Wasserversorung
Drei Gemeinden, aber nur noch ein Brunnenmeister

Bei der Sicherstellung der Wasserversorgung gehen die drei Oberbaselbieter Gemeinden Gelterkinden, Ormalingen und Rothenfluh gemeinsame Wege. 2018 richten sie eine gemeinsame Brunnenmeisterei ein. Der Weg dorthin war allerdings steinig.

Bojan Stula
Drucken
Teilen
Nur noch ein Brunnenmeister entscheidet, ob in den Gemeinden Gelterkinden, Ormalingen und Rothenfluh im Pool geplanscht werden darf.

Nur noch ein Brunnenmeister entscheidet, ob in den Gemeinden Gelterkinden, Ormalingen und Rothenfluh im Pool geplanscht werden darf.

Franz Schweizer

Die drei Oberbaselbieter Nachbarn Gelterkinden, Ormalingen und Rothenfluh machen vor, wie die Kommunen den meist ungeliebten Ruf nach Gemeindefusionen elegant umgehen können: durch eine engere, thematisch sinnvolle Zusammenlegung in spezifischen Teilbereichen. So wird das Trio ab dem 1. Juli 2018 eine gemeinsame Brunnenmeisterei betreiben, wie aus einer Medienmitteilung vom Donnerstag hervorgeht.

Die auf 200 Stellenprozente angelegte Amtsstelle unter der Leitung der «Kopfgemeinde» Gelterkinden soll für alle drei Partner eine professionelle, hoch qualitative Wasserversorgung sicherstellen. Insbesondere hinsichtlich von Pikettdiensten und Ferienvertretungen soll sich die Zusammenlegung als wesentlicher Fortschritt gegenüber der heutigen Einzellösungen erweisen, schreibt der Gelterkinder Gemeindeverwalter Christian Ott. Zudem sollen so die immer komplexer werdenden gesetzlichen Anforderungen an die Wasserversorgung gemeistert werden.

Nur eine Gemeinde sprang auf

Die lange Vorlaufzeit des Projekts zeigt aber auch, wie kompliziert und heikel solche Zusammenschlüsse in der Praxis ablaufen. Die Prüfung einer gemeinsamen Brunnenmeisterei haben Gelterkinden und Ormalingen bereits 2014 beschlossen. Von den angefragten Gemeinden Anwil, Hemmiken, Rickenbach, Tecknau und Rothenfluh wollte nur letztere mitmachen. Nach einer Machbarkeitsstudie einer externen Beratungsfirma und weiteren Diskussionen zwischen den Gemeinden einigte man sich schliesslich auf eine Leistungsvereinbarung, welche den Kern der Kooperation darstellt. Darin ist unter anderem der genaue Kostenverteilschlüssel definiert.

An der Kopfgemeinde Gelterkinden liegt es nun, dass die entsprechenden Stellenprozente und Kosten im Rahmen des Budgetprozesses 2018 beschlossen werden. Dann wird laut Ott die Gemeinde Gelterkinden das entsprechende Personal rekrutieren und die erforderlichen Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Gesucht sind ein vollamtlicher Brunnenmeister mit entsprechendem Fähigkeitsausweis sowie sein Brunnenmeister-Stellvertreter. Vor allem Besitzer eines Swimmingpools kennen den jeweiligen Brunnenmeister ihrer Gemeinde, muss doch in der Regel dessen Einverständnis zum Befüllen des Schwimmbeckens eingeholt werden.

«Die Leistungen, welche die Brunnenmeisterei zukünftig erbringen soll, teilen sich in Basisleistungen, Reparaturen und Projekte auf», heisst es in der Mitteilung weiter. Hingegen können die drei Partnergemeinden weiterhin eigenständig über ihr Wasserleitungsnetz, dessen Finanzierung und die Festlegung der Tarife entscheiden. Vorgesehen ist, nach einer einjährigen «Anlaufphase» weitere Partnergemeinden mit ins Boot zu holen.

Keine Benachteiligung

Angst vor einer sich schleichend entwickelnden Benachteiligung durch die Kopfgemeinde Gelterkinden haben die beiden kleineren Partner Ormalingen und Rothenfluh nicht. Wie sein Kollege aus Rothenfluh Patrick Vögtlin wird der Ormalinger Gemeinderat und Departementschef Heini Weber Einsitz in der Steuerungskommission der gemeinsamen Brunnenmeisterei haben: «Dort habe ich Einsicht in alle Akten und bin an allen Entscheiden mitbeteiligt», gibt sich Weber zuversichtlich.