Hunde-Ombudsmann
Dieser Mann nimmt sich säumige Hundehalter zur Brust

Für Hunde-Streitfragen zählt die Gemeinde Seltisberg auf die Dienste von Martin Stöcklin. Die treuen Vierbeiner sind für ihn mehr als nur eine Herzensangelegenheit.

Simon Eglin
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Sucht man den Begriff Hunde-Ombudsmann im Internet, stösst man nur auf eine Handvoll von Einträgen. Einer weist nach Seltisberg, wo Martin Stöcklin dieses Amt seit über zehn Jahren ausübt. «Mitte der 90er-Jahre wurde den Gemeinden die Aufgabe übertragen, Hundereglemente zu erstellen. Ich habe mich spontan gemeldet», sagt Stöcklin, der bereits seit 37 Jahren in Seltisberg zu Hause ist. Die treuen Vierbeiner sind für ihn mehr als nur eine Herzensangelegenheit. «Hunde gehören zu meinem Leben einfach dazu», sagt der Rentner, der im regionalen Hundesport sehr gut vernetzt ist und dem Vorstand des Schäferhundeclubs Liestal angehört.

Die Gemeinde Seltisberg nahm indes nicht nur Stöcklins Ratschläge dankend entgegen, sondern fragte postwendend an, ob er fortan als Sachverständiger für Streitigkeiten bezüglich Hunden amten möchte. So wurde Martin Stöcklin zum wohl einzigen Hundeombudsman im Kanton.

Kontrolle der Leinenpflicht

Seitdem setzt er sich dort ein, wo Reklamationen rund um die «besten Freunde des Menschen» auftauchen. So etwa, wenn sich Hunde im nachbarlichen Garten aufhalten oder Hundekot nicht von der Strasse oder von Grundstücken entfernt wird. Stöcklin sucht in diesen Fällen jeweils das Gespräch mit den säumigen Hundehaltern sowie mit den Leuten, die sich beschweren. So können sich diese in den meisten Fällen gütlich einigen. Dem Rentner kommt dabei zugute, dass er in der Gemeinde stark verwurzelt ist. «Ich kenne die Leute, und die Leute kennen mich», so Stöcklin.

Im letzten Jahr wurde während der Trag- und Setzzeit der Rehe, vom April bis Juli, neu eine generelle Leinenpflicht eingeführt. Auch hier kam die Gemeinde Seltisberg auf die Dienste von Martin Stöcklin zurück und beauftragte ihn mit der Kontrolle der Einhaltung dieser neuen Regelung. Die rund zweistündigen Kontrollgänge führte er selbstredend meistens zusammen mit seinem Schäferhundweibchen Gina durch.

Jäger freuen sich

Wie das Seltisberger Gemeindeblatt informierte, haben sich 180 von 185 Hundehaltern an das Gesetz gehalten. Fünf mussten demnach an die Pflicht gemahnt werden. Bussen wurden keine ausgesprochen. Die Frage, ob sich das Verhältnis zwischen ihm und anderen Hundehaltern seit seiner offiziellen Funktion geändert habe, bejaht Stöcklin: «Aber nur im positiven Sinn. Die Kontakte zu anderen Hundehaltern wurden vertieft und auch die Jäger freuen sich über die Kontrolltätigkeit.» Stöcklin hat in den letzten Jahren beobachtet, dass die Leute generell empfindlicher geworden sind, was die Beeinflussung durch fremde Haustiere betrifft. Auf der anderen Seite seien aber auch Hundehalter sensibler geworden und wachten strenger über ihre Vierbeiner als früher.

Aufgrund der positiven Erfahrungen informierte die Gemeinde Seltisberg ihre Einwohner, dass auch in Zukunft Kontrollgänge zur Einhaltung der Leinenpflicht geplant seien.