Dorfposse
Chilchacher in Tenniken: Eigentümerin beantragt Umzonung, Umfrage tendiert zu Grünfläche

Die Pfarrmatte spaltet die Geister. Die Stiftung Kirchengut Baselland will dort Wohnraum schaffen. Dagegen wehrt sich ein Grossteil der Dorfbevölkerung.

Simon Tschopp
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Konfliktzone Chilchacher: Pläne der Eigentümerin für eine Überbauung stossen auf grossen Widerstand.

Konfliktzone Chilchacher: Pläne der Eigentümerin für eine Überbauung stossen auf grossen Widerstand.

Roland Schmid
(16. Oktober 2018)

Was soll mit dem gut 11’000 Quadratmeter grossen Chilchacher in Tenniken geschehen? Die Grünlandbrache grenzt an das Ensemble mit Kirche, Pfarrhaus und Friedhof und befindet sich in der Zone für öffentliche Werke und Anlagen (OeWA); Besitzerin ist die Stiftung Kirchengut Baselland.

Nur 20 Prozent nahmen an Umfrage teil

Eine Umfrage in der Dorfbevölkerung hat nun ergeben, dass 63 Prozent der Teilnehmenden es gerne sähen, wenn die Gemeinde das Land erwirbt – zu einem Kaufpreis zwischen 400’000 und 700’000 Franken. Ein Viertel möchte, dass die Eigentumsverhältnisse beibehalten und das Grundstück in eine Landwirtschafts- oder Grünzone umgewandelt werden sollen, was Entschädigungsforderungen nach sich ziehen wird. Zwölf Prozent meinen tendenziell, auf einen Kauf zu verzichten und die Parzelle in eine Wohnzone zu überführen.

Mit dem Fragebogen erhielten die Haushalte auch das 26-seitige Gutachten von Espace Suisse, dem nationalen Verband für Raumplanung und Umweltfragen, das die Gemeinde in Auftrag gegeben hat.

Die Studie zeigt die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten des Chilchacher auf und rät von einer Überbauung ab.

Bloss 89 ausgefüllte Fragebogen der verteilten 450 Exemplare wurden bei der Gemeinde eingereicht, eine bescheidene Rücklaufquote von 20 Prozent. Dennoch: Die Richtung, in welche es gehen soll, ist eindeutig.

Was nun?

«Wir wollten mit der Stiftung Kontakt aufnehmen, um über den Landpreis zu verhandeln»,

erklärt Tennikens Gemeindepräsidentin Sandra Bätscher. Die Vorstellungen der beiden Parteien liegen jedoch weit auseinander. Die Stiftung Kirchengut geht von einem Gesamtwert von 4,7 Millionen Franken aus. Verwalter Martin Innerbichler verweist auf Beispiele, wo sie schon Land in der OeWA-Zone im Baurecht abgegeben hätten wie zum Preis für umliegendes Bauland. Er stützt sich zudem auf Kantonsgerichtsurteile.

Stiftung Kirchengut will Rechtssicherheit

Die Stiftung ist jetzt allerdings vorgeprescht und beantragt bei der Gemeinde, den Chilchacher in eine Wohnzone zu übertragen. Angesichts der Umfrage und der Stimmung im Dorf dürfte dieser Antrag wohl kaum Chancen haben. Dies sieht auch Bätscher so, «ausser die Stiftung kann darlegen, dass ihr Vorhaben für die Gemeinde Sinn machen würde». Aufgrund der Lage des Grundstücks sei knapp die Hälfte gar nicht überbaubar. Bätscher begrüsst, dass sich die Stiftung zu diesem Schritt entschlossen hat. Innerbichler ist wichtig, dass die Grundstückbesitzerin eine Rechtssicherheit erhält.

«Solange wir nicht wissen, was mit dieser Parzelle zonenrechtlich geschieht, können wir nicht weiterplanen.»

Es werde immer eine kontroverse Diskussion geben. Nun sei der Zeitpunkt gekommen, der Stimmbevölkerung aufzuzeigen, was möglich sei.

Für die Gemeindepräsidentin ist klar, dass die Stiftung als Landeigentümerin Rechte hat; eines davon ist, eine Umzonung zu beantragen. Das Chilchacher-Komitee, das gegen eine Überbauung kämpft, habe ebenfalls Anliegen.

«Der Gemeinderat steht als Vermittler zwischendrin. Wir müssen schauen, wie wir die beste Lösung finden, die nicht einfach sein wird»,

sagt Sandra Bätscher. Am Schluss werde die Einwohnerschaft entscheiden.

Bätscher bringt noch eine andere Möglichkeit ins Spiel. Mit dem Baselbieter Amt für Raumplanung soll abgeklärt werden, ob ein Landabtausch – ausserhalb des Gemeindegebiets – in Frage kommt. Auch das ist aber eine komplexe Angelegenheit.

Chilchacher-Komitee nicht glücklich über Umfrage

Das Chilchacher-Komitee hat der Gemeinde von einer Umfrage abgeraten. Das vorliegende Resultat sei nicht aussagekräftig, auch wenn es ihre Haltung stütze, sagt Franziska Buonfrate, die dem Komitee angehört. Mit ihrer Petition hätten sie rund 300 Unterschriften von Stimmberechtigten gesammelt, die sich schon damals klar gegen eine Überbauung des Chilchacher ausgesprochen hätten.

Eine Umzonung des Chilchacher in eine Begegnungs- und Erholungszone wäre für Buonfrate die beste Lösung. Diese Variante ist unter anderen in der Studie von Espace Suisse beschrieben.

«Sie könnte zu einer formellen Enteignung der Parzelle führen. Die Frage einer allfälligen Entschädigung ist auch hier unklar.»

Auf dem Chilchacher zu bauen, sei eigentlich unmöglich – ausgenommen ein Altersheim in der bestehenden Zone.