Frost
Dramatische Verluste an Bienenvölkern nach dem harten Winter

Milben, Viren und ein harter Winter haben viele Baselbieter Bienenvölker getötet. Manche Imker sind von Totalverlusten betroffen.

Edi Gysin
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Die Wintersinger Imkerin Claudia Huber mit den traurigen Resten eines Bienenvolkes: Die Larven sind kurz vor dem Schlüpfen erfroren.

Die Wintersinger Imkerin Claudia Huber mit den traurigen Resten eines Bienenvolkes: Die Larven sind kurz vor dem Schlüpfen erfroren.

Edi Gysin

In diesem Frühjahr mussten Imkerinnen und Imker zum Teil hohe Verluste an Bienenvölkern in Kauf nehmen. Die tiefen Temperaturen zur Unzeit, als die Bienen bereits mit dem Brutgeschäft begonnen hatten, setzten ihnen zusammen mit der Varroamilbe arg zu. Hinzu gekommen sind Viren, die mit der Varroa eingeschleppt werden. Über deren Auswirkungen wird zurzeit heftig spekuliert und mit Hochdruck geforscht.

An Völkerverluste haben sich die Imkerinnen und Imker längst gewöhnt. Es mögen ein Zehntel aller Bienenvölker sein, die jeweils den Winter nicht überstehen. Doch in diesem Frühjahr haben die Verluste dramatische Ausmasse angenommen. Manche Imker sind von Totalverlusten betroffen. Das Unheimliche an dieser Tatsache liegt darin, dass das Bild diesseits des Juras alles andere als einheitlich ist.

Verluste von 30 bis 80 Prozent

Der Känerkinder Imker Ernst Lerch bewirtschaftet drei Standorte. «Ich habe 62 Völker eingewintert», sagte er, «davon sind mir 45 geblieben». Auf dem höchst gelegenen Standort, dem Eptinger Schmutzberg seien alle sechs Völker verloren gegangen. An seinen Standorten in Känerkinden und Sissach seien die Verluste dagegen gering gewesen. Lerch ist überzeugt, dass die Varroa Hauptursache ist.

Im unteren Baselbiet hätten ihm Imker von Verlusten in der Grössenordnung von 30 bis 80 Prozent der Völker berichtet, weiss Hans Stöckli, Präsident des Bienenzüchterverbandes beider Basel. Dank des emsigen Treibens der überlebenden Bienenvölker seien aber zahlreiche Schwärme angefallen. Das erlaube es manchem Imker, seinen Bestand wieder aufzubauen.

Auch im Bezirk Sissach seien die Verluste mit 30 bis 40 Prozent der Völker weit höher als hingenommen werden kann, so Marcel Strub, Präsident der Bienenzüchter im Bezirk Sissach. Erschüttert musste auch die Wintersinger Imkerin Claudia Huber feststellen, dass von ihren 19 Völkern kein einziges überlebt hat. «Ich ging weinend nach Hause an jenem Tag», sagt sie. Jetzt aber an Pfingsten ist das Strahlen wieder in ihr Gesicht zurückgekehrt. Ihr bester Imkerkollege, Edi Di Lello aus Rickenbach, schenkte ihr für den Neubeginn vier Völker. Huber kann vielleicht im kommenden Herbst wieder daran denken, Honig zu schleudern.

Volk spurlos verschwunden

«Sie sterzeln», rief sie beim Besuch im Wintersinger Bienenhaus erfreut aus. Sterzeln heisst, die Bienen strecken den Hinterleib in die Höhe und bewegen sich langsam Richtung Wabe. «Das ist das Zeichen, dass sie eine Königin haben, sie muss geschlüpft sein», so die erfahrene Imkerin. Hubers Bienen leben in einem kleinen Paradies oberhalb Wintersingen. Blütenreiche Magerwiesen, Winter- und Sommerlinden sowie Kirschbäume liegen in Flugweite.

Auf dem Grundstück sprudelt eine Quelle, die den Bienen Wasser spendet. Als Dokument hat Huber die Wabe eines verschwundenen Bienenvolkes aufbewahrt. Einige Larven, die kurz vor dem Schlüpfen waren, sind noch vorhanden. Das ganze Volk sei spurlos verschwunden, beklagt Huber. Die Larven seien erfroren, weil mit dem Verschwinden der Bienen die Temperatur zu tief gewesen sei. Hätten die Larven noch schlüpfen können, sie wären verhungert, weil niemand mehr da war, sie zu füttern.