PCB-Verunreinigung
Ein Aargauer Stausee empört die Baselbieter Fischer

Verseuchte Sedimente aus dem Klingnauer Stausee im Kanton Aargau sollen in den Rhein geleitet werden. Baselbieter Fische finden dieses Vorgehen »sehr befremdlich». Die bz hat bei den drei betroffenen Kantonen nachgefragt.

Boris Burkhardt
Merken
Drucken
Teilen
Blick auf den Klingnauer Stausee mit Döttingen (links), Klingnau (Mitte) und dem AKW Leibstadt (im Hintergrund).

Blick auf den Klingnauer Stausee mit Döttingen (links), Klingnau (Mitte) und dem AKW Leibstadt (im Hintergrund).

bz Basellandschaftliche Zeitung

Der Kanton Aargau plant die Ausbaggerung des Klingnauer Stausees an der Aare, kurz oberhalb der Mündung bei Leibstadt. Dabei würde voraussichtlich PCB-versetzter Schlamm in den Rhein geleitet. Der Baselbieter Fischereiverband reagierte in einem Bericht des «Regionaljournal Basel» empört auf dieses Vorhaben. Verbandspräsident Urs Campana findet den Entscheid des Kantons gegenüber der bz «sehr befremdlich». Die geplanten 14000 Kubikmeter Aushub würden sich beim momentanen Niedrigwasser schnell auf dem Flussboden festsetzen; und «alles darunter» würde absterben. Die Fische im Rhein seien bereits jetzt schon PCB-belastet. Ausserdem habe es keine Absprache mit den unterliegenden Kantonen gegeben.

Die bz hat bei den drei betroffenen Kantonen Aargau, Baselland und Basel-Stadt nachgefragt und die Aussagen zusammengefasst.

Wann wird ausgebaggert? Norbert Kräuchi, Abteilungsleiter Landschaft und Gewässer des Aargaus, rechnet mit Arbeitsbeginn frühestens im nächsten Frühjahr. Diesen Monat sprach der Kantonsrat den Kredit für die Massnahmen. Trotz einer anhängigen Einsprache des Aargauer Fischereiverbands hat die Verwaltung die Arbeiten bereits ausgeschrieben. «Wir suchen die umwelttechnisch optimale Variante, die mit dem gesprochenen Budget machbar ist», verspricht Kräuchi.

Wieviel PCB ist im Stausee? Das Schmier- und Dämmmittel PCB ist in der Schweiz seit den Achtzigern verboten. Durch Luftverfrachtungen gelangen laut Kräuchi aber auch heute noch geringe Mengen von PCB in die Schweizer Gewässer. Die Belastung im Klingnauer Stausee lägen unterhalb der internationalen Grenzwerte. Diese dürften das Anderthalbfache des durchschnittlichen PCB-Wertes einer Region betragen, präzisiert Manfred Beubler, Basels Abteilungsleiter für Gewässerschutz. Es lohne sich aus ökologischer Sicht nicht, Mengen unter dem Grenzwert mit Lastwagen abzutransportieren und neue Deponien dafür zu errichten.

Sind die Fische im Rhein PCB-belastet? Der Baselbieter Kantonstierarzt Ignaz Bloch bestätigt das: «Wir haben Fangbeschränkungen aufgrund des PCB-Gehalts in den Fischen ausgesprochen.» Beubler kann darin aber keinen Zusammenhang mit der anstehenden Ausbaggerung erkennen: Das PCB sei bereits im Wasser, die Fische ihm so oder so ausgesetzt. Kräuchi ergänzt: «Jedes Flusstier, das Fett anreichert, hat PCB-Probleme.»

Wird sich das PCB auf dem Rheinboden ablagern? Bloch hält das im Baselbieter Rhein grundsätzlich für möglich. Auf dem Gebiet des Stadtkantons gibt Beubler aber Entwarnung: «Wir haben bei allen Untersuchungen nur groben Kies auf dem Rheinboden gefunden. Es findet keine Sedimentablagerung statt.» Der springende Punkt sei, dass das PCB nicht zusätzlich in den Rhein geleitet würde, sondern bereits im Wasser sei. Schadstoffe wie PCB würden durch Ausbaggerungen ständig von einem Stauwehr zum folgenden weitergegeben.

Wurden die Anrainerkantone informiert? Bloch hat nach eigener Aussage noch keine konkreten Fakten über die Ausbaggerung: «Wir möchten abwarten, was genau gemacht werden soll. Dann werden wir entscheiden, ob wir aktiv werden.» Laut Kräuchi steht der Kanton Aargau mit beiden Basel und den deutschen Landkreisen in Kontakt: «Wir werden informieren, falls wir Sedimente in den Rhein einleiten.»