Pratteln
Ein fast gewöhnlicher Freitagabend ohne Cherusball

In diesem Jahr fiel der Cherusball dem Corona-Virus zum Opfer. Daher wurde in Pratteln kein traditioneller Fasnachtsabschluss gefeiert. Aber ein spezieller.

Alain Heckel
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Schnitzelbängg trotz Absage in Pratteln: RätschBase (links, mit Freundin)

Schnitzelbängg trotz Absage in Pratteln: RätschBase (links, mit Freundin)

Alain Heckel

Die Hallen blieben am Freitag geschlossen, auch das «Fonduestüble» nahm den Betrieb nicht auf. Weil nur knapp 40 Leute Platz gehabt hätten, machte dies auch wenig Sinn. Aber vielleicht, so hoffte manch Fasnächtler, kommen die fasnachtsbegeisterten Prattlerinnen und Prattler ja in den Beizen rund um den Schmittiplatz, den Hotspot der Prattler Fasnacht, dennoch zusammen und feiern den Abschluss auf alternative Weise? Die bz nahm einen Augenschein.

Der Weg führte zunächst ins Restaurant zum Park, dessen schöne Fasnachtsdeko an diesem kalten Abend besonders einladend wirkt. Die Gaststätte ist ordentlich besucht, die Laune der Gäste bestens. «Wir lassen uns jeden Freitag volllaufen, ob Fasnacht oder nicht, spielt keine Rolle», meint einer scherzhaft. Fasnächtler in Zivil sucht man aber vergebens, auch wenn gerade Roland Recher, der in diesem Jahr die Mehlsuppe ausgeschenkt hat, eintritt. «Es ist ein gewöhnlicher Freitagabend», bestätigt Pächter Franco De Battista. Er beklagt sich nicht, «schliesslich hatten wir ja am Sonntag und am Dienstag unsere Fasnacht und entsprechend viele Leute hier. Da hat es andere Gemeinden viel schlimmer erwischt.»

Draussen deutet nichts auf Fasnacht hin

Ein paar Meter weiter steht das Restaurant Central, in dem praktischerweise Christoph Pfirter anzutreffen ist. Der Vize-Obmaa des Prattler Fasnachtskomitees (Fako) ist allerdings nicht in «offizieller Mission» unterwegs. Pfirter hat sich mit ein paar Kumpels – einige sind Fasnächtler, andere nicht – getroffen, um etwas zu trinken. «Mein Besuch hat nullkommanichts mit Fasnacht zu tun», betont er und erklärt, dass es keinen Sinn macht, weitere Beizen im Dorf nach fasnächtlichem Treiben abzuklappern. «Da ist auch nichts los!» Doch dann hat Pfirter doch noch einen nützlichen Hinweis: «Im Egglisgraben ist der Rest des Fako und präsentiert einander seine Schnitzelbängg.»

25 Minuten Fussmarsch und gefühlte tausend Höhenmeter später deutet vor dem Restaurant Egglisgraben nichts auf eine Fasnachtsveranstaltung hin. Doch im Inneren bestätigt der Kellner Christoph Pfirters Tipp: Im hinteren Teil sitzt etwa ein Dutzend Leute («Wir haben penibel darauf geachtet, dass wir unter Tausend bleiben ...»). an einem langen Tisch. Larven und Goschdym sind zu Hause geblieben, aber die Helgen sind da. Nach dem Abendessen steht einer nach dem anderen auf und präsentiert einander seine Bängg.

Wie in Pratteln gewohnt, wird viel Lokales – von der Heirat Philipp Schochs über die Abschiede der Gemeinderäte Rolf Wehrli und Emanuel Trueb bis hin zur Ausstellung der päpstlichen Schweizer Garde – thematisiert. Auf nationaler Ebene beflügelten genderneutrale Verkehrsschilder, die Umbenennung des Meitlibei und die durch eine Schutzmaske verschönerte Magdalena Martullo-Blocher die Kreativität. International kam man nicht um Greta Thunberg herum, wie ein Bangg der RätschBase zeigt:

Dr Roger meint zur Mirka z’Nacht im Ehebett,

dass är gärn nomol e Buschi wett.

Sone Meiteli das chiem uns no gläge

und mir chönnte ihm denn eifach Greta säge.

Do meint d Mirka, es chunt jo keis ellei –

es wärde sicher wieder zwei!

Eine gute Dreiviertelstunde wird geschmunzelt, gelacht, geklatscht und hin und wieder sogar fotografiert. Dann kommt das Dessert, und im Egglisgraben ist es fortan auch das, was es in den Beizen im Dorf bereits ist: ein gewöhnlicher Freitagabend.