Mein Schrebergarten
Ein Garten, der in die Höhe schiesst

Seit 32 Jahren pflegt und hätschelt Elsbeth Graf ihr «Paradiesli» vor den Toren der Stadt.

Michel Ecklin
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Elsbeth Graf zeigt ihren geliebten Schrebergarten im Bachgrabengebiet.
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In Elsbeth Grafs Garten gibt es keine flachen Beete.
In Elsbeth Grafs Garten gibt es keine flachen Beete.
Mein Schrebergarten Folge 1: Elsbeth Graf und ihr «Paradiesli»
Inmitten des Grüns sind Spielereien und seltene Pflanzen versteckt.

Elsbeth Graf zeigt ihren geliebten Schrebergarten im Bachgrabengebiet.

Martin Toengi

Jeden Morgen in aller Frühe steht Elsbeth Graf in ihrem Garten und spricht mit ihren Pflanzen. Manchmal singt sie ihnen sogar etwas vor. «Man muss seine Pflanzen gern haben, sonst wachsen sie falsch», sagt sie. Man könne ihnen aber auch drohen, etwa indem man sie nahe an den Kompost verlege. «Dann kommen sie plötzlich wieder gut.» Und die vielen Eidechsen auf ihren Holzhaufen kennt sie persönlich. «Ich bin überzeugt, dass sie Menschen erkennen.»

Die rüstige Rentnerin lacht, wenn sie das sagt, und räumt ein: «Vielleicht hab ich schon ein bisschen eine Ecke ab.» Denn sie weiss: Bei aller Pflanzenpsychologie ist ihr wild blühender Garten das Ergebnis konsequenter Arbeit und langjähriger Erfahrung. Vor 32 Jahren konnte sie, damals noch im Detailhandel berufstätig, ihre zwei Aren Grünfläche auf dem Areal Basel West (auf Elsässer Boden) übernehmen. Anfangs kriegte sie ihn für zwei Jahre auf Bewährung. «Einer allein erziehenden Frau gab man damals nichts einfach so», sagt sie. Und der Garten, den sie bekam, bestand aus stacheligem Gestrüpp.

Mein Schrebergarten Elf Schrebergärten aus der Region stellt die bz in den kommenden sechs Wochen vor. Danach dürfen unsere Leser den Lieblingsgarten küren. Die Sieger erhalten Gutscheine von Blumen Schmitt (Lörrach) und Blumen Steul (Rheinfelden) in Höhe von 1500, 1000 und 500 Franken. Unter den abstimmenden Lesern verlosen wir Gutscheine für 100 Franken.

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bz

Doch als Bauerntochter aus dem Oberbaselbiet weiss sie quasi von Geburt aus, wie man einen ordentlichen Garten hinzaubert. «Schon als Zehnjährige gab ich mein ganzes Taschengeld für Pflanzen aus.» Und sie steht jeden Tag um fünf auf und liest eine Stunde lang Gartenliteratur. Auch von den vielen Italienern im Gartenareal hat sie einiges gelernt. Inzwischen kennt sie alle Trickchen. Zum Beispiel streut sie Kartoffelstücke, damit die Drahtwürmer diese und nicht ihre Salate anknabbern. Und Weinbergschnecken liebt sie – sie fressen die Eier der gehäuselosen Schnecken und nicht ihr Gemüse.

So hat sie sich über die Jahre ein «Paradiesli» geschaffen, wie sie ihr grünes Reich nennt. Und dieses wächst auffallend empor. An allen Ecken winden Lianen einem Gitter entlang, blühen Rosen in der Höhe, spriessen Bohnen Stangen entlang. Auf liegenden Baumstämmen sind Töpfe mit Blumen, dazwischen blitzt immer wieder eine Tierfigur hervor.

Was ihr hingegen ein Graus ist, sind flache Beete. «Wenn ich offene Erde sehe, juckt es mich, und ich muss etwas pflanzen.» Vor einiger Zeit wollte sie zählen, wie viele Pflanzensorten sie hat. Bei 200 hörte sie auf zu zählen. Logisch, dass ein so üppig gepflegter Garten einiges an Essbarem abwirft. «Aber das ist nicht so wichtig», sagt sie. Entscheidend ist für sie, dass ihr «Paradiesli» interessant bleibt: «Jeden Tag entdecke ich etwas Neues.»