Swiss-Pass
Ein Blick allein reicht nicht: Kontrolleure müssen mehr Zeit investieren

Seit August gibt es den Swiss-Pass. Auf der roten Karte sind Abos wie GA oder Halbtax gespeichert. Viele Kontrolleure scannen den Swiss-Pass aber gar nicht. So gehen ihnen wohl nicht wenige Schwarzfahrer durch die Lappen.

Julia Gohl
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Der Swiss-Pass macht nur Sinn, wenn er mithilfe eines Smartphones kontrolliert wird. Thomas Hodel

Der Swiss-Pass macht nur Sinn, wenn er mithilfe eines Smartphones kontrolliert wird. Thomas Hodel

Thomas Hodel

Der Kontrolleur wirft einen Blick auf den Swiss-Pass, sagt Danke und geht weiter. Diese Geschichte, die sich vergangene Woche im Tram zugetragen hat, hat ein irritierter Leser erlebt. «Er weiss so ja gar nicht, ob ich ein Generalabonnement oder ein Halbtax habe, und ob das Abo überhaupt gültig ist.» Dem vor einem halben Jahr von der SBB eingeführten Swiss-Pass sieht man nämlich nicht an, welches Abo sein Besitzer oder seine Besitzerin gelöst hat. Erst wenn man ihn scannt, wird dies ersichtlich.

«Dass dies nicht gemacht wurde, muss eine Ausnahme gewesen sein», ist Andreas Büttiker überzeugt. Dem Direktor der Baselland Transport AG (BLT) seien zwar ähnliche Meldungen bekannt, die – wie er betont – nicht nur die BLT, sondern auch andere regionale Transportunternehmen betreffen. «Aber das sind Einzelfälle.» Zudem müsse jeweils auch geprüft werden, ob der Vorfall nicht etwa mehrere Wochen zurückliege. «Am Anfang hatten wir nämlich ab und an Probleme beim Scannen der Swiss-Pässe.» Mittlerweile habe sich das System allerdings weiterentwickelt und funktioniere grundsätzlich.

«Es kann immer Gründe geben, warum trotzdem einmal auf das Scannen verzichtet werden muss», so Büttiker. Als Beispiel nennt er das Aussteigen eines Kontrolleurs mit einem Schwarzfahrer. Dann verlasse auch der Rest des Teams das Tram und habe vielleicht nicht mehr genügend Zeit, vorher alle Tickets und Abos intensiv zu kontrollieren. «Sollte aber aus reiner Bequemlichkeit auf das Scannen verzichtet werden, schreiten wir auf jeden Fall ein.»

Bei den Baseler Verkehrsbetrieben (BVB) teilt man auf den Vorfall angesprochen mit: «Das Kontrolldienstpersonal ist angewiesen, sämtliche Swiss-Pass-Karten mit dem entsprechenden Gerät zu scannen.» Auch bei ihnen funktioniere das mittlerweile einwandfrei. «Die Einführung des Swiss-Pass war auch für die BVB Neuland, mittlerweile hat sich das Ganze aber gut eingespielt», sagt Mediensprecher Benjamin Schmid.

«Alles wie gewünscht»

Zur Überprüfung der von den Schweizer Bundesbahnen (SBB) im August eingeführten Swiss-Pässe haben sich die BVB 36 Kontrollgeräte angeschafft: handelsübliche Smartphones mit Android-Betriebssystem. Die Beschaffung dieser Geräte kostete die BVB 28 000 Franken. Die Software dafür stellen die SBB kostenlos zur Verfügung.

Die Postauto Schweiz AG hat sich schweizweit 1000 Geräte zur Swiss-Pass-Kontrolle angeschafft. Auf die Region Nordschweiz, die unter anderem die Kantone Baselland, Basel-Stadt, Aargau und Solothurn umfasst, entfallen davon 20 Geräte. Zum Preis gibt das Unternehmen keine Auskunft. «Es handelt sich um eine Art robuste Industrie-Smartphones», erläutert Mediensprecher Urs Bloch. «Wir sprechen deshalb vom typischen Preissegment für ein gutes Smartphone.» Schwierigkeiten mit der Kontrolle der Pässe gebe es seit den mittlerweile behobenen Softwareproblemen von Ende 2015 nicht mehr. «Jetzt funktioniert alles wie gewünscht.»

Die BLT schaffte sich für die Swiss-Pass-Kontrolle insgesamt 15 Geräte an, die je zwischen 700 und 800 Franken kosteten, sie hat insgesamt also etwas über 10'000 Franken investiert. Dasselbe Samsung-Modell hat sich auch die Autobus AG Liestal (AAGL) angeschafft. Insgesamt sind dort vier Geräte für die Kontrollen vorhanden. Zu Beginn hatte man auch bei der AAGL gewisse Probleme bei der Kontrolle, mittlerweile seien diese aber behoben, so Geschäftsleitungsassistentin Vera Distel.

Zusätzliches Personal musste bei keinem der Transportunternehmen eingestellt werden. «Zwei Drittel unserer Passagiere haben ein U-Abo», weiss Distel. «Dazu kommen noch Einzelfahrten und Mehrfahrtenkarten. Der Swiss-Pass macht also nur einen sehr kleinen Teil der zu kontrollierenden Billette aus.» Zwar brauche die Kontrolle des Swiss-Passes länger als bei anderen Tickets, weil jedes Mal gescannt werden muss. Durch die geringe Anzahl Swiss-Pässe steigert sich die benötigte Zeit für Kontrollen allerdings nicht merklich.

Vom U-Abo hängts ab

Bis bekannt wird, ob auch weiterhin mit derselben Anzahl Kontrolleure gearbeitet werden kann, dauere es noch ein paar Jahre, glaubt Büttiker. «Sollten auch die U-Abos einmal auf den Swiss-Pass geladen werden, ist nämlich zu befürchten, dass die Kontrollen deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen.» Ob und wann es so weit sein wird, steht nicht fest. Der Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) rechnet die Möglichkeit zurzeit durch und beobachtet die Erfahrungen in Genf und Lausanne, deren regionale Tarifverbünde Ende Jahr auf den Swiss-Pass umsteigen wollen.

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