Dornach
Junglenker mit 142 km/h geblitzt, in der Nähe ereignete sich kürzlich ein tödlicher Unfall: Das will die Polizei nun unternehmen

Es nimmt kein Ende: Nur etwas mehr als eine Woche nach dem Unfall, bei dem zwei junge Männer auf der Gempenstrasse in Dornach ums Leben kamen, wurde ein Junglenker auf derselben Strecke beim Rasen erwischt. Was die Polizei dagegen unternimmt.

Kelly Spielmann
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In dieser Kurve sind vergangene Woche zwei junge Männer ums Leben gekommen – nur 200 Meter entfernt wurde der Junglenker erwischt.

In dieser Kurve sind vergangene Woche zwei junge Männer ums Leben gekommen – nur 200 Meter entfernt wurde der Junglenker erwischt.

Nicole Nars-Zimmer

Der Schock über den Unfall auf der Gempenstrasse, der vergangene Woche zwei Todesopfer forderte, hat sich noch nicht gelegt – und schon veröffentlicht die Kantonspolizei die nächste Medienmitteilung zur Unfall-Strecke. Ein deutscher Junglenker wurde am Donnerstag mit 142 km/h statt den erlaubten 80 km/h gemessen, 200 Meter von der Unfallstelle vergangener Woche entfernt.

Schon länger stellt sich die Frage, welche Massnahmen ergriffen werden müssen, um auf der Strecke für mehr Sicherheit zu sorgen. Ein Vorstoss an die Solothurner Regierung des Kantonsrats und Dornacher Gemeinderats Daniel Urech (Grüne) für eine tiefere Höchstgeschwindigkeit war nach einem schweren Unfall von 2019 erfolglos, Bodenwellen kommen für den Kanton auch nicht infrage.

45 Unfälle in den letzten Jahren

Die Polizei ihrerseits versucht, die Problematik unter anderem mit Geschwindigkeitskontrollen im Rahmen zu halten. Denn: Die Gempenstrasse stelle zwar keinen klassischen Unfall-Hotspot dar, sagt Dominic Jakob, Chef Verkehrstechnik der Kantonspolizei Solothurn –statistisch gesehen ereigneten sich auf ihr jedoch mehr Unfälle als als auf anderen Ausserortsstrecken im Kanton. «Fakt ist: der kurvenreiche Strassenverlauf stellt höhere Anforderungen an die Fahrzeuglenkerinnen und Fahrzeuglenker, was zu einem erhöhten Unfallrisiko führt», sagt Jakob.

Es sei jedoch genau der serpentinengleiche Strassenverlauf, der die Strecke insbesondere für Rad-, Motorrad- und Sportwagenfahrer zu einem beliebten Fahrziel mache.

«Dieser Umstand verstärkt wiederum das Unfallrisiko zusätzlich.»

In Zahlen formuliert: Zwischen 2016 und 2020 gab es auf der Gempenstrasse zwischen Dornach und Gempen 45 polizeilich registrierte Unfälle, 36 derer waren Schleuder- oder Selbstunfälle. Die Kantonspolizei führt deshalb auf der Strecke regelmässig Geschwindigkeit- und allgemeine Verkehrskontrollen durch. Die Polizei operiere im Ausserortsbereich standardmässig mit mobilen und semistationären Geschwindigkeitsmessanlagen. Ergänzend kommen Geschwindigkeitskontrollen mit Lasermessgeräten hinzu, «welche an solchen Örtlichkeiten ein sehr erfolgsversprechendes Mittel sind, um Schnellfahrer auch in Kurvenbereichen zu messen», so Dominic Jakob.

Fixe Radaranlage ist keine Option

Eine solche Kontrolle gab es beispielsweise am Nachmittag des 31. März, nur wenige Stunden vor dem tödlichen Unfall. Auch am Donnerstag wurde eine Kontrolle durchgeführt, wobei auch der Neulenker mit einem mobilen Lasermessgerät gemessen wurde.

Der 22-Jährige wurde daraufhin angehalten, der Führerausweis wurde ihm abgenommen und er wurde an die Staatsanwaltschaft verzeigt. Ab mehr als 60 km/h über dem erlaubten Tempo gilt ein Fahrer in einer 80er-Zone als Raser – nach Abzug der gesetzlichen Toleranz von 4 km/h trifft dies im aktuellen Fall also knapp nicht zu.

Das bisherige Kontrollregime werde auch in Zukunft in der gleichen Intensität fortgesetzt, sagt Jakob – die Installation einer fixen Anlage stehe zurzeit jedoch nicht zur Diskussion. Bruno Gribi, Mediensprecher der Kantonspolizei, erklärt: Erfahrungen zufolge würde eine fix installierte Anlage ihre Wirkung verfehlen. Als Fahrer wisse man relativ bald, wo sich diese befinde, und könne auf der entsprechenden Strecke kurz abbremsen. Mobile Messgeräte jedoch könne man überall einsetzen – Fahrer wissen nicht, wo sie sich befinden, und müssen so auf der gesamten Strecke korrekt fahren. «Das ist jedenfalls das Ziel», so Gribi.