Sissach
Döffligang Sissech: ««Wir waren die erste Töffligang in der Schweiz»

Die Döffligang Sissech behauptet von sich, den Töffliboom in der Schweiz ausgelöst zu haben.

Philipp Felber
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So wie es sich für eine Gang gehört, hat jeder in der «Döffligang Sissech» eine Jeanskutte.
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«Wir waren die erste Töffligang in der Schweiz.» Roger Schaub, Mitglied der «Döffligang Sissech»
Döffligang Sissach

So wie es sich für eine Gang gehört, hat jeder in der «Döffligang Sissech» eine Jeanskutte.

Philipp Felber

Die Jeanskutte ist abgegriffen, riecht streng und franst an den Rändern aus. Auf dem Textil prangen unzählige angenähte Sticker. Was die Kutte noch zusammenhält — Jeansstoff oder Sticker — ist unklar. In der Kutte: Ein Bär von einem Mann, ein schwarzer Töffhelm unter dem Arm. «Wenn jemand Neues in die Gang will, muss er zuerst unten durch», sagt Roger Schaub. Das Gangsymbol ist ein Heiligtum: Erst wenn ein Neuer definitiv aufgenommen wird, darf er den Gang-Sticker auf seine Kutte nähen. Und: «Frauen haben bei uns nichts zu suchen», sagt Schaub. Und lacht donnernd los.

Es ist ein Spiel, das die Gang treibt. Ein Spiel mit den grossen Motorradclubs als Vorbild. Doch immer mit einem Augenzwinkern, oder gar mit zwei. Denn Schaub ist Gründungsmitglied der Döffligang Sissech, wie sie sich selber nennen. Seit zehn Jahren treffen sich rund 20 Männer und fahren mit ihren Sachs, Puchs, Cilos und wie sie alle heissen durchs Baselbiet. Und manchmal noch viel weiter.

22 Jahre alt muss sein, wer mitmachen will. Da sind sie streng. Wobei dann doch nicht immer. Zuerst habe die Grenze bei 25 gelegen. «Doch dann kam einer und sagte, er sei erst 22 und würde trotzdem gerne mitmachen. Den haben wir natürlich aufgenommen», sagt Schaub. Einstimmig muss das Votum der Gang aber sein – anders gelangt man nicht in den erlauchten Kreis. Und wer ein Piaggio Ciao fährt, kanns auch gleich vergessen. Ein wenig bärbeissig ist man dann schon, aber nicht zu fest. Schliesslich gehts um Töffli, oder eben Döffli. Was nicht heisst, dass die Gang ihre Leidenschaft nicht ernst nehmen würde. Ein, zwei Mal im Monat gehts auf Tour. Dazu kommt einmal jährlich eine dreitägige Reise. Roger Schaub ist der Älteste in der Gang. Der Schnitt liege bei 40 Jahren, so seine Schätzung. Ziemlich grosse Döfflibuebe also.

110 Kilometer am Wochenende

In diesem Jahr feiert die Gang ihr Jubiläum mit einer Vier-Tages-Tour ins Tessin. Ein Revival der ersten Reise. «Wir waren die erste Töffligang in der Schweiz», meint der 49-jährige Schaub. Wahrscheinlich habe man sogar den jüngsten Töffli-Boom in der Schweiz ausgelöst, zumindest ein wenig. Denn Töfflifahren erfreut sich wieder wachsender Beliebtheit. So sehr, dass auch Redbull auf den Trend aufgesprungen ist: Am Wochenende findet bereits die achte Ausgabe des Redbull-Alpenbrevets statt. 110 Kilometer durch die Zentralschweiz. Und mittendrin: Roger Schaub und seine Gang. Wie immer, sind sie doch seit der Premiere dabei. «Im Pulk zu fahren, macht noch viel mehr Spass», sagt Schaub. Es gehe um Entschleunigung, darum würden sie vor allem optisches Tuning betreiben. Schaub hat gegen 3000 Franken in sein Puch Sport X30 investiert. Die verchromten Originalteile gehen ins Geld.

Sein erstes Töffli steht noch immer bei ihm zu Hause. Doch er fährt nicht mehr damit. Zu schwer sei er, lacht Schaub. Und am Wochenende gehts über Pässe, da muss das Gefährt genug Power haben.