Interview
Dornachs Gemeindepräsident Christian Schlatter: «Ich sehe meinen Rücktritt als Entkrampfung»

Nach seinem Teilrücktritt als Dornachs Gemeindepräsident erklärt Christian Schlatter, wie er sich die Amtsübergabe vorstellt.

Fabia Maieroni
Drucken
Teilen
Christian Schlatter ist als Gemeindepräsident zurückgetreten, er will aber vorerst Verwaltungsleiter bleiben.

Christian Schlatter ist als Gemeindepräsident zurückgetreten, er will aber vorerst Verwaltungsleiter bleiben.

Nicole Nars-Zimmer (3.9.2020

Herr Schlatter, Sie gaben in der Gemeinderatssitzung vor einer Woche Ihren Rücktritt vom politischen Teil Ihres Amtes bekannt. Laut Amt für Gemeinden ist eine Demission schriftlich vorzulegen, der Gemeinderat muss anschliessend darüber befinden. Sie haben Ihren Teilrücktritt mündlich mitgeteilt, der Gemeinderat hat diesen bisher nur zur Kenntnis genommen. Wann wird er über den Antrag befinden?

Christian Schlatter: So schnell wie möglich. Allerdings müssen wir intern noch ein paar Fragen klären, weil es nur ein Teilrücktritt ist. Deswegen ist dies eine spezielle Situation, die so eigentlich nicht vorgesehen ist. Der Gemeinderat muss zuerst schauen, wie ein solcher Teilrücktritt rein praktisch möglich wäre.

Können Sie aus rechtlicher Sicht den politischen Teil abgeben und weiterhin Verwaltungsleiter bleiben?

Wie soll ich sagen, es ist klar und es ist nicht klar. Die einzige Referenz ist die Gemeindeordnung. Darin steht, dass in Dornach das Gemeindepräsidium den politischen Teil und den Verwaltungsteil vereint. Alles Abweichende muss nun der Gemeinderat festlegen. Wenn dieser beschliesst, ich kann nicht abtreten, werde ich das selbstverständlich akzeptieren. Schliesslich bin ich gewählter Vollamtspräsident bis Ende der Legislatur.

Werden Sie weiter den vollen Lohn beziehen, sollte der Gemeinderat mit dem Teilrücktritt einverstanden sein?

Das muss der Gemeinderat beschliessen.

Noch während der Gemeinderatssitzung versendeten Sie eine Medienmitteilung zu Ihrem Teilrücktritt. Damit wurde der Gemeinderat vor vollendete Tatsachen gestellt. War das unkollegial?

Ich habe den Rücktritt öffentlich an der Sitzung mitgeteilt, damit war diese Information bereits draussen. Die Medienmitteilung habe ich in eigener Sache verschickt. Kollegialität hat eher einen schwierigen Stand im Gemeinderat Dornach.

Dieser Schritt zwingt den Gemeinderat nun dazu, eine Sonderlösung auszuarbeiten. Kurz vor den Wahlen und mitten im zweiten Lockdown keine leichte Aufgabe.

Es ist nicht schwieriger als sonst, es fragt sich immer, wo der Wille ist. Im Wahlkampf, der ja bereits seit längerem läuft, gibt es Themen, die nicht sachlich beurteilt werden. Und das ist für mich die grosse Schwierigkeit. Für mich ist das eine sachliche Mitteilung. Ich möchte Klarheit schaffen für die Wahlen und auch der Organisation die Möglichkeit geben, die sie braucht. Es gibt viele offene Fragen, die zum Teil bis in meine privaten Lebensumstände hineinreichen und die der Gemeinderat noch nicht beantworten konnte. Wir haben die Abstimmung zum Ressortsystem abgewartet, jetzt kann der Weg für weitere Klärungen geöffnet werden. Die Arbeitsgruppe wird sich nun rasch Gedanken zum weiteren Vorgehen machen. Ich glaube nicht, dass Corona hier eine grosse Rolle spielt. Wir haben einen Modus Vivendi gefunden, der uns erlaubt, handlungsfähig zu bleiben.

Lassen Sie die Gemeinde in dieser heissen Phase im Stich?

Ganz im Gegenteil, sonst hätte ich das nicht gemacht. Aus meiner Sicht ist meine Amtszeit sehr stark von meiner Verlässlichkeit und meinem Engagement für die Gemeinde geprägt gewesen. Und nun habe ich mein Ziel, das Ressortsystem einzuführen, erreicht. Jetzt müssen sich neue Personen einbringen können. Ich sehe meinen Rücktritt eher als Entkrampfung der Situation. Denn in den letzten Wochen ging es nicht mehr um die Sache, sondern nur noch um meine Person. Ein Verwaltungs- und po­litischer Leiter, der immer so im Kreuzfeuer steht, der kann gar nicht mehr richtig funktionieren und schadet der Organisation.

Es ging nicht mehr um die Sache, sondern nur um meine Person.

Noch im September erklärten Sie uns, Sie stünden einer erneuten Kandidatur sehr positiv gegenüber. Wie kam es zum Meinungswechsel?

Eines voraus: Das Amt ist spannend und eine erfüllende Aufgabe. Aber über die Weihnachtstage und in diesem Strudel habe ich für mich selbst gemerkt, dass es reicht. Es ist jetzt der Zeitpunkt, das Amt zu übergeben. Ich habe mir auch gedacht, wenn ich nochmals antrete und wieder vier Jahre Gemeindepräsident bin, dann wäre ich schon 13 Jahre dabei. Man sollte vermeiden, so lange an einem Ort zu bleiben. Ich bin kein Sesselkleber, das ist für mich eine grauenhafte Vorstellung.

Sie wollen die politische Verantwortung an Vizepräsident Daniel Müller übergeben. Kann eine Zusammenarbeit nach den Zerwürfnissen der vergangenen Monate funktionieren?

Es muss, das ist unser Auftrag der Bevölkerung. Das Zerwürfnis ist relativ einseitig gekommen. Unser System krankte bis anhin daran, dass die gesamte Verantwortung an einer Person hing. Alle anderen konnten sich Angriffe erlauben, die nicht dazu führen, dass die Organisation weiterkommt. Das ist für mich das grosse Ärgernis – dass man nicht den Willen ent­wickelt hat, ein Ziel gemeinsam zu erreichen.

Ihr Teilrücktritt ist von den bürgerlichen Parteien positiv aufgenommen worden. Gibt Ihnen das zu denken?

Nein, ich habe den Entscheid nicht wegen des Lärms aus dieser Ecke gefällt. Aber dass mein Rücktritt positiv aufgenommen wird, gibt mir die Hoffnung, dass der Lärm um meine Person nun abnimmt und wir sachlich einen Schritt weiterkommen. Ich möchte nun gerne einmal von den Kandidatinnen und Kandidaten hören, welche Inhalte sie bringen möchten. Nur immer alles zu kritisieren, ist für mich ein Armutszeugnis.