Drohende Schliessung
«Eine Agentur in einem Geschäft ist keine Lösung»: Nunninger Gemeinderat wehrt sich für seine Poststelle

Die Post will die Filiale in der Thiersteiner Ortschaft schliessen und durch eine Postagentur ersetzen. Für die Gemeinde kommt dies nicht in Frage. Die Möglichkeiten, die Poststelle zu retten, sind jedoch beschränkt.

Dimitri Hofer
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Geht es nach der Post, soll die Poststelle in Nunningen verschwinden.

Geht es nach der Post, soll die Poststelle in Nunningen verschwinden.

Nicole Nars-Zimmer

Es sind Worte, die Kampfbereitschaft versprechen: «Der Gemeinderat Nunningen stellt sich einstimmig hinter die Poststelle und wird alles Mögliche unternehmen, um einen Abbau des Service public zu verhindern.» Die Weiterführung als Postagentur in einem Geschäft sei auch keine Option für die Thiersteiner Ortschaft, da es so ebenfalls zu Einschränkungen komme.

Die Post hat vor, bis Ende Jahr die Zahl der noch verbliebenen Poststellen in der Schweiz von rund 900 auf 800 zu reduzieren. Davon betroffen sind auch zahlreiche Filialen in der Region. In den meisten Gemeinden fasst das Unternehmen die Umwandlung der Poststelle in eine Postagentur in einem bestehenden Laden ins Auge. Dabei wird die Post geschlossen, und es werden künftig in einem Geschäft gewisse Dienstleistungen der Post angeboten. Um die Modalitäten zu klären, steht die Post jeweils in Kontakt mit den Verantwortlichen der Gemeinde.

Auch in Nunningen hat die Post vor, die Filiale zu schliessen und durch eine Postagentur zu ersetzen. Die Pläne kommen bei Gemeindepräsident Heiner Studer (FDP) und seinen Kollegen jedoch gar nicht gut an. Nachdem in den vergangenen Jahren die Poststellen in den umliegenden Ortschaften bereits geschlossen wurden, soll nun auch diejenige in der 2000-Einwohner-Gemeinde fallen. Sie ist die Letzte im aus fünf Gemeinden bestehenden Gilgenbergerland. Die Nächstgelegene befindet sich im Thiersteiner Hauptort Breitenbach.

Gemeindepräsident befürchtet Indiskretionen in Postagentur

In Nunningen stört man sich nicht nur am drohenden Abbau des Service public, sondern auch an den Gegebenheiten in einer allfälligen Postagentur:

«Grosse Bedenken habe ich bezüglich der Diskretion. Obwohl uns mitgeteilt wurde, dass auch das Personal in einem Verkaufsgeschäft geschult wird, kann niemals eine über Jahre ausgebildete Postangestellte ersetzt werden»,

sagt Gemeindepräsident Studer. Selber habe er in solchen Satelliten eingeschriebene Briefe auf der Theke liegen sehen, «schön aufgereiht nach Namen». Jeder Käufer habe die Briefe, Adressen und Absender ansehen können.

Die Post versichert, dass die Befürchtungen aus dem Schwarzbubenland unbegründet seien. «Die Diskretion bei der Abwicklung von Postgeschäften ist auch bei einer Partnerlösung sichergestellt. Genau gleich wie das Personal der Post untersteht auch das Partnerpersonal dem Post- und Bankgeheimnis», schreibt Postsprecher Markus Flückiger. Bei der Schulung sensibilisiere die Post das Partnerpersonal speziell zum Thema Diskretion und Postgeheimnis. Das Partnerpersonal sei vertraglich verpflichtet, sämtliche Postsendungen sowie Zahlungsbelege vor dem Einblick und Zugriff durch Dritte zu schützen.

Wie bei vielen anderen Poststellen sei auch bei der Filiale in Nunningen die Nutzung von Postdienstleistungen rückläufig. Eine Agentur biete für die Standortgemeinde Vorteile, findet Flückiger: «Der Standort eines Partners und die Infrastruktur im Ort werden gestärkt, die Kundinnen und Kunden profitieren zusätzlich vom Angebot des Partners und den meist langen Öffnungszeiten.» Noch seien laut dem Postsprecher keine Entscheide gefallen. Aber: «Die Post würde eine neue Lösung nach Möglichkeit gerne noch in diesem Jahr umsetzen.»

Am Ende entscheidet die Post über die Schliessung

Gegen eine solche neue Lösung setzt sich der Nunninger Gemeinderat zur Wehr. Im Gespräch mit der Post habe man sich für den Erhalt der Poststelle ausgesprochen, so Heiner Studer. Die Möglichkeiten der Thiersteiner, tatsächlich eine Schliessung zu verhindern, sind jedoch gering. Lasse sich keine einvernehmliche Lösung finden, könne die Gemeinde innert 30 Tagen nach Bekanntgabe des Entscheids eine Beurteilung der Situation durch die eidgenössische Postkommission verlangen. Postsprecher Markus Flückiger stellt jedoch klar:

«Der endgültige Entscheid liegt bei der Post.»

Die Aussichten, die Post retten zu können, sind nicht gerade rosig. Trotzdem hat der Nunninger Gemeinderat vor, zu kämpfen. «Vor einigen Jahren stand unsere Post schon einmal vor dem Aus. Damals wandten wir uns an die Solothurner Regierung, die uns unter die Arme griff», sagt Gemeindepräsident Studer. Gehe es nicht anders, werde man auch dieses Mal wieder den Regierungsrat ins Boot holen.