Reinach
Drohnen-Hysterie in Reinach: Die neue Lust am Verbieten

Reinach schränkt die Benutzung von Drohnen stark ein: Hobbypiloten dürfen die Fluggeräte nur noch bei Tageslicht und im eigenen Garten steigen lassen. Die bestehenden Regelungen des Bundes würden eigentlich völlig ausreichen.

Benjamin Wieland
Drucken
Teilen
Drohnenflüge sind in Reinach nur noch auf dem eigenen Grundstück bei Tageslicht erlaubt. (Symbolbild)

Drohnenflüge sind in Reinach nur noch auf dem eigenen Grundstück bei Tageslicht erlaubt. (Symbolbild)

KEYSTONE/AP/BERTRAND COMBALDIEU

Die Angst vor Drohnen geht um. Vor allem die Fluggeräte, die für den privaten Gebrauch gedacht sind, werden mit Argwohn betrachtet. Es sind dies die handelsüblichen Produkte mit zumeist vier oder sechs Rotoren, sogenannte Multikopter. Nicht nur laut und lästig seien diese Geräte, lässt sich der Tenor über Drohnen zusammenfassen – sie könnten auch den «richtigen» Luftfahrzeugen gefährlich werden.

Jüngst hat Reinach auf die angebliche Gefahr reagiert: Im revidierten Polizei-Reglement wird der Einsatz von «unbemannten Luft- und Modellluftfahrzeugen» stark limitiert. Im Siedlungsgebiet ist es bald nur noch möglich, innerhalb der Luftsäule über Privatgrundstücken zu fliegen. Für Hobby-Piloten heisst das: Starten nur noch im eigenen Garten erlaubt.

Der Reinacher Einwohnerrat, der am Montag das Reglement verabschiedete, verschärfte die Bestimmungen sogar zusätzlich. So sind Flüge bald nur noch bei Tageslicht erlaubt, im Sommer ist spätestens um 20 Uhr Schluss. Hinzu kommt eine Stunde Mittagspause.

Im Bericht zum revidierten Polizei-Reglement werden die Einschränkungen auch mit der «datenschutzrechtlichen Relevanz bei Einsatz von Video-Drohnen» begründet. Und Einwohnerrat Roland Fischer (FDP) gab am Montag in der Debatte zu bedenken, dass «diese neuen Spielzeuge» auch Verkehrsflugzeugen zu nahe kommen könnten – schliesslich liege Reinach in der Anflugschneise des Euro-Airports. Erst kürzlich, mahnte Fischer, sei ein Flugzeug in London mit einer Drohne zusammengestossen. Einstimmig wurde das revidierte Polizei-Reglement mit den Verschärfungen überwiesen. Der Kanton muss es nun noch bewilligen.

Der Aspekt mit der Sicherheit entpuppt sich jedoch als Scheinargument. Für die Schweiz ist kein einziges auch nur annähernd gefährliches Rencontre zwischen Drohnen und Flugzeugen registriert. «Bisher waren Drohnen noch nie ein Problem für den Euro-Airport», schreibt Vivienne Gaskell, Mediensprecherin des Flughafens, auf Anfrage. Auch das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) schätzt die Drohnengefahr als gering ein. «Vogelschlag birgt ein viel grösseres Risiko für Verkehrslugzeuge», lässt die Medienstelle verlauten. Beim erwähnten Vorfall in London habe das Flugzeug seine Folgeflüge nahtlos fortsetzen können, noch sei auch nicht klar, ob es sich tatsächlich um eine Drohne gehandelt habe. Der Zusammenstoss ereignete sich am 17. März beim Landeanflug. Das Bazl ist involviert, weil die Maschine in Genf gestartet war.

Zu den verschärften Vorschriften in Reinach heisst es beim Bazl, dass die geltende Gesetzgebung des Bundes ausreiche, die entsprechende Verordnung sei erst 2014 angepasst worden. Sie schreibt unter anderem vor, dass der Pilot mit der Drohne Sichtkontakt halten muss. Weiter ist bei Aufnahmen der Schutz der Privatsphäre zu beachten. Schwerere Geräte dürfen zudem keine Menschenansammlungen überliegen, und die Behörden können temporäre Flugverbote aussprechen (siehe Box). Rund um Flughäfen sind Modellflugzeuge und Drohnen ganz untersagt – Reinach liegt ausserhalb solcher Zonen.

Ganz Basel als «No-fly zone»

Basel-Stadt wird im Rahmen des Europa-League-Finals am Mittwoch, 18. Mai, zur Flugverbotszone für unbemannte Luftfahrzeuge – also auch Drohnen. Ausgesprochen hat das Verbot die Kantonspolizei. Es gilt auch am Tag vor und nach dem Final.

Der St. Jakob-Park, wo das Spiel stattfindet, ist – wie viele weitere Orte auch – zumindest von gewissen Drohnen-Herstellern als «No-fly zone» programmiert. Das heisst, dass die Fluggeräte beim Versuch, das Stadion anzufliegen, wie von einer unsichtbaren Wand gestoppt werden. Innerhalb der Zone können sie gar nicht erst starten. Die Software-Sperre kann aber relativ einfach umgangen werden. Die entsprechenden Tricks werden auf frei zugänglichen Online-Foren herumgereicht.

Unerwünschte Begegnungen mit Drohnen registriert hat die Schweizerische Rettungs-Flugwacht (Rega). Zweimal sei eine Drohne in die Nähe eines Rettungshelikopters geraten, jedoch ging in beiden Fällen «keine unmittelbare Gefahr von den Drohnen aus», teilt die Rega mit. Trotzdem könnten die Geräte «unter bestimmten Umständen eine Gefahr für die bemannte Luftfahrt darstellen».

Zürich krebste zurück

Jedoch muss auch in diesen Fällen davon ausgegangen werden, dass strengere kantonale oder kommunale Vorschriften wie in Reinach die Annäherungen wohl kaum verhindert hätten – denn die beiden Zwischenfälle ereigneten sich im Berner Oberland und somit wahrscheinlich ausserhalb des Siedlungsgebiets. Einen vollständigen Schutz vor Drohnen brächte nur ein generelles Flugverbot – von solch einer rigiden Regelung einer Gemeinde hat das Bazl aber keine Kenntnis, zeitlich begrenzte Sperrungen ausgenommen.

Ähnlich strenge Vorschriften wie in Reinach führte unter anderem Zürich ein, das war Ende 2014. Schon nach drei Monaten hob die Stadt sie wieder auf. In einer Mitteilung hiess es, man hoffe auf die «Eigenverantwortung der Pilotinnen und Piloten».