aber vor, nach 2018 weiterzumachen.