Wirtschaftsförderung
Echte Vorteile statt Steuerdumping

BaselArea will vor allem Hochtechnologie-Firmen dauerhaft ansiedeln. Schnäppchenjäger, die nur von tiefen Steuern profitieren wollen, sind überhaupt nicht gefragt.

Daniel Haller
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«Wir wollen Bewohner, nicht Besucher», stellte Franz A.Saladin, Geschäftsführer von BaselArea, am gestrigen Medientermin fest. Im Klartext: Firmen sollen sich nicht wegen Steuerrabatten in den beiden Basel und im Kanton Jura niederlassen, da dies bedeutet, dass sie wieder wegziehen, sobald sie regulär besteuert werden. «BaselArea setzt also nicht auf Schnäppchenjäger, sondern auf Firmen, die sich wegen der guten Rahmenbedingungen hier entwickeln möchten.»

Dafür hat BaselArea vergangene Woche an der Mitgliederversammlung in Delsberg eine Marketingstrategie beschlossen, welche Branchen man aktiv in die Region holen will und in welchen Ländern man Firmen aktiv darauf anspricht.

Spitzenbranchen auf dem Radar

An erster Stelle will sich BaselArea auf Lifescience-Firmen konzentrieren. Dann folgen Unternehmen mit Forschung, Entwicklung und Produktion in weiteren Hochtechnologie-Feldern sowie deren Zulieferer und Dienstleister. Als Schwerpunkt der geringsten Priorität nennt BaselArea Firmen der Logistik- und Kreativwirtschaftsbranchen.

Es bestehe keine Gefahr, dass da nur Jobs für Hoch- und Höchstqualifizierte in hoch automatisierten Betrieben geschaffen würden. «Sobald eine Branche international eine gute Wettbewerbsposition erreicht, profitiert auch das Gewerbe der Binnenwirtschaft. Dieses bietet auch Stellen für Berufe mit blauen Kleidern», erklärte BaselArea-Präsident Peter Krebser.

Saladin erläuterte, dass 20Prozent des Umsatzes der Leitbranchen ins Gewerbe fliessen. Simon Schmid, der im Vorstand den Kanton Baselland vertritt, verwies darauf, dass auch
Logistik zu den Zielbranchen von BaselArea gehört und dass dort nicht ausschliesslich Hochqualifizierte eine Stelle finden.

Michel Bertrand, Leiter Ansiedlungen, erklärte, dass mit dem Clariant-Areal und dem Beitritt des Kantons Jura zu Basel-Area endlich auch Flächen für Produktionsbetriebe zur Verfügung stehen. «Entwicklung und Innovation erfordern auch Produktionskapazitäten.»

In Deutschland, Frankreich/Benelux, USA/Kanada und Indien will BaselArea aktiv und vor Ort Firmen suchen, die in die Region Basel passen würden, und sie ansprechen. Als weiterer Markt, auf dem Investoren zu finden wären, gilt China. Doch da setzt BaselArea auf die langfristige Beziehungspflege.

Russland, Grossbritannien Brasilien und Israel gelten als Testmärkte. Und Südkorea, Singapur, Australien/Neuseeland, Malaysia/Indonesien sowie Südafrika gelten als Märkte unter Beobachtung: Sobald sich dort die BaselArea-Zielbranchen so weit entwickelt haben werden, dass dortige Firmen als Investoren für die Nordwestschweiz infrage kommen, sollen diese auch bearbeitet werden. Dabei wird sich der Kanton Jura um die frankofonen Länder und Russland kümmern.

Aktive Firmenjagd

Ab Januar sollen in Deutschland und ab Jahresmitte in den USA je ein Agent auf die Suche nach Firmen gehen. Dabei werde speziell die US-Ostküste untersucht, sagte Saladin, denn in Massachusetts werde viel geforscht, doch sobald die Firmen wachsen, würden sie abwandern. Es gelte, sie in diesem Moment auf die Vorzüge der Region Basel aufmerksam zu machen. Dazu zähle neben den Universitäten, Fachhochschulen und internationalen Schulen auch die Kultur – inklusive des im Baselbiet bei Wirtschaftsparteien umstrittenen Theaters Basel.