Baselbiet
Dieses Jahr ernten Obstbauern bis zu 50 Prozent weniger Kirschen

Wegen Nässe und Kälte fällt Kirschenernte um die Hälfte geringer aus als sonst. Viele Bäume werden gar nicht geerntet. Trotz der geringen Erntemenge hoffen die Obstbauern aber auf qualitativ gute Ware.

Lucas Huber
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Kirschproduzenten begutachten in Arisdorf eine gepflegte Hochstamm-Anlage.Lucas Huber

Kirschproduzenten begutachten in Arisdorf eine gepflegte Hochstamm-Anlage.Lucas Huber

Viel war in jüngster Vergangenheit zu lesen über Landwirte, die Hochstammbäume nur mangelhaft pflegen. «Dies ist unser grösstes Problem», betont Hansueli Wirz, Präsident des Baselbieter Obstverbandes. Deshalb haben sich Baselbieter Hochstamm-Obstbauern zur Begutachtung der Lage hochstämmiger Kirsch-, Zwetschgen- und Apfelbäume in Arisdorf getroffen.

Auf den Streuobstwiesen von Beat Kaufmann war das Fazit schnell klar: «Der Behang ist nicht sonderlich gut», konstatierte Peter Ritter, Leiter der Arbeitsgruppe Hochstamm innerhalb des Baselbieter Obstverbandes, die zur Flurbegehung geladen hatte. Wegen Kälte und Nässe schätzt man den Ertrag auf nur 40 bis 50 Prozent. Eine Vielzahl an Bäumen wird deshalb gar nicht erst geerntet.

Gastgeber Kaufmann bewirtschaftet – allerdings mit intensivem Spritz- und Pflegeaufwand – rund 200 Hochstammbäume. Ihm sei ein kleinerer Ertrag lieber, wenn er dafür qualitativ hochwertige Früchte erhalte. «Und genauso ist es: In diesem Jahr gibt es zwar wenig Kirschen, dafür aber schöne. Eigentlich ist es doch das, was wir wollen.» Die Unterschiede unter den einzelnen Sorten seien aber frappant. Die Sorte Magda etwa, deren Ernte fast schon vorbei ist, sei zufriedenstellend, Hedelfinger und Schumacher allerdings werden praktisch keine Früchte liefern.

«Es ist so schade: Die Nachfrage wäre da, eigentlich ist sie so gross wie überhaupt noch nie, aber uns fehlt in diesem Jahr einfach die Menge», sagte Ritter. Er ist auch überzeugt, dass die Absatzpreise steigen werden, sobald die Früchte in den Handel kommen, «nur nutzt uns das heuer wenig.» Verbandspräsident Wirz relativiert, dass «wenn gut geerntet wird, zumindest eine mittelgute Ernte» rausspringt.

Nicht ohne meinen Gurt

Die Arbeitsgruppe Hochstamm existiert seit zwei Jahren und besteht aus zwei Bäuerinnen und vier Bauern. Sie setzt sich für die Pflege und den Erhalt von Hochstammbäumen ein. Ins Zentrum rückt sie dafür den Absatz, «denn der Erhalt der Bäume geht nur über die Wirtschaftlichkeit», so Ritter. Die Wirtschaftlichkeit hänge stark von der Pflege ab. «Wer sich alleine auf Direktzahlungen verlässt, pflegt die Bäume nicht genügend.»

Doch Hochstämme sind nicht nur aufwendiger in der Ernte als Niederstämmer, sie sind auch gefährlicher. Peter Ritter spricht von einer besorgniserregenden Zahl an Unfällen. In die Kantonsspitäler Baselland wurde in dieser Saison allerdings noch kein Notfall eingewiesen. Aber die Saison hat auch erst gerade begonnen. Bei Beat Kaufmann etwa erntet keiner ohne Sicherheitsgurt. «Wir hatten gottlob noch nie einen Unfall. Es ist reine Gewohnheit, und wir haben sogar schon 60-Jährige umgepolt.»

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