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Ein Einbruch, von allen Seiten betrachtet – Zu Besuch beim Filmdreh der Baselbieter Polizei

Die Baselbieter Kantonspolizei dreht mit echten Polizisten einen Werbefilm in einem Liestaler Wohnhaus.

Michel Ecklin
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Imagefilm der Polizei Baselland
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Der Einzige, der wohl nicht wusste, dass dies kein richtiger Einsatz ist, ist Spürhund Fuego.
Polizeihund Fuego auf Spurensuche

Imagefilm der Polizei Baselland

Roland Schmid

Der einzige, der gestern wirklich an einen Ernstfall glaubte, war Fuego. Voller Elan rannte der Polizeihund der Baselbieter Polizei ins Einfamilienhaus in Liestal, sprang die Treppen hoch, bellte, schnüffelte, hechelte wild auf der Suche nach einem Einbrecher, begleitet von den Rufen seines Herrchens: «Polizei, rauskommen! Wir haben einen Hund!» Man hätte nicht der Einbrecher sein wollen, der Fuego in die Quere kommt. Denn wie jeder Polizeihund beisst er zu, sobald man ihm zu entkommen versucht.

Nur: Es gab gestern weit und breit gar keinen Einbrecher – keinen richtigen zumindest. Und die Polizisten waren zwar echt, aber sie spielten Rollen, nämlich im Präventions- und Rekrutierungsfilm, den die Baselbieter Kantonspolizei gestern und heute dreht. Dieser zeigt die Geschichte eines Einbruchs, vom Herumstreunen der Täter bis zur Verhaftung.

Dazwischen rast die Polizei mit Blaulicht zum Tatort, lässt Fuego bellen und den Täter suchen, und eine Polizistin zückt die Waffe. Die Forensikabteilung der Kantonspolizei sammelt Spuren und wertet sie aus, es gibt abgehörte Telefongespräche und eine Strassenkontrolle, und natürlich gibt es ein Happy End: Die Täter werden gefasst, an ihrem fiktiven Wohnort in Sissach.

Einbruchspezialisten am Werk

«Wir wollen im Film alle Facetten des Polizeiberufs zeigen», sagt Adrian Gaugler, Sprecher der Baselbieter Polizei. Denn die paar Minuten Spielzeit richten sich an Polizeiaspiranten, sollen aber auch das Image der Polizei fördern. Produziert wird der Film von Profis, doch die 16 Schauspieler sind alle Laien, nämlich Mitglieder der Kantonspolizei, die sich freiwillig gemeldet haben.

Sogar die Einbrecher sind im echten Leben Polizisten – naheliegenderweise aus der Präventionsabteilung. «Wir wissen am besten, wie echte Einbrecher vorgehen», sagt einer der fiktiven Übeltäter und blickt kritisch auf die Terrassentüre, die er mit einem Brecheisen aufkriegen soll. «Da kann man fast nichts abschliessen. Hier würde ich auch einbrechen.» Die Baselbieter Polizei hat bereits Werbefilme produziert. Aber zum ersten Mal wird jetzt in 360-Grad-Technik gedreht.

Extra für den Film der Baselbieter Polizei hat der französische Kameraspezialist Michael Dailly eine Obsidian R zum allerersten Mal in die Schweiz gebracht. Die Kamera hat sechs Objektive, die nach langwierigen Computerberechnungen ein nahtloses Rundumbild ergeben. So kann man die Kamera zum Beispiel an einer Hausecke aufstellen, und erst flüchten die Einbrecher der einen Hauswand entlang, während von der anderen Seite her die Polizei anzurennen kommt. Online wird man mit der Maus in diejenigen Abschnitte hineinzoomen können, wo die Action ist, und kriegt trotzdem die Stimmung rundherum mit.

Nochmals echter wird das Erlebnis mit einer Virtual-Reality-Brille. Da wird man sich mit Kopfbewegungen mitten im Geschehen umsehen können. Möglichst realistisch soll der Film in wenigen Minuten zeigen, was eine Einbruchsmeldung bei der Polizei alles auslöst. Unrealistisch ist auf dem Filmset nur, dass der Hausbesitzer – auch er ist Polizist – seine eigenen Hunde im obersten Stockwerk eingesperrt hat. Die Tiere wären sonst vom jagenden Fuego zu Tode erschreckt worden, sagt seine Frau.

Sie hat noch etwas anderes getan, was ihr bei einem echten Einbruch nie in den Sinn gekommen wäre: «Ich habe den Einbrechern einen Kaffee angeboten.»