Dorfladen
Die «Chesi» ist den Rothenflühern ans Herz gewachsen

Für die Einrichtung des neuen Dorfladens in Rothenfluh benötigt die Genossenschaft 400'000 Franken. Diese stemmt einen Viertel davon selbst. Das Ziel ist bald erreicht.

Simon Tschopp
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Genossenschafts-Präsident Peter Wegmüller wirbt vor dem jetzigen Dorfladen für weitere Darlehen.

Genossenschafts-Präsident Peter Wegmüller wirbt vor dem jetzigen Dorfladen für weitere Darlehen.

Bild: Juri Junkov

Die «Chesi» in der 780-Seelen-Gemeinde Rothenfluh gehört zu den wenigen Dorfladen im Oberbaselbiet, die nicht ständig um ihre Existenz kämpfen müssen. Im Gegenteil: Sie hat in den vergangenen Jahren stets Gewinn abgeworfen. «Der ideale Zeitpunkt für den neuen Laden», sagt Peter Wegmüller, der Präsident der Genossenschaft Dorfladen Rothenfluh.

In Kombination mit Alterswohnungen

Ende des kommenden Jahres ist es so weit. Die «Chesi» wird von ihrem jetzigen Domizil in der Kernzone ein wenig nordostwärts zügeln – in einen Neubau mit sieben altersgerechten Wohnungen. Das Gebäude kommt in dem Hang zwischen Dübachweg und Wittnauerstrasse zu stehen. Bauherrin ist die Wohngenossenschaft Dübach, die dafür 4,3 Millionen Franken investiert. Schon vor drei Jahrzehnten stand ein Vorhaben mit Alterswohnungen in Rothenfluh zur Diskussion, wurde jedoch mangels genügend Interessenten nicht realisiert.

Der Laden wird im Sockelgeschoss untergebracht sein und im Rohbau übernommen. Für die Einrichtung wirft die Dorfladen-Genossenschaft 400'000 Franken auf. Laut Wegmüller konnte ein «vorteilhafter» Mietzins ausgehandelt werden.

Schon 350'000 Franken beisammen

Erstaunlicherweise fehlen bloss noch 53'000 Franken bis zum Ziel. Dank der erwirtschafteten Überschüsse der «Chesi» steuert deren Trägerschaft einen Viertel bei. Die bisher zugesicherten Darlehen von fast 250'000 Franken stammen vom einheimischen Gemeinnützigen Verein für Altersfragen, der 70'000 Franken gezeichnet hat und an der Wohngenossenschaft Dübach beteiligt ist, sowie von Privatpersonen aus Rothenfluh und dem Nachbarort Anwil.

«Ein paar Darlehen sind zinslos, mehrheitlich werden sie aber verzinst»,

erklärt Peter Wegmüller. Zu 0,55 Prozent; dieser Satz liegt ein halbes Prozent über dem Zins, den die Basellandschaftliche Kantonalbank derzeit auf Sparkonti vergütet.

«Es läuft gut, wir sind zuversichtlich»

Die Dorfladen-Genossenschaft will das restliche Geld mit Aufrufen im Gemeindeblatt und Schreiben an die Genossenschafter einbringen. «Es läuft gut, wir sind zuversichtlich», meint Wegmüller. Banken hätten sie erst gar nicht gefragt, da die Genossenschaft keinerlei Sicherheiten bieten könne.

Der neue Laden wird grosszügiger. Mit 135 Quadratmetern steht eine um 35 Prozent grössere Verkaufsfläche zur Verfügung. Das Angebot werde schon jetzt laufend ausgebaut, berichtet der Genossenschaftspräsident. Das Grundsortiment bezieht die «Chesi» von einem Grossverteiler. Dazu kommen 40 regionale Lieferanten mit ihren Produkten. Geplant ist, die Öffnungszeiten auszudehnen, was mehr Personal erfordert.

Mit Defiziten begonnen, nun regelmässig Gewinne

Die Trägerschaft des Dorfladens zählt gegen 170 Mitglieder – auch aus Anwil, wo vor eineinhalb Jahren der kleine Laden schliessen musste. 2008 wollte die Milchgenossenschaft Rothenfluh die «Chesi» in ihrer eigenen Liegenschaft aufgeben. Dagegen wehrten sich aber Leute aus der Bevölkerung. Das war die Geburtsstunde der Dorfladen-Genossenschaft. 150'000 Franken kamen damals an Kapital zusammen.

«Das half, denn in den ersten Jahren fuhren wir Defizite ein. Viele Faktoren haben dazu beigetragen, dass wir nun Gewinne erwirtschaften können»,

blickt Peter Wegmüller zurück.

Der Umsatz der «Chesi» steigt stetig. Im vergangenen Jahr – ein spezielles wegen des Corona-Lockdowns – betrug er 925'000 Franken; gut ein Zehntel mehr als 2019. Dass der Dorfladen derart floriert, ist primär damit zu erklären, dass viele Einwohnerinnen und Einwohner vor der eigenen Haustüre einkaufen. Und Wegmüller fügt an: «Wir haben gutes und freundliches Personal, das auf die Kunden eingeht.»