Allschwil
Ein Bahnanschluss für Allschwil: Früher gewünscht, heute uninteressant

1887 wurde die Eisenbahn gefordert, heute will sie keiner mehr – warum eigentlich? Die Verkehrssituation hat sich seit damals grundlegend geändert. Wirtschaft und Politik setzen auf den Strassenverkehr, die Eisenbahn ist nicht interessant.

Boris Burkhardt
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In Zukunft können die Pendler über eine S-Bahn-Haltestelle Morgartenring in den Bachgraben kommen.

In Zukunft können die Pendler über eine S-Bahn-Haltestelle Morgartenring in den Bachgraben kommen.

Kenneth Nars

Die Zeiten ändern sich: 1887 erhoffte sich der Ingenieur Theodor Lutz durch den Bau einer Bahnstrecke vom Bahnhof St. Johann über Allschwil Richtung Hegenheim, Häsingen, Blotzheim und Bartenheim mit einer Länge von 14,4 Kilometern eine «Hebung der Volkswirtschaft», namentlich «neue Erwerbsquellen, Erstellung von Lagerhäusern und Fabriken, weil der Landpreis, die Lebensmittel und Arbeitslöhne im Verhältnis zu anderen Landesteilen in dieser Gegend sehr billig sind».

Die Allschwiler Bahnverbindung wäre bei der Schützenmatte von der Strecke der Schweizerischen Centralbahn abgezweigt und hätte beim Bartenheimer Bahnhof wieder in die Reichseisenbahn Elsass–Lothringen gemündet. Allschwils Bevölkerung und Gemeinderat unterstützten damals die Planung; sie scheiterte letztendlich an der Weigerung beider Staatsbahnen, die Linie jeweils an ihr Netz anzuschliessen. Weitere Bemühungen 1895 und in den 1920ern, Allschwil ans Bahnnetz anzubinden, waren ebenfalls erfolglos.

Heute hat sich die Verkehrssituation grundlegend geändert: Wirtschaft und Politik setzen in Allschwil voll auf den Strassenverkehr; ein Bahnanschluss ist keine interessante Alternative mehr.

Die Handelskammer beider Basel hält es für «absolut prioritär», sich auf den Autobahnzubringer und die Umfahrung Allschwil zu konzentrieren. «Ein Gleisanschluss ist dermassen schwierig und kritisch, dass es nie ein Thema bei der Entwicklung war», sagt auch Werner Nüesch vom Bürgerspital Basel, Miteigentümer des neu erschlossenen Gewerbeareals «BaseLink» im Bachgraben.

Für einen besseren Anschluss ans Elsass und den Euro-Airport (EAP) fordert er statt einer Bahn eine Verlängerung der Strasse Route des Carrières Richtung Häsingen, die schon lange geplant und ausgewiesen sei.

Kein Raum für die Trasse

Auch die SBB halten einen Anschluss aufgrund des dicht bebauten Gebiets, das kaum Raum für eine neue Trasse biete, für «äusserst schwierig». Als Verbindung zum EAP seien zwar «grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten in der Linienführung denkbar», erklärt Sprecherin Lea Meyer; die Diskussion um eine neue Linienführung würde das Vorhaben allerdings «eher verzögern».

Die elsässischen Gemeinden können der Idee ebenfalls wenig abgewinnen: Der Gemeindeverband Communauté des Communes des Trois Frontières (CC3F) wünscht sich als Pendleranschluss viel eher eine neue Tramverbindung von Hegenheim über den Novartis-Campus zum Badischen Bahnhof. Die Mehrzahl der elsässischen Grenzgänger habe ihr Ziel im Zentrum und Norden Basels; der Bus von Hegenheim zum Bachgraben würde schlecht genutzt, erklärt Hubert Vaxelaire, Verkehrsplaner beim CC3F.

Die Idee, die vor 130 Jahren eine grosse wirtschaftliche Innovation verhiess, verläuft heute also trotz des technischen Fortschritts erneut im Sande. Dabei fürchtet selbst Allschwils zuständiger Gemeinderat Robert Vogt gerade das, was damals der Grund für die Planung der Linie war: «Die Strecke würde durch zersiedeltes Gebiet führen und dort einen neuen Bauboom auslösen; wir müssen uns auf die bestehenden Achsen konzentrieren.»

Deshalb fordert der Gemeinderat Allschwil als realistischere Alternative die geplante S-Bahn-Haltestelle Morgartenring, wo es schon jetzt einen guten Anschluss an Tram und Bus gebe. Allerdings, erklärt Vogt, müsste erst die Elsässerbahn, die bereits am Kapazitätslimit sei, dafür ausgebaut werden. Als weitere Alternative könnte sich Vogt persönlich auch eine neue Tramlinie vom Bahnhof St. Johann zum Bachgraben vorstellen, geht aber davon aus, dass der Morgartenring eher eine Chance auf Verwirklichung hat.

Morgartenring hat beste Chancen

Dem stimmt der Leiter der Basler Mobilitätsplanung Benno Jurt zu: In der Studie zum Tramnetz, an der auch Baselland mitgewirkt habe, sei vor 2025 keine Verbindung von St. Johann nach Allschwil vorgesehen, lediglich eine Verlängerung der Linie 8 vom Bahnhof SBB. Die S-Bahn-Haltestelle Morgartenring habe hingegen Potenzial: «Der Kanton ist dafür sehr offen.» Jedoch müssten die S-Bahnen eine solche Haltestelle mindestens im Viertelstundentakt anfahren, damit sie von den Pendlern angenommen würde. Die Planungen für den Morgartenring werden laut Jurt mit der trinationalen Angebotsstudie für die Regio-S-Bah abgestimmt. Die Ergebnisse der Studie erwartet er im Herbst.

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