FHNW-Campus in Muttenz
Eigene kleine Stadt: Tausende Studierende nehmen 300-Millionen-Neubau in Beschlag

Der neue FHNW-Campus in Muttenz hat den Betrieb aufgenommen. Über 3500 Studentinnen und Studenten werden im neuesten Bau des Fachhochschul-Verbunds unterrichtet – sie erwartet eine Rundum-Versorgung.

Benjamin Wieland
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FHNW Muttenz
34 Bilder
Begrüsst wurden die Besucher und Besucherinnen von "Bildungslotsen", die Übersichtspläne des neuen Campus verteilten.
So sieht die Eingangshalle aus.
Der Neubau begeistert durch seine Architektur.
Im öffentlich zugänglichen Erdgeschoss gibt es auch einen Coop mit Verpflegungsmöglichkeiten.
Eine der drei Liftstationen.
Mitten in der Eingangshalle steht ein eindrückliches Kunstwerk.
Der riesige Nougat ist über 100 Tonnen schwer und 11 Meter hoch.
«Nougat» ist nicht etwa ein Spitzname des Objekts, sondern der offizielle Name.
«Nougat - Wie tief ist die Zeit?» heisst das Werk der Künstlerin Katja Schenker.
Das ganze Gebäude ist grosszügig und offen gestaltet.
Die Architektur besticht aus vielen Blickwinkeln.
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FHNW-Neubau: Einmal von oben nach unten im Schnelldurchlauf.
Natürlich fand auch Unterricht statt.
Die Eingangshalle als willkommenes Fotosujet.
Doch beim dritten Stock hört das Bauwerk nicht auf: Weitere zehn Stockwerke ragen in die Höhe.
Diese werden von den Zwischenstöcken per Lift oder Wendeltreppen erreicht.
Die Innenbereiche haben eine Glasdecke.
Beim Treppensteigen bieten sich interessante Einblicke...
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Die Aussicht vom obersten Punkt der Wendeltreppe.
Eine Bibliothek darf natürlich auch nicht fehlen.
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Die grossen Fensterfronten in den Räumen bieten eine fantastische Aussicht.
Seine Pausen und Zwischenstunden kann man zum Beispiel hier verbringen.
Auf dem Dach befindet sich der «Dachgarten».
Am Wasser lässt sich der Alltagsstress kurz vergessen.
Von der Mensa im zwölften Stock kann die Aussicht ebenfalls genossen werden.
Wieder zurück im Erdgeschoss: Das «Cube Restaurant» steht auch Besuchern offen.
Auch hier wurde viel in die Gestaltung investiert.
Der Platz vor dem Haupteingang.

FHNW Muttenz

Nicole Nars-Zimmer (niz)

Irgendetwas zwischen Art Center, Einkaufszentrum und der Lobby eines Luxus-Hotels. Der neue FHNW-Campus in Muttenz ist durchgestylt. Wer den braunen Würfel betritt, hat nicht den Eindruck, in einem Schulgebäude gelandet zu sein. Kommt die Metallfassade noch einigermassen konventionell daher, ist der 65-Meter hohe Kubus im Innern ein Erlebnis.

Immer wieder bleibt der Blick hängen – an den Sitzflächen im Atrium, die aussehen wie riesige Pappteller auf Stelzen, an den Barhockern der Cafeteria im obersten Stock: Die Sitzflächen sind an den Rändern nach oben geknickt. Das Supplement des Neubaus ist der Dachgarten. Dort gibt es auch ein randloses Wasserbecken, einen sogenannten Infinity-Pool. Ein Student geht vorbei, schaut ins dunkle Wasser und sagt zu seinem Kollegen: «Ich dachte, da hats Koi-Fische drin.»

Nein, teure Zierfische hat die FHNW keine angeschafft. Aber sie hat ansonsten keine Mühen gescheut, dass sich die rund 3500 Studierenden wohl fühlen im jüngsten Bau des Hochschulverbunds. Sie werden umsorgt. Der Kubus ist eine eigene kleine Stadt. Neben einer Mensa und mehreren Cafeterias erwarten die Studenten ein Fitnessraum und im Erdgeschoss eine Coop-Filiale. Was am meisten auffällt am Neubau, der rund 300 Millionen Franken gekostet hat: die grossen Seminarräume, die in den Sockelgeschossen untergebracht sind. Sie haben keine Wände. Stattdessen können sie mit riesigen, an der Decke montierten Vorhängen voneinander abgetrennt werden. So sind frei variierbare Raumgrössen möglich.

Rundgang FHNW Neubau Muttenz
19 Bilder
Der Neubau von Aussen. Tatsächlich ist das Gebäude fast ein gleichförmiger Würfel.
Direkt vor dem FHNW-Neubau wird ein öffentlicher Park angelegt.
Das Kunstwerk "Wie tief ist die Zeit?" Der elf Meter hohe Monolith aus Beton wurde von der Künstlerin Katja Schenker kreiert. Dafür hat sie Hunderte Naturmaterialien in Beton eingegossen. Der liebevolle Spitzname des Monoliths lautet «Nougatstängel».
Die Haupttreppen sind so flach, dass sie fast als Rampen gelten.
Im Erdgeschoss ist jede Seite mit der Himmelsrichtung angeschrieben.
Auch bei den Liftausgängen weiter oben würde man ohne Himmelsrichtung nicht weit kommen.
Im Erdgeschoss gibt es ein Restaurant, das öffentlich zugänglich ist.
Auch die grosse Bibliothek im 3. Stock mit über 100 000 Fachbüchern, Zeitschriften und DVDs ist öffentlich.
Ab der vierten Etage ist der Campus nicht mehr öffentlich. Schmale Wendeltreppen führen hinauf.
Im vierten bis sechsten Stock hat sich die Hochschule für Life Sciences (HLS) einquartiert mit vielen Labors.
Erik Schkommodau, der Leiter des Instituts für Medizintechnik und -informatik der HLS.
Das Beleuchtungskonzept wird kommende Woche einem Stresstest unterzogen.
Im 9. Stock packen Sandra Widmer (l.) und Leticia Venâncio von der PH Kisten aus.
Im 10. Stock sind drei Mitarbeiterinnen der HR-Abteilung noch komplett alleine. Doch nicht mehr lange.
Die Aussicht vom 12. und obersten zugänglichen Stock auf den Bahnhof Muttenz.
Auch im 12. Stock gibt es einen Dachgarten und eine Lounge.
In den beiden Untergeschossen sind vor allem Werkstätten und Grossmaschinen der FHNW untergebracht. Hier ein künstlicher Wasserkanal (r.).
Dominik Ehrsam, Sprecher des Campus Muttenz der FHNW (l.), und der Umzugsleiter Ernst Stalder vor dem Eingang.

Rundgang FHNW Neubau Muttenz

Juri Junkov

Vorlesung als «Social event»

Armin Thalmann sitzt in einem dieser Räume und wartet auf seine Studenten. «So habe ich noch nie unterrichtet», sagt der Mathematik-Dozent, der in Bern wohnt. Die neue, wandlose Form biete ganz neue Möglichkeiten. «Das frühere Modell war so: Vorne steht der Dozent und betet sein Skript herunter – hinten sitzen die Studierenden, die stumm mitschreiben. Das ist vorbei. Heute muss man Inhalte anders vermitteln.» Er gehe so vor, dass er die Studierenden auch immer wieder selber etwas erarbeiten lasse, etwa in Gruppen. Thalmann spricht von einem «moderierten Plenum». Heute müsse eine Lehranstalt für einen «Social Event» sorgen, also einen Raum zur Verfügung stellen, der für Austausch und Dialog geeignet sei.

«Das Wissen selbst», sagt Thalmann, «also das Lehrmaterial und die Vorlesungsskripte, das alles haben die Leute ja schon. Dafür müssen sie nicht den Weg zum Campus unter die Füsse nehmen.»

Der Weg – das ist ein wichtiges Stichwort beim neuen Muttenzer Fachhochschul-Zentrum. Es vereint fünf Hochschulen unter einem Dach. Die Studierenden wohnen in vier Kantonen, ein Teil reist von der anderen Seite des Passwangs in die Basler Agglomerationsgemeinde.

Doch auch für diejenigen, die in den beiden Basel zu Hause sind, hat sich verkehrstechnisch nicht in jedem Fall etwas verbessert mit dem neuen Standort. Ein Pädagogik-Student sagt, er wohne im Oberbaselbiet. Am früheren Standort der Pädagogischen Hochschule in Liestal habe er abends pro Stunde vier Schnellzüge zur Auswahl gehabt. Nun müsse er sich mit der halbstündigen S-Bahn begnügen.

Neue Schnellzug-Halte in Muttenz

Die FHNW und die SBB waren sich schon lange bewusst: Mit dem neuen Hochschulzentrum verändern sich auch die Passagierströme. Der kleine Muttenzer Bahnhof könnte von FHNW-Angehörigen überrannt werden, wenn alle zur gleichen Zeit eintreffen. Zusammen mit dem Kanton Baselland verkündeten die SBB im Herbst 2017, dass künftig zwei Schnellzüge aus Olten vormittags einen Halt in Muttenz einlegen würden, um wenigstens die Spitzen am frühen Morgen zu brechen.

Die SBB haben das Versprechen gehalten. Von Olten her hält der Schnellzug um 8.39 und um 9.39 in Muttenz. Die FHNW hat ebenso ihren Beitrag geleistet. Der Beginn der ersten Lektionen am Morgen ist so gestaffelt, dass nicht alle Studierenden auf einmal in Muttenz einfallen.

Am heutigen Eröffnungstag musste sich das Orientierungssystem bewähren. Es sorgte schon im Vorfeld für Aufsehen. Beim Besuch der bz im Juli verlief sich der Journalist gemeinsam mit dem FHNW-Vertreter im fast fertigen Gebäude – die Reportage erhielt danach in der gedruckten Ausgabe den Titel: «Das grösste Labyrinth der Region». Dabei haben sich die Architekten ein ausgeklügeltes Orientierungssystem ausgedacht. Neben dem Stockwerk und der Nummer wird für jeden Raum auch noch eine der vier Himmelsrichtungen angegeben.

Zumindest am Montag blieb das erwartete Chaos aus. Dafür sorgten nicht zuletzt die zwanzig freundlichen Menschen in neon-gelben Westen mit dem Aufdruck «Bildungslotsen»: Die jungen Helfer führten Verirrte auf den rechten Pfad zurück.

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