Liestal
Dieser ungewöhnliche Apotheker verrät uns seine Erfolgsrezepte

Dominik Saner hat in der Region in wenigen Jahren mehrere Filialen aufgebaut. Ein Grund für den Erfolg: In Saners Familie hat «Natürlich und Gesund» Tradition.

Hans-Martin Jermann
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Dominik Saner: Der Baselbieter Apotheken-König

Dominik Saner: Der Baselbieter Apotheken-König

Kenneth Nars
Dominik Saner hat in Liestal bereits wieder eine Filiale seiner Apotheken eröffnet.

Dominik Saner hat in Liestal bereits wieder eine Filiale seiner Apotheken eröffnet.

Kenneth Nars

Dominik Saner reitet auf der Erfolgswelle: Vor kurzem haben seine Saner Apotheken im Liestaler Stedtli den vierten Standort eröffnet, nach Arlesheim, Dornach und der Basler Markthalle. Im Oktober kommt eine weitere Filiale in Olten hinzu. Saner hat innerhalb eines guten Jahrzehnts in der Region ein kleines Apotheken-Imperium mit 60 Mitarbeitenden aufgebaut. Der zurückhaltende und bedächtig argumentierende Naturarzt und Apotheker hört das nicht gerne. Er ist keiner jener Business-Menschen, die in jedem zweiten Satz PR in eigener Sache betreiben. Ein Imperator will er erst recht nicht sein.

Deutsche und Franzosen staunen

Doch Tatsache bleibt: Die Saner Apotheken sind eine Erfolgsgeschichte, und das in einer Branche, die sich mitten in einem Strukturwandel befindet. Sinkende Margen, Medikamentenkäufe im Ausland und der Versandhandel haben viele Apotheken und noch mehr Drogerien in Bedrängnis gebracht. Weshalb floriert dann Saner? Ein Grund liegt darin, dass er die klassische Schulmedizin mit der Komplementärmedizin kombiniert. Einige Heilmittel werden in den Apotheken selber hergestellt.

Saner hat alle auf dem Markt gängigen Medikamente im Angebot, doch seine erste Frage an die Kunden lautet stets: «Legen Sie Wert auf etwas Natürliches?» Saner verkauft zur Hälfte pflanzliche und natürliche Heilmittel – anthroposophische, homöopathische und solche aus der Chinesischen Medizin. Dieser Anteil ist im Vergleich zu anderen Apotheken sehr hoch. Das riesige komplementärmedizinische Angebot versetzt Kunden aus Frankreich oder Deutschland in Verzücken – ein solches Apotheken-Konzept gibt es dort selbst in Grossstädten kaum.

Matthias Liechti kennt Dominik Saner seit vielen Jahren. Er führt im Reinacher Dorfkern eine Apotheke, die hauptsächlich in der Schulmedizin zu Hause ist – er verfolgt also einen anderen Weg als Saner. Dennoch sagt Liechti anerkennend: «Dominik Saner kann mit seinem ganzheitlichen Angebot auch jene Kunden begleiten, die Alternativmedizin suchen.» Offensichtlich spreche er damit eine Klientel an, die ihm sehr treu sei, sagt Liechti.

Dominik Saner hat vom Mega-Trend «Natürlich und Gesund» profitiert. Zupass kommt ihm zudem das zunehmende Bedürfnis nach Individualität. Saner vergleicht seine Apotheken mit einem Restaurant, das Hamburger-Kreationen aus biologischen und natürlichen Zutaten anbietet. «Wer hätte vor 15 Jahren gedacht, dass sich so etwas Simples wie ein Hamburger für 15 bis 20 Franken verkaufen lässt?». Demgegenüber hätten Ketten à la McDonald’s mit ihren uniformen Angeboten stark an Attraktivität eingebüsst, findet der Aescher.

Grossvater legte den Grundstein

Die Erfolgsstory ist nur zu einem Teil Saners feinem Gespür für Trends zu verdanken. Wichtiger ist wohl: Der Weg, den er mit der Apotheke geht, ist in seiner Biografie und Familiengeschichte angelegt. Die Basis legte Saners Grossvater Ernst, der 1935 im Laufner Stedtli eine Apotheke gründete. Er genoss weitherum den Ruf als origineller und unkonventioneller Apotheker, der in seiner leicht altmodischen Offizin mit den vielen Holz-Schubladen an naturheilkundlichen Rezepten tüftelte. «I gang zum Saner» wurde im Laufental zum geflügelten Wort, wenn jemand bei Krankheit etwas Spezielles benötigte. Übrigens: Der Familienname könnte für eine Apotheke nicht passender sein: Das lateinische Wort «san-er» bedeutet so viel wie «ich soll geheilt werden».

Dominik Saner wuchs in Basel auf, kam aber bereits als Kind mit der Arbeits- und Lebenswelt seines Grossvaters in Laufen in Berührung. Von ihm «erbte» er das Querdenkertum und eine Lebensphilosophie, in welcher die Natur im Zentrum steht. Saner ernährt sich «so vegetarisch und biologisch wie möglich» und versucht, einen nachhaltigen Lebensstil zu pflegen. Pragmatismus ist ihm dabei wichtig. Sowohl im persönlichen Leben als auch in seinen Apotheken hat es Platz für unterschiedliche Ideen und Konzepte. Über den ideologischen Streit zwischen klassischer Schul- und alternativer Medizin schüttelt er den Kopf: «Das ist ein Experten-Streit, der die Konsumenten wenig interessiert: Sie wollen in erster Linie ein wirksames und zunehmend natürliches Arzneimittel mit möglichst wenig Nebenwirkungen und Spätfolgen.»

Nach der Maturität am Humanistischen Gymnasium in Basel studierte Saner Pharmazie, war aber nach eigenen Angaben ein «unglücklicher Student», weil die Lehre sehr einseitig auf die klassische Medizin ausgerichtet gewesen sei. Also bildete er sich nach dem Studium in Homöopathie und Naturheilkunde weiter. 1997 legte er in Baselland die Naturärzteprüfung ab.

Pionier in der Markthalle

Vier Jahre zuvor hatte er im Laufner Stedtli die Apotheke seines Grossvaters übernommen und modernisiert, der selber bis ins Alter von 89 Jahren gearbeitet hatte. Die Saners übersprangen damit eine Generation: Dominiks Vater hatte zwar selber auch Pharmazie studiert, arbeitete aber jahrzehntelang bei Roche in der Grundlagenforschung – also im Bereich der klassischen Schulmedizin. Aufschlussreich für das Verständnis von Saners Geschäftsphilosophie: Er beteiligte sich 2006 an der anthroposophisch ausgerichteten Birseck Apotheke in Arlesheim. Wenige Jahre später gab er die Apotheke Laufen auf, also ausgerechnet jenen Standort, der am Anfang des Erfolgs steht. «Manchmal muss man etwas loslassen, damit neue Möglichkeiten entstehen», sagt er.

Saner ist kein Traditionalist, sondern gibt glaubhaft den modernen Typen, der Neuem gegenüber betont offen begegnet. In seinen Apotheken herrschten flache Hierarchien, und die Autonomie der einzelnen Standorte sei hoch, sagt Saner. Der Mittfünfziger kleidet sich modisch, im Liestaler Stedtli sieht man ihn in hippen «New Balance»-Sneakers und mit «Freitag»-Umhängetasche. Saner ist auch das Risiko eingegangen, mit einem wichtigen Entscheid zu scheitern: 2012 unterzeichnete er den Vertrag in der neuen Basler Markthalle – als einer der ersten Mieter notabene. Diese ist eine Erfolgsgeschichte, doch das war damals alles andere als gewiss. Zu Beginn war die Markthalle entgegen ihres Namens eine kommerzielle Einöde, es kursierten bereits Witze über den «meditativsten Ort der Stadt».
«Habe keinen Fünfjahresplan»

Tempi passati. Die Saner-Filiale in der Markthalle ist mittlerweile ein wichtiges Standbein. «Wer die Welt verändern will, der muss hin und wieder etwas unvernünftig sein», findet er. Und wie gehts weiter? Eine weitere Filiale in der Region könnte das Netz sinnvoll ergänzen. Doch wolle das Unternehmen nicht «wachsen um des Wachstums willen.» Als nächstes Projekt möchte Saner den «Umgang mit der digitalen Welt klären», wie er sagt. Wie können die Apotheken moderne Technologien für eine kundennahe und individuelle Versorgung der Kunden einsetzen?

Unterstützt wird Saner dabei sowie bei der Geschäftsführung von seinem Sohn, dem bekannten ehemaligen Degenfechter Florian Staub. Bei den Saner Apotheken steht die vierte Generation also bereits in den Startlöchern. Das freut Saner. Dennoch mag er sich über die Zukunft des Unternehmens nicht zu sehr den Kopf zerbrechen. «So etwas wie einen Fünfjahresplan gibt es bei uns nicht», stellt er klar. Einen für die nächsten zehn Jahre schon gar nicht.

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