Allschwil / Birsfelden
Ein Gläschen in Ehren und ein Boccia-Weltmeister

In Allschwil und Birsfelden mass sich die Schweizer Boccia-Elite. Für den Schweizer Cup reisten Teams aus zehn verschiedenen Kantonen an. Der Sieg bedeutet den Einzug in die nationale Ebene und eine silberne Boccia-Kugel als Trophäe.

Alan Heckel
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Das Halbfinale des Schweizer Cups fand in den Boccia-Hallen von Allschwil und Birsfelden statt.

Das Halbfinale des Schweizer Cups fand in den Boccia-Hallen von Allschwil und Birsfelden statt.

Kenneth Nars

Der Parkplatz ist voll besetzt, darauf stehen Autos mit Kennzeichen aus zehn verschiedenen Kantonen. Was ist da los in der Boccia-Halle in Allschwil?

Im Gang, der vom Eingang zu den vier Bahnen führt, erfährt man auch den Grund für den Grossauflauf: Der grösste Boccia-Event des Landes, der Schweizer Cup, geht in Allschwil (und auch Birsfelden) über die Bahn. Eine silberne Boccia-Kugel steht auf einem Tisch, auf ihr sind die Namen der Sieger eingraviert – sie ruft den Spielern in Erinnerung, worum es an diesem Anlass geht: Um nichts weniger als den Einzug in die nationale Boccia-Elite.

Am frühen Samstag-Nachmittag sind alle Bahnen besetzt. Um sie herum haben sich Dutzende Neugierige versammelt, die die erste Runde im Dreier gespannt verfolgen – es sind Verwandte, Bekannte, aber auch zahlreiche Boccia-Interessierte, die den Spielern über die Schultern schauen wollen. So stehen beispielsweise Heinz Vögelin und Seppi Rossetto, die normalerweise für den Bocciaclub Allschwil die Kugeln rollen lassen, auf der Galerie und reden darüber, was unten passiert. «Wir sehen gern guten Sport», sagen die beiden.

Dass es sich um den grössten Anlass der Saison handelt, erkennt ein Experte wie Vögelin nicht nur anhand der spielerischen Qualität: «Die Stimmung ist angespannter, die Ernsthaftigkeit grösser als bei normalen Partien.» Teamkollege Rossetto ergänzt: «Auf diesem Niveau entscheidet der Kopf. Man merkt, dass einige Spieler da unten mental sehr gut sind.»

Die besten Spieler aus 15 Kantonen ermitteln an diesem Wochenende die beste Mannschaft eines Kantonalverbands. Die Boccia-Vereinigung beider Basel (BVbB) darf als Gastgeberin zwei Teams stellen. Wer in der moderneren Allschwiler Halle und wer in der Birsfelder Roche-Halle im Einsatz ist, hängt von der Auslosung ab. So muss man sich in Allschwil gedulden, bis man Weltmeister Davide Bianchi zu Gesicht bekommt. «Falls er mit dem Tessiner Team die erste Runde übersteht», weiss Ermes Mattanza, «kommt er noch hierher.»

Der BVbB-Präsident hat mit seinen Helfern nicht nur den Anlass auf die Beine gestellt, sondern ist auch als Teil des Dreiers von «Basel 1» im Einsatz gestanden. Das Heimteam musste sich aber die Konkurrenz aus dem Aargau geschlagen geben und schied aus. «Wir haben schlecht gespielt», gesteht Mattanza und hofft, dass «Basel 2» in Birsfelden den Einzug in die zweite Runde schafft.

Die Leibchen vergessen

Die Organisation des Events begann vor einem Jahr. Der Anlass: Die BVbB feiert dieses Jahr ihren 80. Geburtstag. Vor allem die Organisation des traditionellen Banketts für 110 Personen am Samstagabend im Grand Casino Basel nahm viel Zeit in Anspruch. Mattanza ist der Stress zwar nicht anzusehen, dürfte aber beim frühen Ausscheiden seines Teams eine Rolle gespielt haben. So musste der Leiter des Anlasses noch am späten Vormittag kurzfristig nach Hause ins Fricktal eilen, weil an den Austragungsorten zu wenige Leibchen für die Schiedsrichter vorhanden waren. Erst eine halbe Stunde vor Spielbeginn war er in Allschwil zurück – nicht gerade eine optimale Spielvorbereitung.

Hoher Besuch aus dem Tessin

Nach den Partien der ersten Runde trifft sich die Boccia-Elite im Club-Restaurant und entspannt sich vor den nächsten Partien. Die Atmosphäre ist kollegial. «Die meisten sehen sich ja praktisch jedes Wochenende an einem Turnier», erklärt der BVbB-Präsident. Für den Beobachter etwas überraschend ist, dass teilweise alkoholische Getränke konsumiert werden, obwohl noch mehrere Partien auf dem Programm stehen. «In der Halle sind Alkohol und Tabak verboten, doch wie es die Leute zwischen den Spielen halten, ist ihnen überlassen», erklärt Mattanza, «Jeder hat seine eigene Matchvorbereitung.»

Dann vernimmt er die gute Nachricht: «Basel 2» hat in Birsfelden die erste Runde überstanden. Jetzt muss nur noch den Tessinern gleiches gelingen. Dann wird in Allschwil auch noch ein Weltmeister zu sehen sein.