Altersvorsorge
Düstere Aussichten für künftige Baselbieter Rentner

Die Basellandschaftliche Pensionskasse senkt ab 2018 den technischen Zinssatz von 3 auf nur noch 1,75 Prozent. Auch der Umwandlungssatz soll gesenkt werden. Für die rund 60 Vorsorgewerke der BLPK und damit für etliche Baselbieter Arbeitnehmer bedeutet dies schmerzhafte Einbussen.

Michael Nittnaus
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Jetzige Rentner bleiben verschont, aber ab 2018 muss gerechnet werden. Thinkstock

Jetzige Rentner bleiben verschont, aber ab 2018 muss gerechnet werden. Thinkstock

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Von 3 auf 1,75 und von 5,8 auf 5,0 Prozent: Es sind kleine Zahlen, doch ihre Wirkung ist gross. Auf dieses Niveau wird die Basellandschaftliche Pensionskasse (BLPK) den technischen Zinssatz respektive den Umwandlungssatz senken. Ersteren per 1. Januar 2018 und letzteren schrittweise von 2019 bis 2022. Das hat der Verwaltungsrat entschieden und am Donnerstag so kommuniziert. Dadurch sinkt die fix vorgegebene Verzinsung des Rentenkapitals und damit auch die künftige Rentenauszahlung an die knapp 25 000 aktiven Versicherten der gut 200 der BLPK angeschlossenen Arbeitgeber, die in rund 60 unabhängigen Vorsorgewerken organisiert sind. Nimmt man die Änderung des Umwandlungssatzes als Grundlage, so könnten die jährlichen Auszahlungen um bis zu 14 Prozent sinken. Bei einem bis zum Rentenalter 65 angesparten Guthaben von 500 000 Franken würde die jährliche Rente beispielsweise statt 29 000 nur noch 25 000 Franken betragen. Davon nicht betroffen sind die rund 10 000 heutigen Rentner der BLPK.

Personal stark belastet

«Der Entscheid ist uns schwergefallen, weil es schmerzhafte Einschnitte für die Vorsorgewerke und deren Versicherten bedeutet», sagt BLPK-Geschäftsleiter Hans Peter Simeon auf Anfrage. Der Schritt sei aufgrund der Situation an den Anlagemärkten allerdings unumgänglich gewesen. Tatsächlich kam die BLPK 2015 nur auf eine Gesamtperformance von 1,0 Prozent. Und auch der Stand Ende November 2016 ist mit 2,7 Prozent weit weg von den goldenen Vorjahren mit Renditen von über 7 Prozent. Damit aber alle Renten gedeckt werden können, bräuchte es über die ganze BLPK gesehen eine Rendite von 3,6 Prozent. Der neue technische Zinssatz von 1,75 Prozent senkt nun ab 2018 das zu erwirtschaftende Kapital auf ein den Märkten entsprechendes Mass. «Das ist leider heute die wirtschaftliche Realität», sagt Simeon.

Da dieser Entscheid in der alleinigen Kompetenz der BLPK liegt, gibt es daran politisch grundsätzlich nichts zu rütteln. Klaus Kirchmayr, Grünen-Fraktionschef im Landrat und Mitglied der Finanzkommission, zeigt sich aber überrascht: «Ich halte diesen Schritt – vorbehältlich der detaillierten Infos zum BLPK-Zustand – eigentlich für zu massiv. Ich hätte den Zinssatz eher auf etwa 2,25 Prozent gesenkt und dann die weitere Entwicklung der Anlagemärkte abgewartet.» Kirchmayr sieht nämlich bereits erste Anzeichen einer möglichen Zinswende.

Zudem sorgt er sich um die Auswirkungen auf die betroffenen Angestellten: «Für das Kantonspersonal kommt es jetzt knüppeldick.» Komme es tatsächlich zu einer Rentenkürzung, so werde das Gefälle zwischen den beiden Arbeitgebern Baselland und Basel-Stadt immer grösser. «Warum soll ein Lehrer dann noch im Baselbiet arbeiten wollen?», fragt Kirchmayr. Das ist auch Simon Habermachers grösste Sorge. «Ich höre tagtäglich von Angestellten, dass sie sich einen Wechsel nach Basel-Stadt oder in die Privatwirtschaft überlegen», sagt der Präsident des Baselbieter Staats- und Gemeindepersonalverbandes (VSG).

Für Kanton machts 350 Millionen

Habermacher hofft daher darauf, dass der Kanton und die anderen Vorsorgewerke Massnahmen ergreifen, die das Personal entlasten. Die BLPK selbst schlägt vor, dass das Sparguthaben durch zwei Massnahmen wieder aufgestockt werden kann: durch die Erhöhung der von Arbeitnehmern und Arbeitgebern geleisteten Sparbeiträge sowie durch eine einmalige Abfederungseinlage des Arbeitgebers. Was finanziell tragbar ist, muss die paritätische Vorsorgekommission eines jeden Vorsorgewerks individuell entscheiden.

Und hier kommt im Falle des Kantons doch noch der Landrat ins Spiel, da die Regierung ihm eine Vorlage zur Finanzierung dieser Massnahmen unterbreiten muss. Die bz rechnet vor: Würde der Kanton die Rentensenkung um rund 14 Prozent ausgleichen wollen, müsste er fast 350 Millionen Franken einschiessen. Dies, da er bei einem Vorsorgevermögen von 4,1 Milliarden Franken über einen Rentneranteil von rund 60 Prozent verfügt. Da der aktuelle Puffer in Form einer Arbeitgeberbeitragsreserve nur noch 289 Millionen Franken beträgt, könnte auch ein weiteres Szenario eintreffen: Die nächste millionenschwere Sanierung des kantonalen Vorsorgewerks nach jener milliardenschweren, die erst 2015 in Kraft getreten war. Dazu Stellung nehmen wollte der Kanton am Donnerstag noch nicht, da er heute eine eigene Pressekonferenz zum Thema durchführt.