Liestal
Ein Banntägler fordert, dass Schüler am Banntag nicht mehr freihaben sollen

Der Liestaler Banntag 2014 ist – gut gelungene – Geschichte. Trotzdem steht er nächste Woche im Einwohnerrat im Fokus der Politik. Einwohnerrat Hanspeter Meyer schmerzt, dass die Jugendlichen lieber in den Europapark gehen.

Andreas Hirsbrunner
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Die Ausnahme von der Regel: Dieser junge Liestaler lebte den diesjährigen Banntag mit Haut und Haaren.

Die Ausnahme von der Regel: Dieser junge Liestaler lebte den diesjährigen Banntag mit Haut und Haaren.

Roland Schmid

Für die Diskussion sorgt nicht wie in früheren Jahren ein Banntagskritiker, sondern mit Hanspeter Meyer (SVP) ein eingefleischter Banntägler. Was er mittels Postulat verlangt, sieht allerdings auf den ersten Blick tatsächlich aus wie ein Vorstoss von einem Gegner: Meyer will, dass der Banntag künftig in Liestal nicht mehr schulfrei ist und dass auch die Stadtverwaltung an diesem für viele Liestaler Männer höchsten Feiertag arbeiten muss.

Hinter dem Vorstoss steckt aber nicht die Absicht, die Bedeutung des Banntags zu mindern, sondern ein tiefer Frust, wie ihn viele Banntägler Jahr für Jahr erleiden, wenn sie am Montagmorgen vor Auffahrt mit Stock, Hut und Maien über den Bahnhof zum Banntagsstart ins Stedtli schreiten. Beim Bahnhof müssen sie nämlich mitansehen, wie eine Vielzahl von Liestaler Jugendlichen in die bereitstehenden Busse steigen, die sie in den Europapark nach Rust bringen. Dort ist für sie der Profit vom freien Montag ein doppelter: Sie können sich nicht nur vergnügen, während alle anderen Jugendlichen im Dreiland die Schulbank drücken, sondern sie müssen deswegen bei den Bahnen auch nicht anstehen.

Mütter leiteten Exodus ein

Kein Wunder, schwindet die Zahl jener Kinder, die am Banntag teilnehmen, mehr oder weniger stetig. Hanspeter Meyer schätzt die diesjährigen Bannumgänger unter 16 Jahren auf eineinhalb Dutzend. Der banntägliche Exodus nach Rust habe vor etwa einem Viertel Jahrhundert begonnen, als Mütter die ersten Reisen dorthin organisiert hätten, sagt Meyer. Er will nun mit seinem Vorstoss eine Diskussion anstossen, die den Banntagsbrauch und die Teilnahme daran in den Schulen wieder zum Thema macht. Meyer: «Ich sehe nicht ein, wieso die Schulen einen freien Tag haben sollen, wenn sie ihn gar nicht brauchen.»

Dasselbe gelte für die Verwaltung. Früher, als er noch dort gearbeitet habe – Meyer war von 1979 bis 2000 Liestaler Stadtschreiber –, sei die Teilnahme am Banntag «ein Muss» gewesen. Heute sei das jedoch nicht mehr so; zudem seien viele Frauen und Auswärtige auf der Stadtverwaltung tätig, die gar nicht am Banntag teilnehmen könnten. Wird der schul- respektive arbeitsfreie Banntag abgeschafft, sollten jedoch jene Verwaltungsangestellten, Schüler und Lehrer, die daran teilnehmen möchten, eine Bewilligung einholen können, fordert Meyer in seinem Vorstoss weiter.

Stadtrat will weiterhin Feiertag

Der Liestaler Stadtrat hat an seiner gestrigen Sitzung jedoch beschlossen, dass er Meyers Postulat nicht entgegen nehmen möchte. Stadtpräsident Lukas Ott begründet dies damit, dass der Banntag in Liestal ein örtlicher Feiertag sei «mit dem dafür typischen Kennzeichnen, dass die Schüler unserer Schule und das Gemeindepersonal freihaben». So würden auch andernorts lokale Feiertage von gesellschaftlichem oder religiösem Rang gefeiert. Und Ott weiter: «Auch wenn der Grund vieler solcher Feiertage in unserer Gesellschaft längst verschwommen ist, schaffen wir sie deshalb nicht ab.»

Ott weist auch darauf hin, dass der Vorstoss ein Problem des Banntags zum Ausdruck bringe: «Der Banntag wächst nicht mehr von oben nach unten – sprich von Alt nach Jung – in die Gesellschaft.» Von vielen werde der eigentliche Grund, wieso der Banntag ein Feiertag ist, gar nicht mehr wahrgenommen und wie bei anderen Feiertagen auch habe sich «die Verbindlichkeit der Handlungen und Symbole gewandelt». Und der Stadtpräsident bedauert: «Dieser Wandel müsste zur Frage führen, welche neue Gestalt der Feiertag annehmen kann, anstatt ihn abzuschaffen. Leider stellt das Postulat gerade diese Frage nicht.»

Ott verweist im Weitern darauf, dass die Kompetenz zur Festlegung von Feiertagen für das Gemeindepersonal beim Stadtrat und jene für die Schüler beim Primar- respektive Sekundarschulrat liege. Dies heisst, dass der Einwohnerrat nur seine Meinung äussern, aber nichts beschliessen kann.

Schulrat offen für Änderung

Zumindest bei der Präsidentin des Liestaler Sekundarschulrats, Mirjam Streicher, stösst Meyer mit seinem Vorstoss aber auf offene Ohren. Sie sagt: «Wir haben vor vielen Jahren im Nachgang zur Primarschule den Banntag an der Sekundarschule als schulfreien Tag festgelegt. Seither haben wir nie mehr darüber diskutiert. Wenn nun das ursprüngliche Ziel, dass die Jugendlichen am Banntag teilnehmen, weggefallen ist, muss man das Ganze wieder anschauen.» Und Sek-Schulleitungsmitglied Jürg Aeberhard ergänzt: «Wir spüren eine Trendwende, dass mehr Schüler nach Rust und weniger an den Banntag gehen.» Die Lehrer hingegen arbeiteten in der Regel am Banntag, so sei der letzte als Weiterbildungstag genutzt worden.