Sissach
Ebenrain: Die Parkbesucher müssen Parkplätze suchen

Die Neuregelung der Parkraumbewirtschaftung durch den Kanton betrifft auch den Ebenrain in Sissach. Die Parkplätze werden den Mitarbeitenden und den Besuchern vorenthalten.

Simon Tschopp
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Parkplatz-Not im Ebenrain

Parkplatz-Not im Ebenrain

Kenneth Nars
Die Verbotstafeln beweisen: Besucher des Ebenrainparks dürfen seit vier Wochen tagsüber nicht mehr die Parkplätze auf dem Gelände beanspruchen.

Die Verbotstafeln beweisen: Besucher des Ebenrainparks dürfen seit vier Wochen tagsüber nicht mehr die Parkplätze auf dem Gelände beanspruchen.

Zur Verfügung gestellt

«Das ist Parkplatzklau», ärgert sich ein bz-Leser aus Sissach. Der Ebenrain sei schliesslich ein öffentlicher Park, den alle benutzen dürften. Der Mann findet es eine «Frechheit», den Parkbesuchern Parkplätze vorzuenthalten.

Was ist geschehen? Vor vier Wochen hat der Kanton sein eigenes Parkareal zwischen dem Schloss und dem Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain (LZE) in Sissach neu beschildert. «Nur für berechtigte Mitarbeiter des Kantons u. Besucher der Schule» steht auf den Tafeln eingangs des Geländes. Solche neue Regeln existieren auch hinter dem Gerichtsgebäude in Liestal sowie auf sechs weiteren kantonseigenen Parkarealen.

Missverständliche Aufschrift

«Logischerweise haben Mitarbeitende und Besucher Vortritt. Das war schon immer so gedacht», begründet Torsten Schrodt, Leiter der Immobilienverwaltung beim Baselbieter Hochbauamt. Das Parkfeld beim Ebenrain, das von der Itingerstrasse her zugänglich ist, umfasst 57 Parkplätze. Die Massnahme ist Teil der Parkraumbewirtschaftung. «Wir müssen die Benutzung unserer Parkplätze einschränken, damit die Hauptnutzer auch einen Platz finden», erklärt Schrodt.

Mit «Besucher der Schule» sind laut Torsten Schrodt aber nicht nur Gäste des Landwirtschaftlichen Zentrums und dessen Schule, sondern auch Besucher des Schlosses Ebenrain gemeint. Dies kommt mit der Aufschrift auf der neuen Signalisationstafel jedoch nicht klar zum Ausdruck. «Allenfalls müssen wir das präzisieren», zeigt sich Schrodt einsichtig.

«Wir werden sehen»

Besucher bezahlen für einen Parkplatz werktags von 7 bis 19 Uhr einen Franken pro Stunde, das Personal des Ebenrains 50 Franken monatlich. Die Angestellten haben eine Karte mit Chip. Die Parkfelder, die tagsüber während der Werktage nur noch autorisierte Personen benutzen dürfen, bleiben einzig von 19 Uhr bis 7 Uhr sowie an Wochenenden für die Öffentlichkeit frei verfügbar. Leute, die den Park wochentags besuchen, müssten nun anderweitig einen Parkplatz suchen, damit die Plätze für das Landwirtschaftliche Zentrum gesichert sind. «Wie das funktioniert, werden wir sehen», so Torsten Schrodt.

Während der Woche organisiert das LZE regelmässig Kurse und Anlässe. «Aus meiner Sicht völlig richtig, dass diese Besucher dort parken können», sagt Schrodt. Und diese wüssten auch, dass sie zu einem offiziellen Anlass eingeladen seien. Ansonsten vertraue er den Autofahrern, dass diese Verständnis hätten und sich an die Regel hielten. Die meisten Veranstaltungen im Schloss seien von der Regierung veranlasst; selten fänden dort private Anlässe statt.

Dem Leiter der Immobilienverwaltung beim kantonalen Hochbauamt ist bewusst, dass solche neuen Parkvorschriften die Volksseele bewegen. «Dies ist offenbar ein sehr emotionales Thema.»

Schon jetzt Autos in Quartieren

Daniel Stocker, als Sissacher Gemeinderat zuständig für den Verkehr, erfuhr von der bz von dieser Parkplatzbeschränkung. Da die Parkfelder beim Ebenrain im Besitz des Kantons sind, hat dieser die Gemeinde über das neue Regime nicht informiert.

«Welche Auswirkungen das hat, kann man noch nicht sagen», erklärt Gemeinderat Stocker und fährt weiter: Schon jetzt würden Leute ihre Autos in Quartieren abstellen.