Neustart
Diese Fünf wollen das Parlament aufwecken

Die bz stellt fünf der 26 neu gewählten Baselbieter Landräte vor. Eines ist gewiss: Ein Hinterbänkler will niemand sein.

Michael Nittnaus
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Diese fünf neu gewählten Landräte (v.l.): Linard Candreia (SP), Saskia Schenker (FDP), Pascal Ryf (CVP), Andrea Heger (EVP) und Martin Karrer (SVP) vor dem Regierungsgebäude in Liestal.

Diese fünf neu gewählten Landräte (v.l.): Linard Candreia (SP), Saskia Schenker (FDP), Pascal Ryf (CVP), Andrea Heger (EVP) und Martin Karrer (SVP) vor dem Regierungsgebäude in Liestal.

Martin Töngi

Landräte kommen und gehen. Doch das Bild, das sich heute zum Start der neuen Legislatur im Landratssaal bieten wird, ist trotzdem speziell: Gleich 26 der 90 Landrätinnen und Landräte nehmen zum ersten Mal im grossen Saal des Regierungsgebäudes in Liestal Platz. Die bz nimmt diesen Umbruch zum Anlass, um einerseits nochmals alle am 8. Februar Gewählten in der Übersicht zu zeigen (siehe Seite rechts). Andererseits stellen wir fünf neue Landräte verschiedener Fraktionen vor, von denen wir glauben, dass sie im Parlament etwas bewegen werden.

Die Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Absichtlich aussen vor bleiben Neulinge, die bereits Wortführer ihrer Partei sind, wie etwa die Kantonalpartei-Präsidenten Christine Frey (FDP) und Marc Scherrer (CVP).

Martin Karrer (SVP, Pfeffingen)

  • Jahrgang 1967
  • Kommandant Feuerwehr Klus
  • Kommissionen: Justiz und Sicherheit

«Die Leute wissen, was sie an mir haben», sagt Martin Karrer. Der Leiter einer Profifeuerwehr bezeichnet sich eher als Praktiker denn als Theoretiker. In der Justiz- und Sicherheitskommission, seiner Wunschkommission, möchte er zum Beispiel vor allem darauf achten, dass «Gesetze möglichst einfach formuliert sind, sodass sie der normale Bürger versteht». Thematisch liegt ihm die «grösstmögliche Sicherheit» am Herzen. «Der Kampf gegen den Terror muss auch Baselland beschäftigen», sagt er. Überhaupt sei die Polizei am Anschlag, es brauche mehr Mittel, denn Sicherheit bedeute Lebensqualität. Dass er Teil der stärksten Fraktion sein wird, begrüsst Karrer, warnt aber auch: «Diese Macht sollten wir nicht strapazieren.» Er möchte Sachpolitik auch über die Parteigrenzen hinaus betreiben: «Wenn von Links eine gute Idee kommt, sollten wir nicht stur sein.» Daher geht er davon aus, dass die 28 SVP-Landräte keineswegs immer gleich stimmen werden. Selber gibt sich Karrer ein halbes Jahr, um sich einzuarbeiten. «Noch bin ich ein Nobody, aber ich wurde nicht gewählt, um vier Jahre bloss dazusitzen.»

Linard Candreia (SP, Laufen)

  • Jahrgang 1957
  • Lehrer Progymi Laufental-Thierstein
  • Kommissionen: Geschäftsprüfung

Der breite Bündner Dialekt täuscht. Linard Candreia ist längst ein richtiger Laufentaler – und ein Gemeindepolitiker. Das Amt als Laufner Stadtrat hat er zwar abgegeben, doch ist für ihn klar: «Die Gemeinden sind der Rückgrat des Kantons.» Auch ist er überzeugt, dass ihm seine Exekutiverfahrung im Landrat helfen wird, da er bereits Kontakt zur Regierung und kantonalen Verwaltung hatte. Dass die SP ohne Regierungsrat dasteht, sieht Candreia auch als Chance: «So können wir freier und frecher sein.» Dennoch betont er, nicht in blinden Aktivismus verfallen, sondern konstruktiv Opposition betreiben zu wollen. Der Seklehrer, der in seiner Freizeit romanisch-deutsche Bücher schreibt, rechnet mit einem Pensum von 20 Prozent, das er für den Landrat aufwenden wird. «Das braucht es, wenn man etwas bewirken will.» Zugute käme ihm, dass er «ein relativ effizienter Typ» sei, der es verstehe, Prioritäten zu setzen. Die GPK sei seine Wunschkommission: «Da erhält man Einsicht in die Regierung und Verwaltung und ist topinformiert. Das ist spannend.» Von GPK-Präsident Hanspeter Weibel (SVP) werde er sich nicht dominieren lassen: «Der macht mir keine Angst.»

Saskia Schenker (FDP, Itingen)

  • Jahrgang 1979
  • Leiterin Polit-Team Wirtschaftskammer Baselland
  • Kommissionen: Finanzen, Bau und Planung

Saskia Schenker hat vor allem eines: Lust auf den Landrat. «Ich freue mich sehr, mitreden zu können. Eine Hinterbänklerin will ich sicher nicht sein.» Dazu ist sie auch bereit, einen Teil ihrer Freizeit zu opfern, denn Schenker arbeitet weiter zu 100 Prozent bei der Wirtschaftskammer Baselland. Damit ist sie in bester Gesellschaft, denn mit Christoph Buser (FDP) und Markus Meier (SVP) sitzen bereits zwei Vertreter der Wirtschaftskammer im Rat. Von einem Klumpenrisiko möchte sie aber nichts wissen: «Ich finde es wichtig, mehr wirtschaftsnahe Leute im Landrat zu haben.» Mit der Finanz- sowie der Bau- und Planungskommission besetzt sie bereits zwei Schlüsselkommissionen. Hier könne sie viel lernen, aber auch viel bewirken. «Bei den Finanzen will ich mehr Handlungsspielraum für Gemeinden und Kanton, also weniger fixe Kostenblöcke.» Wenig überraschend kommen für die Freisinnige Steuererhöhungen nicht infrage. Dass der Block von SVP und FDP die Hälfte aller Sitze belegt, freut Schenker zwar. Doch sie argumentiert ähnlich wie Martin Karrer: «Dadurch haben wir auch eine grosse Verantwortung.»

Pascal Ryf (CVP, Oberwil)

  • Jahrgang 1979
  • Schulleiter Primarschule Allschwil
  • Kommissionen: Justiz und Sicherheit, Personal (Vizepräsident)

Den Vorwurf des Interessenkonfliktes bei Bildungsthemen muss sich Sekundarlehrer Pascal Ryf dank eines Stellenwechsels nicht aussetzen. Als neuer Schulleiter in Allschwil kann er sein Know-how als Ersatzmitglied der Bildungskommission viel freier einbringen. «Ich mache mich für die Schulen stark», sagt er. Sein Pensum habe er reduziert. «Ich will im Landrat schliesslich aktiv mitgestalten.» Sich im Hintergrund zu halten, dürfte für Ryf schwierig werden, wurde ihm doch bereits mit der Personalkommission ein Vizepräsidium zugeteilt. «Vor dieser Aufgabe habe ich sicher Respekt», sagt der Mittdreissiger. Ein Grünschnabel ist er freilich nicht. Innerhalb der CVP gilt er als grosses Talent. Und an Selbstbewusstsein mangelt es ihm auch nicht: «Ich kann mich gut vernetzen, habe bereits Kontakte von links bis rechts.» Wie die vier anderen Hoffnungsträger setzt auch er auf «konstruktiven Dialog statt Parteipolitik». Innerhalb der CVP vertritt er bürgerliche Positionen. Einsetzen möchte sich Ryf wie Karrer für die Verbesserung der Sicherheit im öffentlichen Raum. Ausserdem kämpft er gegen zu viel Bürokratie. Etwas erstaunt beim Oberwiler nicht: «Das Leimental liegt mir besonders am Herzen.»

Andrea Heger (EVP, Hölstein)

  • Jahrgang 1974
  • Primarlehrerin Hölstein
  • Kommissionen: Geschäftsprüfung, Personal

Andrea Heger unterscheidet sich in einem Punkt von den anderen vier vorgestellten Neo-Landräten: Sie kandidiert im Herbst mit dem Nationalrat bereits für das nächste Amt. Nimmt sie den Wähler nicht ernst? «Ich bin mir bewusst, dass der falsche Eindruck entstehen kann», sagt sie. Sie hätte die Anfrage ihrer Partei auch erst ausgeschlagen. Viel Auswahl hätte die EVP als kleine Partei aber nicht. Und Heger ist bei den Evangelischen eine Nachwuchshoffnung, die im Wahlkampf Erfahrungen sammeln könne. Wahlchancen hat sie tatsächlich keine. Ganz anders im Landrat: Durch eine Sitzverschiebung zwischen den Wahlkreisen verdrängte Heger Martin Geiser aus Gelterkinden. «Es dauerte lange, bis ich mich über meine Wahl freuen konnte.» Nun sei es eine «grosse Aufgabe», als einzige EVP-Vertreterin des Oberbaselbiets zu amten. Die zweifache Mutter senkt deshalb ihr Lehrer-Pensum auf rund 25 Prozent. Eigentlich wollte sie in die Bildungskommission, nun ist sie dort immerhin Ersatz. Schwerpunkte setzen möchte Heger denn auch in der Bildungs- und Jugendpolitik, aber auch bei Umwelt- und Energiethemen.