Feuerwehr
Diese Probleme müssen die Feuerwehren in der Region lösen

Dominik Straumann präsidiert den Feuerwehrverband beider Basel (FVBB) seit einem Jahr. Der bz sagt er, wie es um die Feuerwehr in der Region steht. Obwohl diese generell ein gutes Image hat, gibt es auch ungelöste Probleme.

Thomas Immoos
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Auch die Basler Berufsfeuerwehr – hier beim Ausrücken – gehört zum Verband.Kenneth Nars/Archiv

Auch die Basler Berufsfeuerwehr – hier beim Ausrücken – gehört zum Verband.Kenneth Nars/Archiv

Kenneth Nars

Herr Straumann, was hat sich in diesem Jahr im Feuerwehrverband beider Basel getan?

Dominik Straumann: Als ich angetreten bin, wollte ich nicht gleich das Ganze auf den Kopf stellen. Ich wollte erst in den Vorstand kommen und schauen, wie der Verband funktioniert, wie Mitglieder und die einzelnen Organisationen aufgestellt sind.

Und: Wie sind sie aufgestellt?

Ich habe feststellen können, dass der Feuerwehrverband einen starken Vorstand hat und hohe Anerkennung geniesst. Wir sind stolz, dass wir mit dem Mandat der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung in der Ausbildung betraut sind und somit einen grossen Beitrag leisten für den täglichen Feuerwehreinsatz. Die einzelnen Mitglieder sind aktiv und mit Leib und Seele bei der Feuerwehr.

In den vergangenen Jahren kam es zu einigen Zusammenschlüssen. In kleineren Gemeinden befürchtete man ein Ausbluten bei der Rekrutierung. Was machen Sie dagegen?

Was die Rekrutierungsprobleme angeht, so liegt das kaum an den Fusionen. Das hat andere Gründe.

Welche?

Viele junge Menschen, die gerne Feuerwehrdienst leisten würden, arbeiten nicht mehr an ihrem Wohnort. Das erschwert nicht nur die Rekrutierung, sondern auch die Kernaufgabe der Feuerwehr im Dorf. Deshalb sind regionale Feuerwehrverbünde und Stützpunktfeuerwehren so wichtig.

Nie gefehlt: «Adrian Ballmer wurde verabschiedet»

Die Delegiertenversammlung des Feuerwehrverbandes beider Basel in Lupsingen war geprägt von der Beratung des neuen Feuerwehrgesetzes, welches der Landrat einstimmig genehmigt hat. Die Feuerwehren beider Basel seien gut aufgestellt, zeigt sich Verbandspräsident Dominik Straumann überzeugt. Als Nächstes will der Verband seine Organisationsstruktur überdenken. An der Delegiertenversammlung wurde Regierungsrat Adrian Ballmer verabschiedet, der während seiner 13-jährigen Regierungstätigkeit keine DV der Feuerwehr verpasst hatte, wie Straumann anerkennend hervorhob. Erstmals dabei war Ballmers Basler Amtskollege Baschi Dürr. Basel ist nächstes Jahr Gastgeber der Delegierten des Feuerwehrverbandes. (tim)

Trotzdem geht die Zahl an Feuerwehrleuten zurück.

Die Anzahl der Feuerwehrleute darf aufgrund von Strukturänderungen durchaus zurückgehen. Wir haben aber trotzdem verschiedene Massnahmen getroffen. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass es nicht in erster Linie die Aufgabe des Feuerwehrverbandes ist, das Personalproblem zu lösen und für genügend Nachwuchs zu sorgen. Das ist in erster Linie Sache der Gemeinden. Die Gemeinden sind deshalb ebenfalls gefordert, attraktive Bedingungen vor Ort zu schaffen, damit junge Leute gerne in die Feuerwehr eintreten; auf diese Weise kann die Gemeinde ihre Aufgabe wahrnehmen. Wichtig ist auch, dass ihre eigenen Mitarbeiter wieder vermehrt im Feuerwehrdienst aktiv sind.

Genügt denn das?

Es ist sicher gut, wenn sich die Gemeinden dessen bewusst sind. Wir als Verband führen in diesem Jahr einen Workshop zum Thema Rekrutierung durch. Wir hoffen, dass viele Mitglieder und Feuerwehren daran teilnehmen werden. Zudem wollen wir in diesem Jahr verschiedene Verbände und Organisationen zu einem runden Tisch einladen, wo es unter anderem um die Rekrutierung, die Freistellung der Feuerwehrleute für Ernstfälle und Übungen sowie um die Qualitäten eines Feuerwehrmannes geht.

Fehlt es an der Wertschätzung des Feuerwehrdienstes?

Im Allgemeinen sind Feuerwehrleute bei der Bevölkerung hoch angesehen. Aber wir dürfen und müssen auch über die Qualitäten, die die Ausbildung zu einem Feuerwehrmann mit sich bringen, und die Qualitäten, die ein Feuerwehrangehöriger hat, reden und Werbung für die Feuerwehr machen.

Wie lässt sich die Situation für die Feuerwehren verbessern?

Wir wollen vermehrt darauf hinweisen, dass die Feuerwehrleute über breite Kenntnisse und besondere Fähigkeiten – etwa Führungserfahrung – verfügen. Auch haben sie die Fähigkeit, in brenzligen Situationen kühlen Kopf zu bewahren. Solche Fähigkeiten sind auch in einem Unternehmen nützlich. Deshalb sind wir auch stolz, dass die Ausbildung Eduqua-zertifiziert ist. So haben wir im Rahmen des Projektes «Cambiale», mit dem im Jahr 2011 begonnen wurde, die gesamte Feuerwehr-Ausbildung neu ausgerichtet. Damit verbunden ist auch die Erlangung des genannten Zertifikats.

Im Februar 2012 hat der Landrat, dem Sie als SVP-Fraktionschef ebenfalls angehören, das neue Feuerwehrgesetz mit 77:0 Stimmen gut geheissen. Das zeugt doch von grosser Wertschätzung der Feuerwehr auch in der Politik.

Wir können uns in der Tat über mangelnde Unterstützung im Landrat nicht beklagen. Der Feuerwehrverband hat alle seine Anliegen und Anträge eingebracht und grossmehrheitlich durchgebracht. Das Gesetz ist eine gute Grundlage für unsere Tätigkeit. Nun wird die Verordnung ausgearbeitet. Hierzu haben wir vom Verband her aber nichts mehr zu sagen. Deshalb verweisen wir die einzelnen Feuerwehren an die zuständigen Gemeinden, die Verordnung genau zu studieren und sich allenfalls in der Vernehmlassung dazu zu äussern.

In Ihrem Jahresbericht haben Sie darauf hingewiesen, dass Sie auch daran gehen wollen, die Strukturen zu überarbeiten. Wo liegen die Probleme?

Von Problemen würde ich nicht reden. Es hat sich aber gezeigt, dass zum Beispiel die Aufgaben und Verantwortlichkeiten in den sieben Ressorts ungleich verteilt sind. Wir wollen die Aufgaben gleichmässiger auf mehr Schultern verteilen. Eventuell werden wir die Ressorts neu aufteilen und/oder den Vorstand vergrössern. Aber ich will hier nicht vorgreifen, da dies ja umfassend beraten werden soll. Vielleicht kommen wir auch zum Schluss, dass die jetzige Struktur die effizienteste und zielführendste ist.