Baselworld
Diesen Uhren kann sogar Sprengstoff nichts anhaben

Die Baselbieter Uhrenfirma Montres Charmex produziert Uhren, die hart im Nehmen sind: Sie funktionieren auch 6000 Meter unter Wasser oder nach einem Fall aus 1500 Metern. Die Firma kämpft dafür, dass ihre Marke «Swiss Military» geschützt wird.

Daniel Haller
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98 Prozent der Charmex-Uhren aus Liestal werden im Ausland verkauft.

98 Prozent der Charmex-Uhren aus Liestal werden im Ausland verkauft.

Kenneth Nars

«2009 haben wir Rolex den Tiefenrekord abgejagt», berichtet Frank M. Bürgin, CEO von Montres Charmex in Liestal. Er beschiesst die Taucheruhr «20 000 Feet» seiner Marke «CX Swiss Military Watch» mit Schrotflinten, malträtiert sie in einer Sissacher Grube mit 150 Gramm Sprengstoff, lässt sie aus 1500 Metern abstürzen und 6000 Meter - 20 000 Fuss - tief im Pazifik versenken. Sein Stolz: Sie läuft auch nach solchen Tests.

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Mit Blick auf die weltgrösste Uhrenmesse Baselworld stellt die bz Uhrenfirmen aus der Nordwestschweiz vor.

Weniger Freude bereitet ihm das Bundesamt für geistiges Eigentum: Die Marke «Swiss Army» könne man schützen, entschied dieses, die Marke «Swiss Military» hingegen noch nicht. Deswegen gibt es eine Reihe von Konkurrenten, die Uhren unter dieser Bezeichnung anbieten bis hin zu einer asiatischen Firma, die in einem Shop im Flughafen Zürich T-Shirts, Taschen und Uhren als «Swiss Military« anbiete, die alle in Indien hergestellt sind.

Marken-Chaos beim Bund

«Souvenir-Ührli, welche die Erwartung an ein Produkt in Armee-Qualität nicht erfüllen und beim Duschen Kondenswasser ziehen», urteilt Bürgin über diese Markenkonkurrenz. Er hat Armasuisse vor drei Jahren angeboten, dem Bund seine Military-Markenrechte für 1 Franken zu überlassen unter der Bedingung, dass Charmex die Marke anschliessend in Lizenz bekäme und dass sie geschützt würde: «Die Marke Swiss Military dürfte nur noch für Artikel vergeben werden, die aufgrund ihrer Qualität auch wirklich in der Armee zum Einsatz kommen könnten.»

Bisher habe er kein Echo aus dem VBS erhalten, berichtet Bürgin. Er steht deswegen mit Thomas Minder in Kontakt und hofft, dass dessen Vorstoss im Ständerat helfe, «den Augiasstall auszumisten». Entsprechend ist Bürgin einverstanden mit der umstrittenen Verschärfung der Swissmade-Kriterien für Uhren - allerdings nur mit einer Übergangsfrist, damit neue Zulieferer entstehen. «Sonst besteht die Gefahr, dass man in den erlaubten Auslandsanteil noch mehr Billig-Komponenten aus Fernost einbaut, weil es in der Schweiz dafür keine oder zu wenig unabhängige Hersteller gibt.»

Fast ausschliesslich Export

Bürgins Swiss-Military-Uhren sind bei den Uno-Truppen und den Eulex-Einheiten im Kosovo im Einsatz, er liefert sie ans Sondereinsatzkomando in Köln und hat einen Staatsauftrag aus Singapur an Land gezogen, wo Armee, Luftwaffe und Marine damit ausgerüstet werden. Doch sein Hauptmarkt sind Privatkunden in Russland, dem Mittleren Osten und den USA.

Zwei Drittel des Umsatzes macht die Firma, die 1926 von seinem Grossvater in Bubendorf gegründet wurde, unter der Marke «Charmex of Switzerland». Während bei den Militäruhren die Funktionalität im Vordergrund steht, beschreibt Bürgin die Charmex-Uhren als «klassisch edel». Ihr Zielmarkt liegt vor allem in Russland und im Nahen Osten.

98 Prozent der im Tessin hergestellten Uhren werden exportiert. «Durch die Dominanz der grossen Marken haben es kleine Hersteller auf dem Schweizer Markt sehr schwer», erklärt Bürgin. Deshalb sei im Ausland der Return on Investment viel grösser. Er ist aber überzeugt, dass auch Schweizer Kunden mit Uhren kleiner Hersteller gut fahren: «Da bekommen sie weniger Marken-Prestige, aber mehr Technik fürs Geld.» Bei Charmex liege der Ladenpreis etwa beim Vierfachen der Produktionskosten. Bei Renommier-Marken mit entsprechendem Werbebudget könne dies bis zum Faktor Zehn gehen.

Baselworld-Stand nur gemietet

Entsprechend bescheiden gibt sich Charmex an der Baselworld. Auf mehrstöckige Bauten verzichtet Bürgin: «Als Familienunternehmen ist es unser Geld, das wir ausgeben.» Produktions- und Umsatzzahlen behält er für sich, die Firma wachse jährlich rund 10 Prozent. Entsprechend hat Charmex dieses Jahr nur einen Baselworld-Stand gemietet, statt einen bauen zu lassen: Dank des Wachstums hofft Bürgin nächstes Jahr auf einen grösseren Platz an der Messe. Selbst wenn in Asien und im Mittleren Osten Nordkorea, der Iran oder die Vogelgrippe für kurzfristige Umsatzdellen sorgen könnten, zeigt sich Bürgin «absolut optimistisch». Der schwache Euro betreffe Charmex höchstens indirekt, da man im Euroraum nicht tätig sei: «Und der starke Franken hat auf Schweizer Uhren keinen Einfluss, da Swissmade das Hauptkriterium für den Kaufentscheid ist.»