Allschwil
Ein Dorf zeigt sein Fachwerk an den Denkmaltagen

Am 12. und 13. September finden die Baselbieter Denkmaltage statt. Seit einigen Jahren konzentrieren sich die Aktivitäten von diesem Anlass auf einen Ort. In diesem Jahr ist die Gastgebergemeinde Allschwil.

Boris Burkhardt
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Die Schönheit der Allschwiler Riegelhäuser kann demnächst von innen und aussen betrachtet werden.

Die Schönheit der Allschwiler Riegelhäuser kann demnächst von innen und aussen betrachtet werden.

zvg/Denkmalpflege Baselland

Allschwils Dorfkern – das wird auch jenen aufgefallen sein, die nur hin und wieder dort sind – ist ausserordentlich reich an Fachwerkhäusern. 120 sind es an der Zahl: Kein Ort in der Nordwestschweiz hat mehr davon, wie Walter Niederberger von der Kantonalen Denkmalpflege sagt. An den Europäischen Tagen des Denkmals am 12. und 13. September werden fünf davon ihre Türen für Neugierige öffnen. Einige sind vor kurzem renoviert worden; anderen steht die Sanierung kurz bevor.

Familie Nyffeler-Suljic hat jüngst den Umbau ihres 217 Jahre alten Hauses in der Neuweilerstrasse abgeschlossen. Das Haus zum Blauen Letten an der Kirchgasse wurde Anfang des Jahres von einer Genossenschaft aus Fachleuten und Liebhabern des Fachwerkbaus gekauft, welche die Baugeschichte untersuchen und ein Sanierungskonzept entwickeln.

Das über 400 Jahre alte Sundgauerhaus an der Hegenheimerstrasse wurde vom Eigentümer, der als Holzrestaurator arbeitet, mit alten Bauteilen wie Öfen und Türen aus der Region so eingerichtet, wie es damals ausgesehen haben könnte. Das Fachwerkhaus an der Baslerstrasse wurde sogar vor vier bis fünf Jahren aus dem elsässischen Blotzheim vor dem Abriss gerettet und in Allschwil wieder aufgebaut. Dafür muss man wirklich Herzblut in die Sache stecken: Die Eigentümerin ist eine Bauforscherin.

Deckengemälde der Dorfkirche St. Peter und Paul als Highlight

Leute mit Herzblut brauche es, um die Tage des Denkmals durchzuführen, sagt Niederberger: «Wir sind darauf angewiesen, dass sich die Gemeinde und die Einwohner einbringen.» Der Kanton Baselland hat es sich seit einigen Jahren zur Gewohnheit gemacht, die Aktivitäten für die Tage des Denkmals auf einen Ort zu konzentrieren.

Dass die Wahl heuer auf Allschwil gefallen ist, liegt laut Niederberger an der laufenden Restauration der heute christkatholisch genutzten Dorfkirche St. Peter und Paul aus dem Jahr 1698 mit klassizistischer Ausstattung von 1841.

Die Besucherinnen und Besucher haben die Möglichkeit, auf dem bestehenden Gerüst den Deckengemälden bis auf zwei Meter nahezukommen – eine Perspektive, die es für die nächsten 30 bis 40 Jahre nicht mehr geben werde, wie Niederberger betont.

Auch die Dorfmuseen öffnen die Tore

Vor dem Pfarreisaal, nicht unweit der Kirche, werden die Denkmaltage am Samstag, 12. September, um 12.30 Uhr eröffnet. Die Gemeinde lädt zu einem Apéro riche ein, der von der Musikgesellschaft Concordia umrahmt wird. Die Eröffnung und der Besuch der Kirchenbaustelle sind die beiden einzigen Veranstaltungen der Denkmaltage, für die aus Hygienegründen eine Anmeldung nötig ist.

Fünf ausführliche Dorfrundgänge

Keine Anmeldung hingegen braucht es für die fünf Dorfrundgänge: Allschwils Dorfhistoriker Max Werdenberg führt auf den Spuren der Fachwerkhäuser, in der Schweiz auch Riegelhäuser genannt, durch den Ortskern. Niederbergers Chefin bei der Denkmalpflege, Brigitte Frei-Heitz, konzentriert ihren Rundgang auf die Schönenbuchstrasse, wo sich neben vielen Fachwerkhäusern die ehemalige Schmiede, die Dorfkirche, das Pfarrhaus und ein altes Schulhaus befinden. Hansjörg Stalder, Präsident der Denkmal- und Heimatschutzkommission, geht an drei Schulhäusern der Frage nach dem Zusammenhang zwischen Pädagogik und Schulhausarchitektur nach.

Die Testplanung für die Weiterentwicklung der alten Ziegelei an der Binningerstrasse, an der mehrere Architekturbüros teilnehmen, erläutert Jürgen Johner, Abteilungsleiter Entwickeln Planen Bauen der Gemeinde Allschwil. Ortsbildpfleger Philippe Allemann erklärt anhand zum Teil missglückter Baubeispiele die Zielsetzung von ISOS, dem Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung: Die Denkmalpflege will Gemeinden mit diesem Inventar Empfehlungen geben, wo ganze Ortsbilder, also das Zusammenwirken von Architektur, Stadtplanung und Grünanlagen, schützenswert sind – zum Beispiel in der Ziegelei.

Beim fünften Fachwerkhaus handelt es sich um das Heimatmuseum an der Baslerstrasse. Es wurde 2015 für den Publikumsverkehr geschlossen; derzeit nutzen es Vereine. Der Kulturbeauftragte der Gemeinde Allschwil, Jean-Marc Wyss, erarbeitet ein neues Konzept für die künftige Museumsnutzung ab 2023, das in einer Ausstellung präsentiert wird. Aber auch das alte Museum, das im Stil eines Bauernhauses aus der Mitte des 19. Jahrhunderts eingerichtet ist, öffnet noch einmal an diesem Denkmalwochenende.

In Allschwil ist ausserdem die römisch-katholische Kirche aus den Sechzigern zu besichtigen, als weiteres Denkmal ausserhalb Allschwils die Ruine Farnsburg in Ormalingen.

Infos und Anmeldung
www.denkmalpflege.bl.ch

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